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ARM tritt IoT-Geschäftseinheit an Softbank ab

| Autor: Sebastian Gerstl

ARM übergibt seine IoT-Bereiche an Muttergesellschaft Softbank. Die beiden IoT-Geschäfte 'IoT Platform' und 'Treasure Data', sollen bis Ende September übertragen und aus der Geschäftsbilanz herausgerechnet werden.

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Campus des ARM Hauptquarties im britischen Cambridge: Der britische Prozessorhersteller hatte mit teuren zukäufen 2018 sein IoT-Geschäft ankurbeln wollen, nun sollen diese Bereiche wieder aus der Bilanz verschwinden.
Campus des ARM Hauptquarties im britischen Cambridge: Der britische Prozessorhersteller hatte mit teuren zukäufen 2018 sein IoT-Geschäft ankurbeln wollen, nun sollen diese Bereiche wieder aus der Bilanz verschwinden.
(Bild: Arm-headquarters-cambridge-5 / Arm-headquarters-cambridge-5 / Apollo439 / CC BY-SA 4.0 / CC BY-SA 4.0)

Etwa zwei Jahre ist es her, dass Prozessorhersteller ARM mit teuren Geschäfts-Zukäufen und umstrittenen Plattform-Kooperationen zu einem wichtigen Player im aufstrebenden IoT-Markt werden wollte. Doch die Strategie wollte nicht so recht aufgehen. Nun wurde die Entscheidung getroffen, ARMs Bilanzen zu entlasten: das Unternehmen tritt seine Geschäftseinheiten 'IoT Platform' und 'Treasure Data' an die Muttergesellschaft Softbank ab.

Der Technologiekonzern Softbank hatte ARM 2016 für umgerechnet 28,7 Milliarden Euro gekauft. Es war unter der Ägide der neuen japanischen Dachgesellschaft, die ARM dazu bewegten, aus dem reinen Prozessorgeschäft heraus stärker zu diversifizieren und in den stark wachsenden, aber sich bereits sättigenden IoT-Markt zu drängen.

Der Einkauf von Treasure Data im August 2018, die Branchenberichten nach bei 600 Millionen US-$ lag, war mit die bis dato teuerste Akquise in der Geschäftsgeschichte der britischen Prozessorschmiede. Im selben Jahr erwarb ARM zudem das ebenfalls auf den IoT-Bereich fokussierte Tech-Startup Stream Technolgies zu einem nicht öffentlichen Betrag. Auf Basis der zugekauften Technologien und dem hauseigenen mbed-OS präsentierte ARM die Pelion-IoT-Plattform.

Doch das folgende Geschäftsjahr verlief nicht optimal : Im zweiten Quartal 2019 verbuchte das Unternehmen 90 Millionen Pfund (damals umgerechnet etwa 100,8 Millionen Euro) Verlust, im dritten Quartal folgten weitere 11 Millionen Pfund (ca. 12,32 Millionen Euro) Miese.

Kein glückliches Händchen unter dem neuen Eigner?

Als Softbank den Einkauf von ARM bekannt gab, verkündete Softbank-CEO Masayoshi Son große Pläne für das Unternehmen - speziell mit Blick auf den IoT-Markt. Damals versprach Son, die Mitarbeiterzahl von ARM in Großbritannien innerhalb von fünf Jahren 'mindestens zu verdoppeln'. Damals hatte ARM dort 1747 Angestellte. Ende 2019 waren es immerhin bereits 2742, doch von der angekündigten Verdopplung ist man noch deutlich entfernt.

Für Eigner Softbank verliefen die letzten beiden Jahre auch alles andere als rosig: Überteuerte Einkäufe und missglückte Investitionen in teils bereits übersättigte Märkte bescherten dem japanischen Technologiekonzern Verluste in Milliardenhöhe, Gründer und CEO Masayoshi Son sah seitens Partnern, Investoren und auch führenden Personalien von Tochterunternehmen heftiger Kritik ausgesetzt. Um die Bilanzen auszugleichen sah sich Softbank gezwungen, wertvolle Anteile am eigentlich sehr gut laufenden Geschäft von T-Mobile US zu verkaufen, unter anderem an die Deutsche Telekom.

Son, dessen Unternehmen Softbank immer noch 75% der Aktienanteile von ARM hält, sieht aber in ARM in offiziellen Statements weiterhin einen der größten Hoffnungsträger innerhalb des Konzerns. Marktexperten vermuten allerdings, dass Softbank einen separaten Börsengang des Unternehmens planen könnte, um nach dem schlechten Geschäftsjahr frisches Kapital in die Bilanzen zu spülen. Die Ausgliederung der schlecht bilanzierten IoT-Geschäftseinheiten könnte gut in diese Theorien passen.

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