Leistungshalbleiter & Automation Antriebstechnik: weiterhin Lieferengpässe

Redakteur: Gerd Kucera

Zwar erholen sich Zulieferer der elektrischen Antriebstechnik von COVID-19-bedingten Einbrüchen, doch sind sie noch nicht über dem Berg, konstatiert Brianna Jackson, Research Analyst beim internationalen Marktbeobachter Interact Analysis.

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Chipmangel: Quer durch alle Branchen fehlen die Halbleiter.
Chipmangel: Quer durch alle Branchen fehlen die Halbleiter.
(Bild: Cristian Ibarra/Pixabay)

Die Umsätze auf dem Antriebsmarkt seien im Jahr 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie um 5 bis 10 Prozent gesunken. Während gerade die erste Hälfte des Jahres 2020 durch starke Umsatzeinbrüche gekennzeichnet waren, konnten viele Anbieter diese Verluste in der zweiten Jahreshälfte ausgleichen.

„Jetzt, wo die Wirtschaft wieder anspringt, werden die Nachwirkungen von COVID-19 deutlich sichtbar“, sagt Brianna Jackson Analystin bei Interact Analysis, „denn die weltweiten Produktionseinschränkungen haben die Produktion überall behindert und ließen die Hersteller unvorbereitet auf die nun erhöhte Nachfrage.“

Praktisch alle Antriebskomponenten seien verknappt oder im Preis gestiegen. Das bedeute, dass die Vorlaufzeiten und Preise zulegen, weil Lieferanten versuchen, so viel Marge wie möglich zu sichern, während sie weiterhin ihre Kernkunden bedienen, so Jackson weiter.

Problem Lieferkette: vom Halbleiter bis zum Karton

Die Halbleiterknappheit stehe im Vordergrund des aktuellen Geschehens und werde mit großer Sorge von Antriebslieferanten beobachtet. Die gestiegene Nachfrage nach Halbleitern im Jahr 2020 bei gleichzeitigen Herausforderungen in der Produktion aufgrund von Abschaltungen führte laut Marktanalyse zu Schwierigkeiten bei der Versorgung.

Jetzt, da viele große Volkswirtschaften zu einem Gefühl der Normalität zurückkehren, steige die Nachfrage noch stärker an, während die Lieferbarkeit weiterhin hinterherhinkt. Jackson: „Wenn man diese Situation im Kontext mit anderen Versorgungsengpässen sieht, wie etwa der Blockade des Suezkanals und dem Großbrand in einer wichtigen Halbleiter-Produktion, wird klar, warum sich nicht nur die Halbleiterlieferungen in ihrem derzeitigen Zustand befinden.“

IGBTs und Mikroprozessoren

Die Halbleiterknappheit habe sich nicht nur auf die Versorgung mit IGBTs ausgewirkt, sondern auch auf die Verfügbarkeit aller in Antrieben verwendeten Mikroprozessoren. Frequenzumrichter für allgemeine Anwendungen sind in der Regel weniger anspruchsvoll und basieren auf einfacheren Mikroprozessoren als Premium-Antriebe.

Globale Halbleiterproduktion: Trotz COVID-19-Ausbruch ist sie im Jahresverlauf 2020 gestiegen und erfuhr dann Anfang 2021 ihren Abwärtstrend. Jetzt fehlen quer durch alle Branchen wichtige Halbleiter. Ursächlich sind mehrere Gründe. Auf eine Entspannung ist wohl nicht vor 2022 zu hoffen.
Globale Halbleiterproduktion: Trotz COVID-19-Ausbruch ist sie im Jahresverlauf 2020 gestiegen und erfuhr dann Anfang 2021 ihren Abwärtstrend. Jetzt fehlen quer durch alle Branchen wichtige Halbleiter. Ursächlich sind mehrere Gründe. Auf eine Entspannung ist wohl nicht vor 2022 zu hoffen.
(Bild: Interact Analysis)

Zwar befinde sich die Marktbeobachtung noch in einem frühen Stadium, doch es scheine, die universellen Antriebe sind von den Auswirkungen der Halbleiterknappheit weniger betroffen, weil ihre nicht so komplexen Komponenten leichter zu beschaffen sind als etwa die komplexen Mikroprozessoren für Hochleistungsantriebe.

Die Analystin Jackson geht davon aus, dass ein Produktmix entsteht, der sich in Richtung Universalantrieb verschiebt. Diese Translokation werde sich absehbar im Zuge der Normalisierung von Lieferketten auflösen.

Außerhalb der Halbleiterbranche sei die Lieferkette derzeit von Preissteigerungen bei Grundmaterialien wie Stahl, Kupfer und sogar Karton betroffen. Diese Marktentwicklungen haben laut Interact Analysis dazu geführt, dass Zulieferer zur Deckung der Nachfrage benötigten Komponenten und Materialien auf Spontankäufe zurückgreifen.

Container-Knappheit und andere Transportprobleme

Ein zusätzliches Problem sind die Kosten für den Transport von Waren: Antriebshersteller hätten gegenüber Interact Analysis von Schwierigkeiten berichtet, Container in ausreichender Zahl für den Transport zu bekommen bei zugleich zweistelligen Steigerungen der Transportkosten. Auch die Blockade des Suez-Kanal habe dazu beigetragen.

Laut dem FBX-Containerpreisindex hat sich der Preis für einen ISO-40-Fuß-Container im Vergleich zum letzten Jahr um das 3- bis 4-fache erhöht. Steigende Transportkosten in Verbindung mit der Verknappung von Komponenten haben dazu geführt, so berichtet Jackson, dass die Lieferanten die Kosten an den Verbraucher weitergeben und die Preise für Antriebe somit um 2 bis 5 Prozent steigen.

Auch weiterhin müsse man sich mit COVID-19-bezogenen Lieferkettenproblemen auseinandersetzen, heißt es. Eine aktuelle Marktstudie von Interact Analysis (Marktbericht Niederspannungs-AC-Motorantriebe) will darstellen, wie sich die kurzfristigen Auswirkungen dieser Trends auf das Geschäft der Zulieferer einordnen lassen.

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