Aufbruch 2022 Antizipation und Adaption schaffen Alternativen

Redakteur: Gerd Kucera

Das Corona-Virus wird künftig zum Alltag gehören, sagt Elizabeth von Hauff, Leiterin des Fraunhofer FEP in Dresden. Trotz neuer Gegebenheit werde mit voller Innovationskraft der Forschungsauftrag erfüllt.

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Elizabeth von Hauff: „Das war oft ein großer Kraftakt...In den letzten 1,5 Jahren hat sich die Fraunhofer-Gesellschaft und auch das Fraunhofer FEP als äußerst resilient erwiesen.“
Elizabeth von Hauff: „Das war oft ein großer Kraftakt...In den letzten 1,5 Jahren hat sich die Fraunhofer-Gesellschaft und auch das Fraunhofer FEP als äußerst resilient erwiesen.“
(Bild: Fraunhofer FEP)

Für die Forschenden am Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP) in Dresden zeichneten sich bereits zu Jahresbeginn 2020, als noch kein Lockdown in Sicht war, erste Veränderungen durch Corona ab. Erste Beschäftigte arbeiteten vorsorglich mobil von zuhause aus, da sie von laufenden Projekttreffen und Konferenzen aus asiatischen Ländern zurückgekehrt waren, noch bevor in Deutschland erste Fälle von Corona Covid-19 auftauchten. Professorin Elizabeth von Hauff ist Leiterin des Fraunhofer FEP und beschreibt:

„Es folgten die ersten Absagen von Messen, Konferenzen und schließlich kam der erste Lockdown. Auch für unser Institut war das eine einschneidende Erfahrung. Dieser Tatsache konnten wir allerdings schnell begegnen: Binnen zwei Wochen wurde die Mehrheit der Mitarbeitenden mit Technik für das Home Office ausgestattet. Andere Kollegen organisierten ihre Tätigkeiten neu, trotz Home Schooling und Betreuung von Angehörigen, um an den für uns essenziellen Anlagen und in den Reinräumen weiterarbeiten zu können. Das war oft ein großer Kraftakt. Gleichzeitig hat die Fraunhofer-Gesellschaft e.V. schnell reagiert und innerhalb kürzester Zeit Tools zum kollaborativen und effektiven Arbeiten im Home Office zur Verfügung gestellt. Ebenso wurden Randbedingungen geschaffen, um Familien und auch betreuende Angehörige flexibles Arbeiten unkompliziert zu ermöglichen. Dies führte am Fraunhofer FEP zu einem fast reibungslosen Ablauf der Arbeiten an Projekten und Forschungsthemen.

Praktiziere Optimismus und organisiere das Leben neu

Bis heute wurden viele weitere Möglichkeiten seitens der Fraunhofer-Gesellschaft und des Fraunhofer FEP geschaffen und angepasst, um der Pandemie und den veränderlichen Gegebenheiten mit voller Innovationskraft entgegen zu treten und weiter unserem Forschungsauftrag für Industrie und Wirtschaft folgen zu können. In den letzten 1,5 Jahren hat sich die Fraunhofer-Gesellschaft und auch das Fraunhofer FEP als äußerst resilient erwiesen.

Mitten in dieser Zeit fand die entscheidende Phase der Bewerbung um den Posten der Institutsleitung am Fraunhofer FEP statt. Dank der vorhandenen Infrastruktur konnten so Formate geschaffen werden, um auch über Distanzen den Prozess der Auswahl und der Berufung voranzutreiben. Trotz aller Widrigkeiten kann man rückblickend sogar ein sehr positives Fazit ziehen – denn an einigen Stellen konnten mehr Mitarbeitende, Wegbegleiter, Kollegen und Forscher den Prozess transparent begleiten und mitverfolgen. Die Phase des Bewerbungsprozesses um die Institutsleitung des Fraunhofer FEP und auch die Planungen und die vielen Gespräche mit der Technischen Universität Dresden war an sich schon eine sehr intensive Zeit. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie haben sich während dieser Zeit aber auch viele neue Formate der Abstimmung, der Vorstellung und der Kommunikation mit künftigen Partnern und Mitarbeitenden ergeben. Dies hat viele neue Aspekte des Arbeitens an sich hervorgebracht, aber auch Menschen trotz der Distanzen zusammengeführt.

