Rekordzahl an offenen Stellen Arbeitsmarkt: Mehr Ingenieure gesucht als je zuvor

Von Sebastian Gerstl

Der Ingenieursarbeitsmarkt hat einen Rekordwert bei der Zahl offener Stellen erreicht: Mit monatsdurchschnittlich 140.000 Stellenausschreibungen gab es in diesem Jahr deutlich mehr Stellengesuche als selbst vor Beginn der Pandemie. Vor allem in den Bereichen Elektro- und Energietechnik wird Fachpersonal händeringend gesucht.

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Aufschwung nach der Pandemie: Nach zwei Jahren Corona-Krise sind auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure so viele offene Stellen wie nie zu vor ausgeschrieben. Vor allem in der Energie- und Elektrotechnik wird dieser Bedarf auch noch auf Jahre hinaus hoch bleiben.
Aufschwung nach der Pandemie: Nach zwei Jahren Corona-Krise sind auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure so viele offene Stellen wie nie zu vor ausgeschrieben. Vor allem in der Energie- und Elektrotechnik wird dieser Bedarf auch noch auf Jahre hinaus hoch bleiben.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Nach zwei Jahren Pandemie hatte die Wirtschaft Anfang 2022 – noch vor dem Ukraine-Krieg – angefangen, sich spürbar zu erholen. Das schlug sich auch auf dem Arbeitsmarkt nieder: Wie der VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V. in seinem Ingenieurmonitor meldet, hatte die Zahl offener Stellenausschreibungen für Ingenieure im ersten Quartal diesen Jahres nicht nur das Vorkrisenniveau überschritten, sondern gar eine neue Rekordmarke seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011 erreicht.

Mehr als nur ein Nachbesetzen durch in der Pandemie gestrichene Arbeitsplätze

Demnach zählte der Arbeitnehmer-Interessensverband in den ersten Jahresmonaten 2022 monatlich im Schnitt 140.000 offene Stellen, die durch Stellenausschreibungen neu zu besetzen waren. Mehr als 91.000 Jobs verteilen sich dabei auf die klassischen Ingenieurberufskategorien, knappe 49.000 offene Stellen auf Informatikerberufe. Das ist ein gewaltiger Sprung im Vergleich zum vierten Quartal 2021: Die Zahl neuer Stellenausschreibungen legte um gleich 51,4 Prozent zu.

Auch das Niveau vor der Corona-Pandemie ist dadurch deutlich übertroffen: Der Quartalswert vor der Corona-Krise lag bei monatsdurchschnittlich 117.400 zu besetzenden Positionen. Für das erste Quartal 2022 ist mit einer weiteren Zunahme der zu offenen Jobs zu rechnen, auch wenn im Laufe des Jahres durch den Krieg in der Ukraine mit einer konjunkturellen Abkühlung zu rechnen ist, deren Auswirkungen auf den Ingenieurarbeitsmarkt abzuwarten bleibt.

Größte Engpässe bei Bau, Informatik sowie Energie- und Elektrotechnik

Die enorme Erholung des Arbeitsmarktes ist natürlich auch den zwei vorausgegangenen Pandemiejahren geschuldet: Viele Unternehmen gingen in Kurzarbeit oder verlängerten befristete Verträge nicht. Besonders in stark betroffenen Branchen wie dem Baugewerbe wurden zahlreiche Stellen abgebaut, die nun wieder neu besetzt werden müssen.

Entsprechend stellt der vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für den VDI erstellte Ingenieurmonitor allem voran in der Bau- und Vermessungsbranche den größten Bedarf fest. Besonders stark ist allerdings die Nachfrage auch in den Feldern Elektrotechnik , Elektronik und Energietechnik, wobei letzterer vor allem durch die angestrebte Energiewende beflügelt wird. Die Nachfrage an Fachpersonal im Bereich Informatik ist ebenfalls ungebrochen hoch. Knappheit bestehe jedoch auch in allen anderen Ingenieurberufen.

Demografische und regionale Unterschiede

Auch wenn der aktuelle Ukraine-Krieg wirtschaftliche Erwartungen zwischenzeitlich wieder ausbremst prognostiziert der Ingenieurmonitor, dass in den kommenden Jahren durch Digitalisierung und Klimaschutz der Bedarf an Beschäftigten in Ingenieur- und Informatikerberufen deutlich zunehmen wird. Ebenfalls nimmt der jährliche demografische Ersatzbedarf an MINT-Akademiker*innen um geschätzt 7.400 an durch Ruhestand wegfallenden und wieder zu besetzenden Stellen zu. Die Erschließung von inländischen Fachkräftepotenzialen von Älteren, Frauen, weiteren Studieninteressierten und jüngeren Bevölkerungsgruppen gewinne damit immer mehr an Bedeutung.

Dabei gibt es auch deutliche regionale Unterschiede bei den Engpässen an Ingenieur*innen. Am stärksten betroffen, gemessen an der Engpassrelation zu anderen Berufszweigen, ist Sachsen-Anhalt/Thüringen mit 547 gesamtwirtschaftlichen Stellen je 100 Arbeitslosen, gefolgt von Sachsen (523 zu 100). An dritter Stelle liegt das Bundesland Bayern mit einer Relation von 520 zu 100. In allen drei Bundesländern hat es zuletzt verstärkte Investitionsaufwendungen gegeben, die auf Jahre hinaus einen enormen Bedarf an Ingenieurspersonal nach sich ziehen und damit auch die Zahl an offenen Stellenausschreibungen langfristig auf hohem Niveau halten.

So entsteht etwa in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) eine neue Mega-Fab von Intel, deren Bau alleine im Bauwesen und in der Halbleiterindustrie Tausende Stellen schaffen wird. In eine ähnliche Richtung gehen die Ausbaubemühungen von Globalfoundries oder Zeiss in Sachsen. Im bayerischen München soll innerhalb der nächsten fünf Jahren mit dem Munich Quantum Valley ein weltweit führender Standort für Quantencomputer-Technologien entstehen - samt anhängigem akademischen Ausbildungsangebot.

Der Ingenieurmonitor wird einmal pro Quartal gemeinsam vom VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V. und dem Institut der deutschen Wirtschaft e.V. herausgegeben und präsentiert einen Überblick über den aktuellen Stand und die Entwicklung relevanter Indikatoren des Arbeitsmarktes in den Ingenieur- und Informatikerberufen. Der vollständige VDI-/IW-Ingenieurmonitor ist – nach erfolgter kostenloser Registrierung beim VDI – kostenfrei downloadbar.

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