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Chinesische Wirtschaft Auf dem Weg zum Exportweltmeister - bei Elektronik ist die VR China bereits vorn

Redakteur: Claudia Malllok

In einem rasanten Tempo hat sich China innerhalb weniger Jahre zu einem Giganten der Weltwirtschaft entwickelt. 2008 könnte das Reich der Mitte Deutschland den Titel Exportweltweister abnehmen, schätzt die bfai. Maßgeblich dazu beigetragen haben 700 Mrd US-Dollar ausländisches Kapital, Markenpiraterie und eine unterbewertete Währung.

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Dr. Gerd Herx, Direktor der Bundeagentur für Außenwirtschaft (bfai) in Köln
Dr. Gerd Herx, Direktor der Bundeagentur für Außenwirtschaft (bfai) in Köln
( Archiv: Vogel Business Media )

Seit 1990 hat sich die VR China in die Spitzengruppe der weltweit größten Exporteure katapultiert, meldet die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai). 2003 wurde Japan locker überrundet, und im laufenden Jahr werden auch die USA überholt. „Nach konservativen bfai-Schätzungen könnte das Reich der Mitte mit Ausfuhren in Höhe von mehr als 1,4 Billionen US-Dollar schon 2008 Deutschland als bisherigen Exportweltmeister ablösen“, prognostiziert bfai-Direktor, Dr. Gerd Herx. China schaffte es damit innerhalb kürzester Zeit, sich vom „Nobody“ zu einem Weltwirtschaftsgiganten zu mausern. 2006 lieferte das Land zum Beispiel Waren für mehr als 300 Mrd. US-Dollar in die USA – gut dreimal so viel wie Deutschland.

Maßgeblich für diese Erfolge sind in erster Linie elektronische Erzeugnisse. 2006 exportierte das Reich der Mitte Elektronik im Wert von knapp 300 Mrd. US-Dollar und dominierte damit die Weltmärkte. Erst mit großem Abstand folgten die USA mit Ausfuhren in Höhe von 135 Mrd. US-Dollar, und deutsche Unternehmen lagen mit 70 Mrd. US-Dollar noch hinter Korea nur auf Rang sechs. China stellt heute knapp 20% des weltweiten Exports von elektronischen Erzeugnissen.

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Der zweitgrößte chinesische Ausfuhrposten sind Textilien und Bekleidung. Lag 1990 noch Italien als Exporteur in diesem Segment an der Spitze, übernahm China schon wenige Jahre danach die Führung und lieferte 2006 Waren im Wert von 140 Mrd. US-Dollar in alle Welt. Das Land hält damit einen Anteil von rund einem Viertel an der Weltausfuhr von Textilien und Bekleidung. Der dritte große Industriesektor ist die Elektrotechnik. Schon 2005 exportierte China schon 60% mehr Elektrohausgeräte als Deutschland, bei Haushaltskleingeräten lag der Faktor sogar bei 10:1. China erhöhte seine Ausfuhren in diesem Segment im vergangenen Jahr um über 40% auf 78 Mrd. US-Dollar und verdrängte damit das bislang führende Deutschland (64 Mrd. US-Dollar) auf Rang zwei.

Etwa 700 Mrd. US-Dollar ausländische Direktinvestitionen

Auch im Maschinenbau kann China erstaunliche Erfolge aufweisen. So wurden im vergangenen Jahr mit einem Exportzuwachs von fast 40% auf knapp 60 Mrd. US-Dollar die klassischen Maschinenexporteure Großbritannien und Frankreich überrundet. Das Land liegt jetzt hinter Deutschland, den USA, Japan und Italien weltweit auf Rang fünf.

„Allerdings ist hier der Abstand zur Weltspitze noch groß – Deutschland lieferte 2006 drei mal so viel Maschinen ins Ausland, und die deutschen Branchenexporte nach China verzehnfachten sich in den vergangenen 15 Jahren auf mehr als 12 Mrd. US-Dollar“, so Dr. Herx weiter.

Diese rasante Entwicklung wäre allerdings ohne ausländische Beteiligung nicht denkbar gewesen. China hat seit Beginn der Öffnungspolitik insgesamt etwa 700 Mrd. US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen erhalten. In der Regel waren dies Produktionsverlagerungen der großen Industrienationen, die das Land als verlängerte Werkbank entdeckt hatten. In der Folge stellen diese Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung heute etwa 60% der chinesischen Ausfuhr.

Ausländisches Kapital, Plagiate und eine unterbewertete Währung

Die rasante Entwicklung der chinesischen Wirtschaft begründet die bfai folgendermaßen: Erstens hat das Land seit Beginn der Öffnungspolitik insgesamt etwa 700 Mrd. $ an ausländischen Direktinvestitionen erhalten. In der Regel waren dies Produktionsverlagerungen der großen Industrienationen, die China als verlängerte Werkbank entdeckt hatten. In der Folge stellen diese auslandsfundierten Unternehmen heute etwa 60% der chinesischen Ausfuhr.

Zweitens ist die Tendenz zum Raubkopieren und zur Markenpiraterie in China ungebrochen. Auch eine Verschärfung der Gesetze konnte daran nichts Grundsätzliches ändern, da das Unrechtsbewusstsein im Lande kaum vorhanden ist. Zudem sind die inzwischen weitgehend WTO-konformen Gesetze in der Praxis häufig nur schwer durchsetzbar. Das führt zum Beispiel dazu, dass immer mehr deutsche Unternehmen keine chinesischen Delegationen mehr empfangen wollen, da die Gefahr des Abkupferns zu groß ist.

Drittens ist die chinesische Währung auch heute noch nicht frei konvertibel. Finanzexperten gehen von einer bis zu 40%igen Unterbewertung des Yuan aus – Doping für den chinesischen Export.

„Schließlich dürften auch kulturelle Eigenarten eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Fleiß und Sparsamkeit gehören bekanntermaßen zu den konfuzianischen Tugenden, und, last but not least: Chinesen können Bitteres gut essen – so ein geflügeltes Sprichwort aus dem Reich der Mitte“, resümiert Dr. Gerd Herx.

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