Angemerkt – Nicht der Diesel ist der Skandal

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Dabei sind diese Grenzwerte in der EU immer noch fast dreimal so hoch wie in Kalifornien, weil ja Europas Autoindustrie geschützt werden musste. Viel zu lange ist der Absprung in die Zukunft schon verschlafen worden. Wie riskant so ein Verhalten ist, konnten wir bereits in anderen Technologiefeldern schmerzlich lernen.

Man kann die deutschen Autobauer auch zu Tode schützen, indem man sie vor den Realitäten des Lebens abschirmt. Bleiben Politik und Industrie weiter untätig, wird die neue Technik dennoch kommen - aber aus Asien. Jetzt ist die Zeit, Bedenkenträgerei und Klientelpolitik hinter sich zu lassen und mutig voranzugehen. Die deutschen Unternehmen wären dieser Herausforderung ohne Zweifel gewachsen.

Wird die Umstellung Arbeitsplätze kosten? Natürlich - aber ohne Umstellung werden weit mehr Arbeitsplätze dauerhaft verloren gehen. Die Brennstoffzellenmobilität sorgt für zukunftssichere Arbeitsplätze. Als das Auto kam, wurden viele Stellmacher arbeitslos. Aber weit mehr Menschen fanden anschließend Arbeit als Chauffeur oder KFZ-Mechaniker.

Wird die Umstellung Geld kosten? Natürlich, viel Geld - aber nur einen Bruchteil von dem, was durch Untätigkeit auf uns zukäme. Das weiß man seit 2006, als die britische Regierung den Stern-Report veröffentlichte.

Wird der Kunde / Wähler liebe alte Gewohnheiten aufgeben müssen? Natürlich - sofern er es gut findet, mit Lärm, Gestank und klimaschädlichen Emissionen zu fahren.

In spätestens dreißig Jahren wird der Verbrennungsmotor den Weg gegangen sein, den Dampfmaschine und Petroleumlampe gegangen sind. Wenn die deutsche Autoindustrie nicht den gleichen Weg gehen will, muss sie heute das Ruder herumreißen. Das wird sie sicherlich tun, wenn geeignete politische Rahmenbedingungen aus Berlin und Brüssel dafür sorgen, dass alle Marktteilnehmer im fairen Wettbewerb neue Technologie in den Markt bringen können.

So schützt man die deutsche Industrie in Wirklichkeit. Dass so gut wie niemand dies öffentlich zu sagen wagt, obwohl alle maßgeblichen Leute es wissen - das ist der wahre Skandal.

* Dr. Ulrich Schmidtchen ist Mitglied des Vorstands des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbandes.

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