Winbond Electronics Aufwind nach dem Krisenjahr

Redakteur: Franz Graser

1987 gegründet, feiert der taiwanische Speicherhersteller Winbond heuer sein 25-jähriges Bestehen. Die Firma mit 2100 Mitarbeitern will sich verstärkt im Automobil- und Industriebereich engagieren und die Kontakte nach Deutschland ausbauen.

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Eddy Hung ist Assistant Vice President und verantwortet das DRAM-Product Marketing Center beim taiwanischen Speicherhersteller Winbond.
Eddy Hung ist Assistant Vice President und verantwortet das DRAM-Product Marketing Center beim taiwanischen Speicherhersteller Winbond.
(Bild: Winbond)

Assistant Vice President Eddy Hung stellt das Unternehmen vor.

Was ist der Fokus Ihres Unternehmens?

Unser Fokus liegt auf speziellen Speicherlösungen. Das ist ein Bereich, der insgesamt 20 Prozent des gesamten Speichermarktes ausmacht. Wir produzieren DRAM- und Flash-Speicher, wobei wir im DRAM-Segment SDR, DDR, LPSDR und LPDDR sowie Pseudo-SRAM anbieten. Unsere Flash-Produktfamilie umfasst NOR- und Parallel-Flashspeicher sowie in naher Zukunft auch NAND-Flash.

Wo sind Ihre Kernmärkte?

Speicher ist überall. Winbond hat sich bisher auf Speicher für Endkundengeräte wie Flash-Harddisks, DVD-Spieler, Drucker, Fernsehgeräte und Set-Top-Boxen konzentriert. Wir sind aber seit 2006 auch im Industrie- und im Automotive-Bereich tätig. Dort wird eine höhere Qualität und Zuverlässigkeit verlangt, gepaart mit gutem Support, da die Produkte dort einen längeren Lebenszyklus haben.

Was sehen Sie in Ihrem Unternehmen als einzigartig an?

Anders als herkömmliche Integrated Device Manufacturer oder Designhäuser verfügt Winbond über ein eigenes Designteam, eine hochentwickelte Prozesstechnik und Fertigungsstätten, so dass wir flexibler auf Kundenanfragen reagieren können. Winbond hat außerdem lange Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Technologieführern wie Toshiba oder Infineon/Qimonda. dadurch sind wir mit der interkulturellen Kommunikation vertraut. Dadurch können wir schnell, exakt und effizient auf die Anliegen der Kunden reagieren.

Wie hat sich Ihr Geschäft über die letzten Jahre verändert?

Die größte Krise für Winbond war die Insolvenz von Qimonda im Jahr 2008. Das war die kritischste Situation, da Qimonda über 70 Prozent unserer Fertigungskapazität belegte. Da wir aber einen geradlinigen Übergangsplan hin zu Flash-Speicher und zu einem neuen Fertigungsprozess hatten, konnten wir die härteste Zeit – nicht zuletzt während der Finanzkrise im Jahr 2009 – überstehen und seit Ende 2009 wieder über acht ununterbrochene Quartale Gewinn machen.

2011 war dann wieder ein frustrierendes Jahr. Die Speicherhersteller profitierten zunächst von den Kapazitätsausfällen infolge des Erdbebens in Japan. Dann kam es aber zu einem Überangebot, worunter wieder alle litten. Ganz schlimm kam es dann aber zum Jahresende aufgrund der Flutkatastrophe in Thailand. Davon waren die Festplattenhersteller stark betroffen, und wir schlossen das vierte Quartal mit einem negativen Bruttoergebnis ab. Als die Festplattenhersteller die Fertigung wieder aufnahmen, ging es aber wieder schnell bergauf.

Was haben Sie sich für die nächsten beiden Jahre vorgenommen?

Wir wollen den Umsatz in den Segmenten Industrieautomatisierung und Automotive steigern. Dazu sind wir in der Lage und wir unterstützen auch die komplette Produktmatrix. Darüber hinaus werden wir unsere Produktfamilie um Speicher für Netzwerk-Systeme erweitern, um das Zeitalter des Cloud Computing nicht zu verpassen. Davon versprechen wir uns ein stetiges Wachstum unserer Umsätze und Gewinne in den kommenden fünf Jahren.

Wie wichtig ist Deutschland für Sie?

Deutschland ist der Kern der EU mit dem besten Wirtschaftswachstum in ganz Europa. Außerdem treibt Deutschland die Innovation im Automobilbereich und bei der Industrieautomatisierung stark voran. Wir hoffen, eine Schlüsselrolle in diesen Segmenten spielen zu können, vor allem, da es seit der Qimonda-Insolvenz keinen bedeutenden europäischen Speicherhersteller mehr gibt. Die frühere Kooperation mit Infineon/Qimonda könnte sich hier als nützlich erweisen, damit wir in Partnerschaften mit deutschen Unternehmen einsteigen können.

Was erwarten Sie sich von der globalen Wirtschaftslage in kommenden Jahr?

Die EU-Schuldenkrise wird weder einfach noch schnell zu lösen sein. Die Entscheidung der US-Zentralbank, durch die quantitative Lockerung quasi mehr Geld zu drucken, könnte dazu beitragen, dass die Menschen dort wieder mehr Geld für Konsumgüter ausgeben. Aber es gibt gleichzeitig ein Inflationsrisiko, vor allem dann, wenn durch einen möglichen Konflikt im Nahen und Mittleren Osten die Ölpreise wieder steigen.

Winbond ist auf der diesjährigen electronica in Halle A4 am Stand 139 vertreten.

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