Executive Education Auch der Chef muss auf die Schulbank

Redakteur: David Franz

Weiterbildung ist nicht nur was für Mitarbeiter. Auch Vorgesetzte müssen investieren. Executive Education heißt das Zauberwort. ELEKTRONIKPRAXIS sprach mit Dr. Walter Böhme, Geschäftsführer bei Munich Metrology, über seine Erfahrungen.

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Walter Böhme beim Advanced Management Program (AMP) Munich-Barcelona: Der promovierte Physiker ist Geschäftsführer der Munich Metrology GmbH, die Analytikgeräte für die Halbleiterindustrie herstellt.
Walter Böhme beim Advanced Management Program (AMP) Munich-Barcelona: Der promovierte Physiker ist Geschäftsführer der Munich Metrology GmbH, die Analytikgeräte für die Halbleiterindustrie herstellt.
(Bild: IESE Business School)

Endlich wieder einmal lernen dürfen, frische Ideen erhalten und nicht immer nur Input abliefern müssen oder Anderen etwas beibringen – diese Erfahrung genoss Dr. Walter Böhme, Geschäftsführer der Munich Metrology GmbH, als er bereits im Jahr 2009 eine Weiterbildung für Top-Führungskräfte besuchte. Wer früher ein entsprechendes Programm auf Spitzenniveau suchte, musste dazu ins Ausland reisen. Inzwischen aber gibt es Executive Education auch in Deutschland.

Böhme kann sich entsprechend als „Pionier“ eines Trends sehen: Spitzenmanager fordern zeitlich gestraffte Programme auf Universitätsniveau, die ihnen für alle wesentlichen Unternehmensaspekte fundierte Fachkenntnisse mit hohem Praxisbezug vermitteln. Sie wünschen Programme, die den offenen Austausch unter den teilnehmenden Top-Führungskräften ermöglichen. Eines ihrer wichtigsten Motive: sich strategisch fit zu machen, um auch in komplexen Situationen schnelle und nachhaltige Entscheidungen treffen zu können.

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Herr Böhme, warum haben Sie sich dafür entschieden, an einem Executive Education-Programm teilzunehmen?

Meine Motivation war ein bisschen speziell. Ich war damals Technischer Leiter einer Firma, die Analytikgeräte für die Halbleiterindustrie herstellte und 2008 Insolvenz anmelden musste. Nach dem Einstieg eines Investors wurde ich gefragt, ob ich Interesse daran hätte, als Geschäftsführer die anstehende Neustrukturierung zu gestalten. Mich reizte diese Aufgabe sehr, aber als promovierter Physiker fühlte ich mich in vielen Belangen der Unternehmensführung nicht sattelfest genug und wünschte mir fundierteres Wissen – vor allem in den betriebswirtschaftlichen Bereichen.

Auf Vermittlung des Investors nahm ich zunächst an einem Seminar zum Thema Restrukturierungsmanagement in Nürnberg teil, das mir bereits sehr viel gebracht hat. Doch der Wunsch nach einer wirklich umfassenden Weiterbildung bestand bei mir fort, so dass ich mich schließlich nach einer erneuten Empfehlung des Investors für das Advanced Management Program (AMP) der IESE Business School beworben habe.

Mit dem Beweggrund „Geschäftsführer quasi über Nacht“ bin ich sicherlich ein Sonderfall, aber generell gibt es in Executive Education-Programmen etliche Teilnehmer, die sich fitmachen wollen für den nächsten großen Schritt auf der Karriereleiter – genauso wie Manager, die bereits auf etliche Jahre Berufserfahrung zurückblicken können und sich in einer Phase der Umorientierung befinden oder einfach mal eine Auszeit vom stressigen Alltag nehmen wollen, um frische Ideen und neue Perspektiven zu bekommen.

Was würden Sie anderen Führungskräften empfehlen, worauf Sie bei der Auswahl eines Executive Education-Programms achten sollen?

Meiner Meinung nach gibt es drei Punkte, die Führungskräfte bei ihrer Entscheidung berücksichtigen sollten: Ganz wesentlich ist, dass die Business School nach dem General Management-Ansatz unterrichtet – das Curriculum sollte also wirklich alle Bereiche der Unternehmensführung abdecken.

Darüber hinaus fand ich die Vermittlung von Lehrinhalten durch die Analyse und Diskussion realer Fallszenarien unglaublich hilfreich und auch die Internationalität des Programms – sowohl bei den Inhalten als auch bei Teilnehmern und Professoren sollte eine Rolle spielen.

Das heißt, für Spitzenmanager mit langjähriger Berufserfahrung oder Führungskräfte mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund wären solche Programme also weniger geeignet?

Doch, auf jeden Fall – General Management ist ja nicht gleichbedeutend mit BWL, sondern ist vielmehr ein Generalüberblick über Unternehmensführung. Das umfasst Mitarbeiterführung ebenso wie makroökonomische Themen, Marketingwissen oder auch Unternehmensethik. Aus diesem Grund ist ein Executive Education-Programm auch für Manager mit BWL-Hintergrund sehr interessant. Ein betriebswirtschaftliches Studium deckt meiner Meinung nach maximal zehn Prozent der Lehrinhalte einer Weiterbildung mit General Management-Ansatz ab.

Für mich war damals etwa der ethische Ansatz sehr wichtig – ein Aspekt, den ich nicht unbedingt in einer Management-Weiterbildung erwartet hätte. Mein Vorgänger als Geschäftsführer pflegte einen relativ rauen Umgang mit den Mitarbeitern, während ich immer dachte, dass Mitarbeiterführung anders funktionieren müsse. Der Ansatz der IESE Business School hat mich darin bestärkt.

Gerade in der Phase der Restrukturierung war es sehr hilfreich, aufgezeigt zu bekommen, dass sich ein menschlich einwandfreier Umgang und wirtschaftlicher Erfolg nicht ausschließen – ganz im Gegenteil. Bei uns im Unternehmen herrschte damals eine sehr große Unsicherheit und meine Aufgabe war es, dennoch möglichst viele Mitarbeiter zu halten und sie davon zu überzeugen, gemeinsam die Kehrtwende zu schaffen. Auch dank der Rückendeckung in der Weiterbildung ist mir dies – bis auf eine Ausnahme – erfreulicherweise in allen Fällen gelungen.

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