Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen Apple verklagt RISC-V-Startup

Von Sebastian Gerstl

Apple verklagt das auf RISC-V-Prozessoren spezialisierte Startup Rivos wegen Vertragsbruch und widerrechtlicher Aneignung von Halbleitertechnologie. Das Unternehmen soll gezielt Ingenieure von Apple abgeworben und so geschütztes Wissen über Apples hauseigene M1- und A15-Prozessoren in seine SoCs eingebracht haben.

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Mit dem hauseigenen M1-Prozessor hat Apple in der Branche für viel Ausfmerksamkeit gesorgt. Hat nun ein Startup gezielt Geheimwissen um diesen und andere intern entwickelte Chips von Apple gestohlen, um sich selbst für eine künftige Übernahme attraktiv zu machen?
Mit dem hauseigenen M1-Prozessor hat Apple in der Branche für viel Ausfmerksamkeit gesorgt. Hat nun ein Startup gezielt Geheimwissen um diesen und andere intern entwickelte Chips von Apple gestohlen, um sich selbst für eine künftige Übernahme attraktiv zu machen?
(Bild: Apple)

Apple hat eine Klage gegen das US-amerikanische Startup-Unternehmen Rivos im Allgemeinen und wenigstens zwei Einzelpersonen im Speziellen wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen und Vertragsbruchs eingereicht. Rivos ist spezialisiert auf High-Performance-SoCs auf RISC-V-Basis und arbeitet nach eigenen Angaben an hochleistungsfähigen, Stromsparenden Prozessoren für Rechenzentren und den Smartphone- bzw Notebook-Bereich.

Gezieltes Abwerben und Diebstahl hauseigener Prozessor-Technologie

Das Startup wurde erst im Mai 2021 gegründet, habe sich aber bereits ab Juni desselben Jahres laut Apple in einer koordinierten Kampagne daran gemacht, gezielt aktuell bei Apple arbeitendes wie auch ehemaliges Fachpersonal aus dem Prozessoren-Designteam des Macbook- und iPhone-Anbieters anzuwerben. In der von Apple am Freitag eingereichten Klage heißt es, dass das in Mountain View, Kalifornien, ansässige Rivos im vergangenen Jahr mehr als 40 seiner ehemaligen Mitarbeiter eingestellt habe mit dem Zweck, an direkt mit Apple konkurrierender System-on-Chip-Technologie (SoC) zu arbeiten. Dabei seien mindestens zwei nun ehemalige Apple-Ingenieure dazu angestiftet worden, mehrere Gigabyte an vertraulichen Informationen mit zu Rivos genommen haben, die unter anderem Apples hausintern entworfenen M1- und A15-Prozessoren sowie Chips, die sich derzeit noch im Entwurfs- oder Prototypen-Stadium befinden, betreffen.

Bei den betreffenden ehemaligen Apple-Ingenieuren soll es sich um Shih-Chieh Wen, auch bekannt als Ricky Wen, und Bhasi Kaithamana handeln. Kaithamana ist laut seinem Linkedin-Eintrag der leitende CPU-Implementierungsingenieur bei Rivos. Er kam im August 2021 zu Rivos, nachdem er acht Jahre bei Apple gearbeitet hatte, wo er bis zum Senior Engineering Manager aufstieg. Die Klageschrift unterstellt zudem, dass auch mehrere andere ungenannte Rivos-Mitarbeiter vertrauliche Dokumente mitnahmen, als sie Apple verließen. zudem habe Rivos die betreffenden Mitarbeiter dazu angestiftet, sich explizit Apps für verschlüsselte Kommunikation auf ihren Artbeitsgeräten für den Austausch mit Rivos zu installieren, und dass die Angeklagten versuchten, ihre Spuren zu verwischen, indem sie Daten von ihren von Apple ausgegebenen Geräten löschten.

