Meilensteine der Elektronik

Aus einem Waschsalon zu einem Technologieführer

| Redakteur: Hendrik Härter

Die Geschichte von Teledyne LeCroy begann 1964, als Walter LeCroy in einem ehemaligen Waschsalon Geräte für die Hochenergiephysik gebaut hat.
Die Geschichte von Teledyne LeCroy begann 1964, als Walter LeCroy in einem ehemaligen Waschsalon Geräte für die Hochenergiephysik gebaut hat. (Bild: Teledyne LeCroy)

Walter LeCroy startete seine Karriere 1964 als Unternehmer in einem ehemaligen Waschsalon mit Geräten für die Hochenergiephysik. Heute liegt der Schwerpunkt des Unternehmens auf digitalen Oszilloskopen.

Man kann sagen, dass das Talent des Walter LeCroy schuld daran war, dass er sein eigenes Unternehmen gründete. Nach seinem Bachelor-Abschluss in Physik an der Columbia University arbeitete der junge Walter als Chefelektroniker im Fachbereich Physik seiner Hochschule. Hier erkannten seine Kollegen sein Potenzial und ermutigten ihn, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Das war im Jahr 1964 in einem ehemaligen Waschsalon in Irvington, New York. Dort beschäftigte er sich mit der Hochenergiephysik und entwickelte verschiedene Methoden, um subatomare Teilchen zu analysieren, die sich nahe der Lichtgeschwindigkeit bewegen.

Dieser Markt war überschaubar, da es nur wenige Laboratorien gab, die Interesse an solch einer Lösung hatten. Trotzdem florierte das kleine Unternehmen. Bereits ein Jahr später wechselte Walter LeCroy vom ehemaligen Waschsalon in ein größeres Objekt in Elmsford und etwas später nach West Nyack, beides in der Nähe von New York. Einen bedeutenden Schritt machte das noch junge Unternehmen im Jahr 1972 mit der Gründung einer Niederlassung in Genf, denn hier saß einer der wichtigsten Kunden von LeCroy. Das CERN betreibt in Genf seinen riesigen Teilchenbeschleuniger für Hochenergiephysik. Damit war LeCroy in unmittelbarer Nähe zu den Forschern und konnte besser auf ihre Wünsche eingehen.

Recht schnell folgten Service-Niederlassungen in den Vereinigten Staaten, Europa, Japan und verschiedenen anderen Ländern. Ein letzter Umzug innerhalb der USA erfolgte 1976 nach Chestnut Ride, wieder in der Nähe von New York. Dort sitzt das Unternehmen heute noch. Anfang der 1980er Jahre änderte Walter LeCroy seinen Firmennamen von LeCroy Research Systems in LeCroy Corporation. Der Erfolg des Unternehmens lag darin, komplizierte elektrische Signale zu erfassen, zu messen und zu analysieren.

Echtzeit-Oszilloskop mit einer Abtastrate von 1 GS/s

Doch werfen wir noch einmal einen Blick zurück: Ein entscheidender Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens war die Entwicklung des WD2000 im Jahr 1971, also noch bevor man die Niederlassung in Genf eröffnet hatte. Bei diesem Gerät handelte es sich um das erste digitale Echtzeit-Oszilloskop mit einer Speichertiefe von 20 Samples, das zur damaligen Zeit 20.000 US-Dollar kostete. Trotz des recht hohen Preises konnte LeCroy immerhin 20 Geräte verkaufen.

Forscher waren mit dem WD2000 in der Lage, Signale bis zu einem Gigasample in der Sekunde abzutasten und erzielten damit eine höhere zeitliche Auflösung bei der Signalanalyse – egal ob analog oder digital. Zum Einsatz kam eine neue Sampling-Technik, die Strom- anstatt Spannungssignale erfasste. Doch trotz der ausgereiften Technik war das Messgerät nur ein Jahr auf dem Markt. Es war eine für die damalige Zeit sehr anspruchsvolle Technik. Die wenigen Anwender des Echtzeit-Oszilloskops nutzten es für sehr exotische Anwendungen.

So erinnert sich Firmengründer Walter LeCroy beispielsweise an Wissenschaftler, die das Gerät für die Laser-Fluoreszenzanalyse von Mondgestein einsetzten. Bedauerlicherweise nahm die Welt nur wenig Anteil an den Möglichkeiten des Oszilloskops. In den frühen 1980er Jahren erreichte LeCroy einen Marktanteil von 80 Prozent. Allerdings handelte es sich um einen Nischenmarkt, der nicht nur stagnierte, sondern sogar schrumpfte. Das war der Auslöser für einen Strategiewechsel. Das Unternehmen legte seinen Fokus jetzt auf elektronische Geräte, die nicht mehr nur eine begrenzte Zielgruppe bedienten, sondern für eine breitere Entwicklerschicht ausgelegt waren: Das Management setzte jetzt verstärkt auf Oszilloskop-Technik.

Erstes Digital-Oszilloskop mit einer Bandbreite von 125 MHz

Die Oszilloskope wurden von nun an ein eigener Geschäftsbereich. Dabei nutzte
LeCroy seine Erfahrungen aus der Hochenergiephysik, wo es darum geht, große Datenmengen schnell und zuverlässig auf Fehler zu untersuchen, und wendete das auf Oszilloskope an. Das unterscheidet LeCroy von den anderen Oszilloskop-Anbietern, die ihren Ursprung in der analogen Messtechnik hatten. Im Oktober 1982 fand ein wichtiges Treffen aller schlauen Köpfe der Firma statt mit dem Ziel, ein Digital Measuring Instrument (DMI) zu entwickeln. Man wollte sich bewusst vom klassischen Oszilloskop lösen und ein Gerät entwickeln, das sehr schnell umfassend und genau misst und dabei einfach zu bedienen ist.

Das mündete schließlich im ersten digitalen Oszilloskop im Jahr 1985 mit der Modell-Reihe 9400. Sie sollte die Welt der Messtechnik revolutionieren. Das verbaute 9-Zoll-Display zeigte in Echtzeit das detaillierte Signal. Die technischen Parameter waren zur damaligen Zeit beeindruckend. Es verfügte über eine Bandbreite von 350 MHz. Die horizontale x-Achse konnte zwischen 2 ns/div bis 100 s/div variiert werden. Zu den angebotenen Erfassungs-Modi standen Random Interleaved Sampling (RIS), Single Shot, Roll und Sequence zur Auswahl. Die Eingangsimpedanz lag bei 1 MOhm mit 50 pF und die vertikale Auflösung bei 8 Bit. Als Anschlüsse standen zwei RS-232-C-Ports zur Verfügung. Hierüber ließen sich Computer anschließen oder das Oszilloskop mit einem Plotter verbinden und es konnten bis zu 19.200 Baud übertragen werden.

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