Auf Wachstumskurs: deutsche Elektroindustrie trotzt Trump und Brexit

| Autor / Redakteur: Ingo Gürtler* / Margit Kuther

Auf Wachstumskurs: Die deutsche deutsche Elektronik und Elektroindustrie konnte ihre Exporte 2016 steigern.
Auf Wachstumskurs: Die deutsche deutsche Elektronik und Elektroindustrie konnte ihre Exporte 2016 steigern. (Bild: Clipüdealer)

Protektionismus verunsichert die Weltwirtschaft. Dennoch befindet sich die deutsche Elektronik- und Elektroindustrie auf einem Wachstumskurs, der bis 2018 anhalten könnte.

Die Weltwirtschaft erholt sich langsam. Seit Mitte 2016 zeigen die Auftragseingänge der deutschen Industrie wieder ein deutliches Plus im Vergleich zum Vorjahr, obwohl die Zuwächse 2011 nach der Finanz- und Wirtschaftskrise noch nicht erreicht wurden.

Das zurzeit positive Geschäftsklima in der deutschen Wirtschaft lässt darauf schließen, dass 2017 und auch 2018 mit weiteren moderaten Steigerungsraten zu rechnen ist. Im Vergleich zu 2016 rechnet das verarbeitende Gewerbe 2017 mit einem Produktionszuwachs von 1,5% (2016 1,2%), so das Ergebnis der Studie „Worldwide Electronics Distribution Report“ von Europartners Consultants.

Brexit und Trump sind Wachstums-Hemmnisse

Trotzdem besteht in der Industrie nach wie vor eine massive Verunsicherung, hervorgerufen durch die Entscheidung Großbritanniens, die EU zur verlassen sowie durch die protektionistischen Aussagen der neuen amerikanischen Regierung. Der Brexit Großbritanniens, immerhin die drittgrößte Wirtschaftsnation nach Deutschland und Frankreich in Europa, hemmt zurzeit Investition und Entscheidungen, da bis heute noch keine klaren Aussagen von beiden Parteien über die zukünftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritanniens getroffen worden sind.

Die deutsche Wirtschaft produziert innovative und langlebige Wirtschaftsgüter, die weltweit einen sehr guten Ruf haben. Protektionistische Äußerungen wie zurzeit aus verschiedenen Nationen zu hören sind, helfen der Weltwirtschaft nicht weiter sondern stören und behindern die Entwicklung der eigenen Wirtschaft.

Die deutsche Elektronik und Elektroindustrie

Die deutsche Elektronik und Elektroindustrie gehört mit 851 Tsd. Inlandsbeschäftigten und weiteren 700 Tsd. Auslandbeschäftigten zu der zweitgrößten Industriebranche in Deutschland. Die Produktion stieg lt. ZVEI 2016 um 1% auf 147 Mrd € und der Umsatz mit 0,2% auf 178,5 Mrd €. Zu den größten Exportländern zählen die USA und China mit einem jeweiligen Anteil von 9%. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Export nach China um 0,4% gewachsen. Die Eurozone dominiert mit einem Anteil von knapp 64% den Export. Frankreich (Anteil 6,5%), Großbritannien(5,5%) und Italien mit einem Anteil von 4,7% gehören zu den größten Abnehmerländern. Die Importe nahmen mit 166,2 Mrd € um 3,4% zu.

Umsätze der deutschen Wirtschaft nach Marktsegmenten

Die Umsätze in der Elektromedizin, Automation und bei elektronischen Bauelementen entwickelten sich positiv, während in der Fahrzeugelektronik sowie in der Informations- und Kommunikationstechnik Umsatzrückgänge verzeichnet wurden. Der weltweite Elektromarkt betrug 2016 4,13 Mrd Euro. Bis 2018 ist das Wachstum mit einer jeweiligen Steigerung um 4% prognostiziert. Der Anteil Deutschlands betrug 2016 knappe 3% im Vergleich zu China mit 40% und der USA mit 15%. Die deutsche Elektronik und Elektroindustrie, die auf den Export angewiesen ist, hat sich in den letzten Jahren erfolgreich mit Hightech und langlebigen Produkten den weltweiten Wettbewerb gestellt.

Tragende Säulen bezogen auf das Umsatzvolumen sind nach wie vor die Automobilindustrie und der Maschinenbau verbunden mit der Industrieautomation. 2017 dürfte die Dynamik der Elektroindustrie zunehmen. Das Geschäftsklima in der Herstellung elektrischer Ausrüstungen hat sich deutlich verbessert und die Prognosen deuten auf einen Zuwachs von 3% hin.

Der deutsche Bauelementemarkt

Der Markt für elektronische Bauelemente in Deutschland (Total Available Market; TAM) wuchs 2016 auf 18,9 Mrd. Euro, das entspricht einer Zunahme von ca. 3%. Der Anteil (Distribution Total Available Market; DTAM), der über die Distribution und das Händlernetz verkauft wurde, steigerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 1% auf 25% zum TAM, laut der Marktanalyse von Europartners Consultants, veröffentlicht im neuen Distribution Report 2017 und erreichte einen Gesamtwert von 4,7 Mrd. Euros.

Das Verhältnis DTAM zum TAM lag in den letzten Jahren relativ konstant zwischen 24% und 25%. Die Analyse hat ergeben, dass die Industrie und auch die weltweiten Produzenten elektronischer Bauelemente für einen starken Industriemarkt, wie Deutschland es darstellt, auf einen sehr guten und konstanten Mix zwischen direkter Belieferung und Lieferung über Distributoren Wert legen. Ein wichtiger Indikator für den Bauelementemarkt ist der Anteil des DTAM und TAM am gesamten Produktionswert. Der Anteil des TAM steigerte sich auf 12,9% ( Vorjahr 12,6%) während der DTAM relativ konstant bei 3% liegt.

Das größte Einkaufsvolumen kommt aus der Automobilindustrie, die größtenteils direkt von den Herstellern beliefert wird, während der Industriesektor primär die Domäne der Distribution ist.

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* Ingo Gürtler ...ist Representative of Europartners Consultants Deutschland

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