Habe Emphathie und unterstütze die Anderen

Sicherlich mussten viele Mitarbeitende auch lernen, mit diesen neuen Randbedingungen umzugehen. Dies erfordert von allen Beteiligten stets auch Feingefühl, Rücksicht und Geduld. Ich kann aus heutiger Sicht sagen, dass dies durchaus auch positive Seiten hat und an manchen Stellen Prozesse beschleunigt, die heute gut etabliert sind. Aktuell pendle ich zum Beispiel noch zwischen meinem bisherigen Wirkungskreis in Amsterdam und dem Fraunhofer FEP in Dresden. Dies lässt sich gut bewerkstelligen, Absprachen und Rückfragen sind unkompliziert möglich und die räumliche Distanz keine Hürde mehr.

Erinnere dich an bisherige Erfolge und setze neue Ziele

Das Fraunhofer FEP forscht für die Praxis und insbesondere auch an anwendungsnahen Lösungen für die Industrie und besonders den Mittelstand. Gerade hier wurden seitens Fraunhofer agil und sehr früh Programme zur Unterstützung von KMUs wie das Programm „KMU akut“ oder auch eigene Forschungsprogramme „Fraunhofer vs. Corona“ geschaffen. Der Erfolg war beeindruckend – bereits binnen kürzester Zeit gingen mehr innovative Projektideen ein, als vorerst gefördert werden konnten. Daraus sind inzwischen bemerkenswerte Entwicklungen hervorgegangen. Am Fraunhofer FEP sind verschiedene Bereiche involviert, um z.B. Textilien so zu funktionalisieren, dass diese antiviral wirken und gleichzeitig aber auch effizient produziert werden können. Auch Beschichtungen für Gesichtsshields oder die Früherkennung von infektiösen Personen mittels innovativer Sensorik und OLED-Mikrodisplays sind Ansätze, die vielversprechend sind.

Mitten in der Krise wurden auch die Ergebnisse langjähriger Forschungsarbeiten belohnt. Während in Deutschland die Impfterminvergabe ein heißes Thema war, erhielten die drei Fraunhofer-Institute IZI, IPA und FEP den Joseph-von-Fraunhofer-Preis „Technik für den Menschen und seine Umwelt“ für die Forschung an einer effektiven Produktionsmethode für Impfstoffe mit beschleunigten Elektronen. Ein Lichtblick, der uns mit Blick auf erste Investoren aus der Wirtschaft positiv in die Zukunft – auch der Impfstoffherstellung - blicken lässt.

Elizabeth von Hauff zieht ein Fazit: Das Fraunhofer FEP ist bisher sehr gut durch die Krise gekommen. Dank des agilen Einsatzes unserer Mitarbeitenden, einer großen Flexibilität aber auch des Vertrauens der Leitung in unsere Kolleginnen und Kollegen können wir aktuell und auch künftig mit attraktiven und flexiblen Randbedingungen gemeinsam an unseren Projekten arbeiten. Auch die Fraunhofer-Gesellschaft hat hier gute Voraussetzungen geschaffen. Sicherlich wird es in vielen Bereichen eine Rückkehr zu Strukturen und Arbeitsweisen wie vor der Pandemie geben. Nichts ersetzt doch das persönliche Gespräch oder ein Projekttreffen mit Kunden und Partnern vor Ort. Auch digitale Formate für Messen und Networking treffen auf ihre Grenzen. Ich denke, was wir aus der Krise lernen können, ist, dass besonders während Zeiten der Distanz eine kontinuierliche Kommunikation mit Mitarbeitenden und Partnern wichtig ist.

Verlass die Komfortzone und nimm Herausforderungen an

Probleme müssen auch in diesen Zeiten gehört und gelöst werden. Gewonnene Vorteile sollten wir im Blick behalten und diese auch weiterhin fördern. Für die Zukunft sehe ich uns hier gestärkt. Besonders die kurzfristig initiierten und fokussierten Forschungsprojekte zur Bekämpfung der Corona-Pandemie haben uns gezeigt, welches Potenzial am Institut und bei Fraunhofer vorhanden ist. Arbeiten im Home Office oder die Teilnahme an Online-Meetings können Abläufe effizienter machen und Wege und Ressourcen sparen. Die entsprechenden Tools und Prozesse werden auf jeden Fall Teil unserer Arbeitswelt bleiben. Die Pandemie hat deren Einführung beschleunigt.“

Seit dem 1. Juni ist Professorin Elizabeth von Hauff neue Leiterin des Fraunhofer FEP in Dresden. Zudem wurde sie an die Technische Universität Dresden (TUD), Lehrstuhl für Beschichtungstechnologien für die Elektronik berufen. Das Fraunhofer FEP wird bis Ende 2021 in einer Doppelspitze von Prof. Volker Kirchhoff und Prof. Elizabeth von Hauff geleitet. 2022 wird der bisherige Institutsleiter in den Ruhestand verabschiedet.

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