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Forschung Arduino auf der Zunge wird zum Kompass für Blinde und Sehbehinderte

| Redakteur: Franz Graser

Ein Kribbeln auf der Zunge könnte Blinde und Sehbehinderte schon bald dabei helfen, sich im Raum zu orientieren: Ein Arduino-basiertes Gerät übermittelt Impulse an eine Kontaktfolie, die auf die Zunge gelegt wird.

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Die neun in einer Quadratform angeordneten Kontakte helfen der Testperson, sich in einem Raum zu orientieren. Ein elektrischer Impuls auf einem der Kontakte macht sich durch ein Kribbeln auf der Zunge bemerkbar.
Die neun in einer Quadratform angeordneten Kontakte helfen der Testperson, sich in einem Raum zu orientieren. Ein elektrischer Impuls auf einem der Kontakte macht sich durch ein Kribbeln auf der Zunge bemerkbar.
(Bild: MIT Media Lab)

Jeder kennt das elektrische Kribbeln, das entsteht, wenn man die beiden Kontakte einer 9-Volt-Blockbatterie mit der Zunge berührt. Diese Empfindlichkeit der Zunge macht sich Gershon Dublon vom Massachusetts Institute of Technology für seine Entwicklung namens Tonguedino zunutze.

Dieses Kunstwort, das aus dem englischen Wort tongue für Zunge und der Mikrocontroller-Plattform Arduino zusammengesetzt ist, könnte bei Blinden und Sehbehinderten möglicherweise bald in aller Munde sein – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Dublon hat ein Gerät auf Arduino-Basis entwickelt, dessen wichtigster Bestandteil eine Folie mit elektrischen Kontakten ist, die auf die Zunge gelegt wird.

Die Kontakte sind in einem quadratischen Gittermuster angeordnet – frühere Versionen waren mit neun Kontakten ausgestattet, mittlerweile wurde die Zahl auf 25 erhöht. Diese Folie ist mit einem elektronischen Sensor auf Arduino-Basis verbunden.

Da die menschliche Zunge ausgesprochen empfindliche sensorische Fähigkeiten hat, spürt der Benutzer sehr genau, von welchem Kontakt das elektrische Kribbeln stammt, den er auf der Zunge verspürt. Da das menschliche Gehirn neue Erfahrungen gewöhnt sehr schnell in das Spektrum der Sinne integriert, dauert es nicht sehr lange, bis der Anwender den Tonguedino als eine Art Kompass benutzen kann.

Das sei zum Beispiel der Fall, wenn Tonguedino mit einem Sensor verbunden wird, der das Magnetfeld der Erde erfasst, sagte Dublon dem amerikanischen Magazin New Scientist: „Man müsste dazu gar nicht einmal viel trainieren, mal legt die Folie einfach auf die Zunge und spürt die Signale sofort.“ Der MIT-Wissenschaftler hat das Gerät zunächst an sich selbst ausprobiert und will Tonguedino in Zukunft auch mit freiwilligen Probanden testen.

Nach Meinung von Blair McIntyre vom Georia Tech Institute in Atlanta könnte eine drahtlose Variante des Gerätes für Augmented-Reality-Anwendungen nützlich sein, da es Informationen übertrage, ohne den visuellen oder den Hörsinn der Anwender zu beeinträchtigen. „Es gibt einen Bedarf für Sensoren, die nicht sozial intrusiv sind“, erklärte er dem New Scientist: Selbst Google Glass setze ein Headset voraus, das für die Mitmenschen wahrnehmbar sei.

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