ELPROM Auftragsentwicklung und Hightech-Fertigung in Südafrika

Redakteur: Claudia Mallok

Mit Auftragsfertigung bei hohen Qualitätsstands aber niedrigem Lohnniveau will der südafrikanische EMS-Anbieter ELPROM den deutschen Markt erschließen. Im Moment wird das Unternehmen, das „als neue, interessante Alternative zur Fertigung in Fernost für sich wirbt“ noch vom Kooperationspartner POLYPLAS GmbH vertreten. Doch Anfang 2008 wird ein eigenes Vertriebsbüro in Deutschland eröffnet.

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Firmengebäude von ELPROM in Stellenbosch, 20 km von Kapstadt entfernt
Firmengebäude von ELPROM in Stellenbosch, 20 km von Kapstadt entfernt
( Archiv: Vogel Business Media )

„Wir bieten das komplette Spektrum der EMS-Dienstleistungen an – Ingenieurdienstleistungen, Beratung, Baugruppenfertigung, Qualitätssicherung, Materialbeschaffung einschließlich Endprüfung, Verpackung und Verschiffung respektive Versand kompletter Geräte“, zählt Robert L. Steltman, Geschäftsführer des südafrikanischen EMS-Anbieters ELPROM, auf. Das 1991 gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Stellenbosch, 40 km von Kapstadt entfernt.

Auf 4500 m² Fertigungsfläche wird auf moderner Ausrüstung bestückt und gelötet – selbstverständlich auch bleifrei, geprüft, getestet, einschließlich AOI und Röntgentest. Verarbeitet werden ca. 30 Mio. Bauteile pro Monat. „Zum Einsatz kommen auch Lötroboter und Versiegelungsautomaten“, ergänzt der Geschäftsführer auf und betont, dass alle Arbeiten von hoch qualifizierten Mitarbeitern – ELPROM beschäftigt insgesamt 350 Personen – ausgeführt werden. Der Umsatz bewegt sich bei ca. 20 Mio. € pro Jahr. Der Dienstleister ist von der DEKRA zertifiziert nach ISO 9001:2000 und Mitglied des IPC.

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Sicherlich ist nur Insiderd bekannt, dass die Elektronikindustrie in Südafrika auf eine lange Erfahrung rund um die Leiterplatte zurückgreifen kann. „Die Historie der Elektronikindustrie führt zurück auf Mitte der 70er-Jahre, als Sanktionen gegen das Apartheitssystem verhängt wurden. Während vor dieser Zeit Hochtechnologieprodukte importiert wurden, war das System mit dem Greifen der Sanktionen gezwungen, Forschung und Entwicklung insbesondere für Waffensysteme zu forcieren.

Militärische Anwendungen

Innerhalb kürzester Zeit ist die Anzahl der Elektronikingenieure drastisch gestiegen. Hoch qualifizierte Universitäten haben sich entwickelt. Unter dem Slogan „können wir auch – sogar besser“ entfaltete sich im Niedriglohnland eine Hightech-Industrie mit kreativen Köpfen und hoch motivierten Experten, erzählt Steltman.

In Südafrika wurden hochmoderne Kampfmittel produziert, die im globalen Wettbewerb bestanden haben und bestehen. Dazu gehören das Artilleriesystem G5 und der Angriffshubschrauber Rooivalk mit allen hochmodernen Flug-, Navigations- und Waffensystemen. Dem folgte die Entwicklung von Nuklearwaffen, das unter Druck und Überwachung der Vereinten Nationen gestoppt wurde. Das Ende der Apartheit und Beginn der Demokratie durch die Wahl von Nelson Mandela 1994 löste zwei markante Entwicklungen aus.

Erstens wurden erfolgreiche Verteidigungsunternehmen von Waffenmultis übernommen, zweitens gründeten erfahrene Ingenieure eigene zivile Unternehmen. Innerhalb von nur fünf Jahren haben diese Unternehmen die stagnierende Verteidigungsindustrie überholt. Ohne Protektion und staatliche Hilfe haben sich diese Elektronikunternehmen international etabliert und sind absolut konkurrenzfähig, betont Steltman.

Interessante neue Alternative zur Fertigung in Fernost

Die Stärke dieser Hightech-Unternehmen ist die Entwicklung von Hard- und Software sowie Fertigung einzelner Komponenten bis zum kompletten Gerät einschließlich Forschungs- und Entwicklungsleistungen. Niedrige Kosten sind der Erfolgsgarant, dass die Preise der Produkte auf dem Weltmarkt speziell im asiatischen Raum konkurrenzfähig sind, denn der Binnenmarkt ist als Absatzmarkt zu klein. Genau dies sei das Erfolgsrezept der südafrikanischen Produzenten im internationalen Wettbewerb: ein hohes Qualitätsniveau und kostengünstige Fertigung.

IT- und Elektronikriesen wie GE, Acer, Cisco Systems, Flextronics Development und Mikrosoft oder Autoproduzenten wie BMW, Mercedes, Volkswagen, Bosch und Toyota nutzen bereits diesen Standortvorteil. Aus der Sicht des ELPROM-CEO bietet Südafrika eine ganze Reihe Vorteile gegenüber Südostasien. Aufgrund der gesetzlichen und interkulturellen Umsetzung des Copyrights, der gleichen Kultur und dem Verständnis sind vertrauliche Unterlagen oder Absprachen in guten Händen. Hinzu kommen die gleiche Zeitzone mit Mitteleuropa, der internationale Bankverkehr sowie das Schulwesen mit verschiedenen Weltklasse-Universitäten. „Diese globalen Verbindungswege, gebündelt mit moderner Kommunikation und kostengünstigen Weltmarktpreisen, sind eine interessante neue Alternative zur Fertigung in Fernost“, betont der Geschäftsführer.

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