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Autonomes Fahren Analysten bewerten Intels Mobileye-Akquisition mit Skepsis

| Redakteur: Franz Graser

Mit der Übernahme des israelischen Kameraspezialisten Mobileye will sich Intel eine stärkere Stellung im Umfeld des autonomen Fahrens sichern. Einige Analysten sehen die Transaktion allerdings mit Skepsis. Unter anderem heißt es, Intel habe zu viel für Mobileye bezahlt.

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Allianz für autonomes Fahren: Intel-CEO Brian Krzanich (Mitte) und Mobileye-Gründer Amnon Shashua (rechts, leicht verdeckt) bei der diesjährigen Consumer Electronics Show.
Allianz für autonomes Fahren: Intel-CEO Brian Krzanich (Mitte) und Mobileye-Gründer Amnon Shashua (rechts, leicht verdeckt) bei der diesjährigen Consumer Electronics Show.
(Bild: Intel Corporation)

Intel-Chef Brian Krzanich hatte bei einer Telefonkonferenz mit Analysten gesagt, der Mobileye-Deal werde dem Chiphersteller dabei helfen „der weltweite Leader beim autonomen Fahren“ zu werden, einem Markt mit einem Volumen von geschätzten 70 bis 100 Milliarden Dollar.

Mobileye, in der Presse oft als Startup bezeichnet, obwohl das Unternehmen bereits 1999 gegründet wurde, stellt Kamerasysteme her. Diese optischen Sensoren bilden quasi die Augen autonomer Fahrzeuge. Finanziell geht es dem israelischen Unternehmen gut; der Umsatz betrug laut Handelsblatt im vergangenen Jahr rund 360 Millionen US-Dollar, der Gewinn lag bei 108,4 Millionen Dollar.

Ob dies allerdings einen Kaufpreis von 15,3 Milliarden Dollar rechtfertigt, steht auf einem anderen Blatt. Zum Vergleich: Intel zahlt für Mobileye fast zehnmal mehr als PSA für den deutschen Automobilhersteller Opel. Für Stacy Rasgon, Analystin beim kalifornischen Investmenthaus Bernstein, ist das jedenfalls zu viel. Mit einem lyrischen Unterton fragt sie: „Wann hat zuletzt jemand so viel bezahlt, um so wenig zu erwerben?“

Die Analystin ist der Überzeugung, dass Intel mit dem Deal primär versucht, sich neue Wachstumsmärkte zu erschließen, weil das traditionelle Geschäft mit PC- und Server-Prozessoren immer mehr unter Druck gerät. Langfristig rechnet sie damit, dass sich der Kurs der Intel-Anteilsscheine bei 30 Dollar pro Aktie einpendeln wird. Derzeit liegt er bei knapp 35 Dollar.

Rasgon glaubt darüber hinaus, dass Intel seine bisherigen Automotive-Aktivitäten in Mobileye einbringen werde, das als Geschäftseinheit weitgehend selbstständig bleiben werde. Diese „reverse integration“ würde möglicherweise zu besseren Ergebnissen führen als bisherige Übernahmen von Tech-Unternehmen durch Intel.

Hans Mosesmann von Rosenblatt Securities sieht in der Übernahme von Mobileye in erster Linie ein defensives Manöver. „Intel sucht Relevanz im Bereich Automotive, einem Markt, der sich schneller als erwartet entwickelt“, zitiert der Investor's Business Daily den Analysten. „Es geht darum, dass Intel seine historische Führungsposition bei CPUs gegen den Ansturm diverser Trendtechnologien verteidigen will.“

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