Abschwung gestoppt Auftragseingang der Bauelemente-Distribution wächst stark

Redakteur: Margit Kuther

Die deutsche Bauelemente-Distribution verzeichnet im vierten Quartal 2020 23% mehr Aufträge und einen auf minus 8,1% verringerten Umsatzrückgang. Insgesamt hat Covid deutliche Spuren im Geschäftsjahr 2020 hinterlassen.

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Bauelemente-Distribution im Aufwind: Überproportional hohe Auftragseingänge in 4Q2020 katapultieren die Book-to-Bill-Rate auf 1,22.
Bauelemente-Distribution im Aufwind: Überproportional hohe Auftragseingänge in 4Q2020 katapultieren die Book-to-Bill-Rate auf 1,22.
(Bild: FBDi)

Während andere Regionen der Welt trotz Covid-19 in 2020 ein teils deutliches Wachstum hinlegten, lahmten Europa und ganz speziell der deutsche Elektronik-Bauteilemarkt. Der Umsatz der im Fachverband Bauelemente-Distribution (FBDi e.V.) organisierten Distributionsunternehmen ging um 14,6% auf 2,85 Mrd. Euro zurück und fällt deutlich unter den einstigen Höchststand von 3,6 Mrd. Euro im Jahr 2018.

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Zum Jahresende wurde das schlechte Gesamtbild etwas freundlicher, das vierte Quartal endete mit einem Minus von 8,1% und 632 Mio. Euro.

Die Nachfrage nach Bauelementen steigt

Dagegen wuchs der Auftragseingang überproportional, mit knapp 23% auf 769 Mio., was einer Book-to-Bill-Rate von 1,22 entspricht. Die Book-to-Bill-Rate ist ein wirtschaftlicher Indikator, der das Verhältnis von Auftragseingängen (book: Auftragsbuch) zu Umsätzen (bill: Rechnung) für einen bestimmten Zeitraum, in diesem Fall ein Quartal, angibt.

Positiv ist eine Book-to-Bill-Rate von 1 oder höher, denn dann überwiegen die Auftragseingänge. Und eine Book-to-Bill-Rate von 1,22 ist ein sehr erfreulicher Wert, insbesondere deshalb, weil die Book-to-Bill-Rate im dritten Quartal 2020 lediglich 0,88 betrug. Doch wer meint, Corona allein sei für die Umsatzeinbrüche 2020 verantwortlich, der irrt: Denn die historisch niedrige Book-to-Bill-Rate von lediglich 0,83 wurde im 3. Quartal 2019 erzielt, also vor der Corona-Pandemie.

Übersicht nach Produkten

Auf Produktebene wurden die passiven Bauelemente mit -21% übers gesamte Jahr am stärksten gebeutelt. Mit einem Minus von 3,4% und 77,5 Mio. Euro lagen sie hinter den elektromechanischen Bauteilen zurück, die zwar um 9,5% auf 87 Mio. Euro sanken, aber im Gesamtjahresvergleich deutlich stabiler waren (-5,3%) und gut 13% des Umsatzkuchens repräsentierten (Passive: 11,7%). Die Halbleiter lagen um 15,6% unter dem Vorjahresumsatz und brachten es in Q4 auf rund 414 Mio. Euro Verkaufserlöse. Der Anteil am gesamten Markt blieb stabil bei 68%. Besser behaupteten sich die kleineren Produktbereiche wie Sensorik (-8,9%) Stromversorgungen (-8,2%) und Displays, wobei letztere sogar deutlich zulegten (was aber wohl dem Reporting-Mechanismus einiger Mitglieder geschuldet ist).

Zu geringe Lagerbestände sind eine Ursache der Verknappung

FBDi-Vorstandsvorsitzender Georg Steinberger: „Das war ein überraschend positives Ende eines durch und durch miesen Jahres. Dass wir jetzt in eine Versorgungskrise bei Bauteilen rutschen, mit teils extremen Engpässen und ebenso signifikanten Preiserhöhungen vieler Hersteller, ist zwei bezeichnenden Umständen geschuldet: Erstens verhalten sich viele Marktteilnehmer zu digital und reduzieren bei den kleinsten Anzeichen einer Krise ihren Lagerbestand, nur um im umgekehrten Fall sofort in Panikaktionen zu verfallen. Und zweitens ist Europa eine substrategische Region, deren gesamter Bauteilebedarf dem eines einzigen großen Auftragsfertigers in China entspricht. Dass im Falle von Knappheiten große Smartphone-Giganten anders versorgt werden als die Vielzahl europäischer OEMs und auch anders als die „systemkritische“ Automobilindustrie, dürfte niemanden überraschen, der die Marktstatistiken des FBDI der letzten 15 Jahre gelesen hat.“

Unabhängigkeit der europäischen Halbleiterindustrie von Asien – nur leere Worte?

Die jüngste Offensive der Bundesregierung zur Sicherung von mehr Unabhängigkeit von asiatischen Auftragsfertigern in der Halbleiterindustrie sieht der FBDI skeptisch. Steinberger: „Wir kennen viele Programme aus der Vergangenheit, die an der jetzigen Situation nichts geändert haben. Die Halbleiterindustrie lebt von innovativen Chipdesigns und Intellectual Property, von Know-how und Milliardeninvestitionen in bahnbrechende Fertigungstechnologie und nicht zuletzt von riesigen Stückzahlen, die in der Regel nur von großen Plattformen (Smartphones, Tablets, Laptops etc.) und damit globalen Leitkunden kommen. 50 Mrd. Euro Förderung hört sich schön an, aber wohin soll das Geld gehen? Wenn das so ähnlich gemanagt wird wie die Coronahilfe, dann gute Nacht.“

Die Mitgliedsunternehmen (Stand Januar 2021)

Mitglieder: Acal BFi Germany; Arrow Europe; Avnet EMG EMEA; Beck Elektronische Bauelemente; Blume Elektronik Distribution; Bürklin Elektronik; CODICO; Conrad Electronic; Distrelec; Ecomal Europe; Endrich Bauelemente; EVE; Future Electronics Deutschland; Glyn; Gudeco Elektronik; Haug Components Holding; Hy-Line Holding; JIT electronic; Kruse Electronic Components; MB Electronic; MEDI Kabel; Memphis Electronic; Menges Electronic; MEV Elektronik Service; mewa electronic; Mouser Electronics; Neumüller Elektronik; pk components; Püplichhuisen; RS Components; Rutronik Elektronische Bauelemente; Ryosan Europe; Schukat electronic; TTI Europe.

Fördermitglieder: TDK Europe, Recom

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