Startup im Stealth-Modus mit großem Chipdesign-Erfahrungsschatz

Rivos ist ein junges Startup, dass sich auf die Entwicklung und das Design von RISC-V-basierten High-Performance SoCs spezialisiert hat. Das junge Startup wurde erst im Mai 2021 von Puneet Kumar (CEO) und Mark Hayter (Chief Strategy Officer) gegründet. Beide sind schon lange im Bereich des Chipdesigns gemeinsam unterwegs; und vertraut mit dem Aufbau interssanter Startups, die von größeren Unternehmen übernommen werden: Kumar und Hayter arbeiteten bereits um die Jahrtausendwende bei SiByte, bevor das Unternehmen an Broadcom verkauft wurde. Anschließend arbeiteten sie beide bei PA Semiconductor, bevor das Unternehmen 2008 an Apple verkauft wurde. Danach waren sie an dem Silicon-Valley-Startup Agnilux beteiligt, das nie aus dem Stealth-Modus herauskam, bevor es 2010 von Google übernommen wurde.

Rivos sieht sich selbst derzeit als ein „Startup im Stealth-Modus": Das Unternehmen hat sich noch nicht öffentlich mit großen Eigenentwicklungen für den Markt profiliert. Statt dessen scheint das Hauptziel zu sein, innovative Chipdesigns zu entwerfen, um so größer Unternehmen auf sich aufmerksam und das Startup für eine Übernahme attraktiv zu machen. In diesem Sinne weist das Startup gewisse Parallelen zu dem jüngst von Qualcomm für 1,4 Mrd. US-$ übernommenen Unternehmen Nuvia auf: Wie derzeit Rivos verfügte auch Nuvia über einen großen Stab an erfahrenen Ingenieuren, die zuvor bei Apple oder Google bzw. bei von Apple oder Google übernommenen Startups gearbeitet hatten. Nach eigenen Angaben entwickelt Nuvia besonders energieeffiziente CPU-Kerne, die sogar Apples neuste, erstaunlich stromsparenden Eigenentwicklungen übertreffen sollen - eine Nische, in die auch Rivos schlägt.

Echter Vorwurf oder Einschüchterung ehemaliger Mitarbeiter?

Seit seiner noch vor relativ kurzer Zeit stattgefundenen Gründung hat Rivos bereits kräftig expandiert. Neben US-Niederlassungen in Mountain View, Austin, Portland und Colorado in den USA verfügt das Unternehmen bereits über eine Tochtergesellschaft im indischen Bangalore sowie im britischen Cambridge, nicht weit vom dortigen ARM-Campus entfernt. Allerdings ist derzeit noch unklar, wer die Investoren hinter Rivos sind oder woher das Startup sein Kapital bezieht. Die Erfolgsbilanz und Geschichte der Gründer lässt vermuten, dass sie nach dem ersten Architekturnachweis bereits einen Verkauf des Unternehmens anstreben dürften, wie es auch bei Nuvia der Fall war.

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Trotzdem ist auch ohne die abgeworbenen Apple-Spezialisten das Know-How in Sachen Chipdesign bei Rivios auf einem vielversprechend hohem Niveau, wofür nicht nur die Vergangenheit der beiden Gründer spricht. Nach dem kürzlich erfolgten massenweisen Stellenabbau bei ARM insbesondere auch im Standort Cambridge dürften zahlreiche erfahrene Entwickler bei dem jungen Startup eine neue Heimat gefunden haben. Anfang diesen Jahres war es Rivos zudem gelungen, den ehemaligen CEO von Agile Analog, Tim Ramsdale, als Manager des britischen Tochterunternehmens zu gewinnen.

Zu Bedenken ist außerdem, dass Apple in der jüngeren Vergangenheit bereits mehrmals ehemaligen Mitarbeitern unter dem Vorwurf von IP-Diebstahl mit rechtlichen Schritten gedroht hat. So hatte beispielsweise das Unternehmen 2019 dem Gründer und CEO des bereits erwähnten Startups Nuvia, Gerard Williams III, mit einer eben solchen Klage gedroht. Williams war fast ein Jahrzehnt lang Apples leitender CPU-Architekt gewesen, bevor er Apple verließ Nuvia gründete.

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