Zertifizierung

Auch für Industrie-PCs gelten Compliance-Regeln

| Autor / Redakteur: Peter Hoser * / Margit Kuther

Analysen mit Infrarot-Kameras: Diese ermitteln „Hot Spots" auf Mainboards von Industrie-PCs und reduzieren damit das Risiko von Problemen, die durch Überhitzung entstehen können.
Analysen mit Infrarot-Kameras: Diese ermitteln „Hot Spots" auf Mainboards von Industrie-PCs und reduzieren damit das Risiko von Problemen, die durch Überhitzung entstehen können. (Bild: Fujitsu)

Für kundenspezifische Industrie-PCs sind Zertifizierungen selbst kleiner Stückzahlen mit hohen Kosten verbunden. Eine probate Lösung sind zertifizierte Kit Solutions.

Der Kunde ist König! Das gilt auch bei Industrie-PCs (IPCs). Die Einsatzgebiete solcher Systeme sind höchst vielseitig.

So müssen IPCs resistent gegen Umwelteinflüsse sein, etwa gegen Staub, Vibration oder Feuchtigkeit. Andere Anforderungen betreffen betriebsbedingte Stressfaktoren wie Lastwechsel und Dauerbetrieb oder eine hohe elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Diese mechanischen und thermischen Randbedingungen erfordern häufig individuelle Systementwicklungen.

Ein Faktor, der sich dabei für Anbieter von IPCs als problematisch erweist, sind zeitaufwendige und kostenintensive Tests, Zertifizierungen und Akkreditierungen. Ein Industrierechner muss solche Vorgaben in unterschiedlichen Bereichen erfüllen. Dazu zählen neben der EMV die Produktsicherheit, die Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit sowie die Widerstandsfähigkeit gegen Erschütterungen und Vibrationen. Diese Vorgaben betreffen nicht nur das Gesamtsystem, sondern auch die verbauten Komponenten: vom Mainboard über die Stromversorgungen, Kabelführungen, Lüfter, WLAN-Adapter bis hin zu den Kühllösungen und dem Gehäuse.

Hinzu kommt, dass weltweit unterschiedliche Versionen von Produkt-Compliance-Vorgaben gelten und gesetzliche Anforderungen sich ändern. In den USA und Kanada haben beispielsweise die Federal Communications Commission (FCC) und die CSA Group mit den FCC- und UL/CSA-Normen andere Vorgaben in Bezug auf EMV, Produktsicherheit und Funktechniken (Wireless LANs) entwickelt als die Europäische Union mit der CE-Kennzeichnung oder den EN-Normen. Möchte ein Unternehmen IPCs eines Herstellers an mehreren internationalen Standorten einsetzen, müssen die Systeme auch über dort gültige Zertifizierungen und Akkreditierungen verfügen. Dies sollten Hersteller von Industrie-PCs berücksichtigen, die ihre Produkte weltweit vermarkten möchten.

Ohne Zertifizierung keine Zulassung

Sich über Produkt-Compliance-Vorschriften wie CE oder geltende DIN/EN-Normen (Deutsches Institut für Normung / Europäische Norm) hinwegzusetzen, ist nicht empfehlenswert. Ohne CE-Kennzeichnung darf beispielsweise ein Produkt wie ein Industrie-PC weder in Umlauf gebracht noch in Betrieb genommen werden. Setzt sich ein Hersteller oder Anbieter darüber hinweg, können die Marktüberwachungsbehörden anordnen, dass die Systeme solange nicht verkauft werden dürfen, bis die Zertifizierung vorliegt.

Stellt ein Rechner wegen der fehlenden Zertifizierung für Nutzer ein „ernsthaftes Risiko“ dar, kann die Behörde sogar die Vernichtung der Systeme anordnen. In jedem Fall ist eine solche Sanktionierung mit erheblichen finanziellen und möglicherweise juristischen Folgen für den Anbieter verbunden. Auch Unternehmen, die IPCs einsetzen, die nicht getestet und zertifiziert wurden, gehen ein Risiko ein. Sie haften beispielsweise, wenn solche Systeme Arbeitsunfälle verursachen. Zudem ist das Risiko deutlich höher, dass solche PCs ausfallen und damit Produktionsabläufe stören.

Welchen Aufwand es erfordert, normgerechte IPC-Komponenten herzustellen, zeigt folgendes Beispiel: Industrie-Mainboards von führenden Herstellern wie Fujitsu sind gemäß DIN 60068-2 für den Dauerbetrieb im Temperaturbereich von 0 °C bis 60 °C spezifiziert. Das gilt auch für die Dauernutzung bei hohen Temperaturen und bei starker Belastung von CPU und Grafikkarte. Alle Komponenten auf dem Board müssen für eine hohe Dauerlast ausgelegt sein, auch dann, wenn dabei permanent Temperaturen von 60 °C vorherrschen.

Um dies garantieren zu können, ist eine aufwendige Klimaerprobung in einer Klimakammer erforderlich. Dabei wird beispielsweise ermittelt, ob gefährdete Bauteile wie Prozessor, Trafo und Drosselspulen ausreichend gekühlt werden. Außerdem prüfen Testfachleute mithilfe von Software-Tools die Systemstabilität im Betrieb mit der maximalen Umgebungstemperatur. Hinzu kommt ein Stabilitäts-Dauertest bei wechselnden Temperaturen.

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