Aufgemerkt

50 Jahre Amateurfunk im Weltraum – am 12. Dezember 1961 startete der erste Amateurfunksatellit OSCAR 1

| Redakteur: Thomas Kuther

ARRL-Testlabor-Ingenieur Bob Allison mit dem restaurierten Amateurfunksatelliten OSCAR 1 (Bild: S. Khrystyne Keane, K1SFA)
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ARRL-Testlabor-Ingenieur Bob Allison mit dem restaurierten Amateurfunksatelliten OSCAR 1 (Bild: S. Khrystyne Keane, K1SFA)

In der Rubrik Aufgemerkt stellt die Redaktion ELEKTRONIKPRAXIS regelmäßig Meilensteine aus der Geschichte der Elektronik vor. Diesmal: OSCAR 1, der erste Amateurfunksatellit

50 Jahre Amateurfunk im Weltraum: Am 12. Dezember 1961 startete der erste von Funkamateuren konstruierte Satellit OSCAR 1 an Bord einer Thor Agena B Trägerrakete von der kalifornischen US-Luftwaffenbasis Vandenberg in den Orbit.

140 mW „HI HI“ auf 145 MHz

OSCAR steht für „Orbiting Satellite Carrying Amateur Radio“ – eine Bezeichnung, die mittlerweile eine ganze Reihe weiterer Amateurfunksatelliten tragen. OSCAR 1 sendete bis 2. Januar 1962 mit einer Leistung von 140 mW auf 145 MHz im Morsecode die Zeichen „HI HI“. Die Anzahl der gesendeten HIs pro Minute gab Auskunft über die Temperatur im Inneren des Satelliten. OSCAR 1 umkreiste die Erde in rund 431 km Höhe und nach 312 Erdumkreisungen verglühte der Satellit am 31. Januar 1962.

Begeisterte Funkamateure von der Westküste

Gebaut wurde OSCAR 1 in den Kellern und Garagen der Mitglieder des OSCAR-Projektteams – einer Gruppe begeisterter Funkamateure von der US-amerikanischen Westküste: Lance Ginner (K6GSJ), Chuck Smallhouse (W6MGZ); Ed Beck (K6ZX), Al Diem, Chuck Townes (K6LFH) und Nick Marshall (W6OLO).

Temperaturgesteuerter Signalgeber

OSCAR 1 wog rund 4,5 kg und sein 12”×12”-Gehäuse bestand größtenteils aus Magnesium, es war vergoldet und trug schwarze Metallstreifen zum Stabilisieren der Innentemperatur. Zwei Thermistoren im Satelliten steuerten Timer und Morsecodegeber an, so dass die Geschwindigkeit der „HIs“ Rückschlüsse auf die Temperatur im Satelliten erlaubten.

Die Stromversorgung übernahmen drei parallelgeschaltete 18-Volt-Primärbatterien. Das Innere des Satelliten war mit einem schaumartigen Material gefüllt, um die Platinen mechanisch zu stabilisieren.

Tondokumente vom 14. Dezember 1961

Die Tastung des Originalsignals war so schnell, dass nur ein Zirpen hörbar war. Erst bei halber Geschwindigkeit lassen sich die Buchstaben HI entziffern. Noch deutlicher wird das Signal, wenn die Störgeräusche herausgefiltert sind. Aufgenommen wurden die Signale am 14. Dezember 1961 von Roy Welsh in Dallas, Texas, mithilfe eines Tecraft-Konverters und einem National-NC-300-Empfänger.

Huckepack ins Weltall

OSCAR 1 war übrigens nicht nur der erste Amateurfunksatellit sowie der erste nichtstaatliche Satellit im All, sondern auch der erste Satellit, der als sekundäre Nutzlast zusätzlich zur eigentlichen Nutzlast – dem Satelliten Discoverer XXXVI – befördert wurde. Um OSCAR 1 nach Erreichen des Orbits in eine eigene Umlaufbahn zu schießen, entwickelte das Projektteam ein spezielles Auswurfsystem.

Basis der High-Tech-Lösung war ... eine handelsübliche Springfeder für 1,15 US-$. Federn stellten auch die 60 cm lange Antenne des Satelliten auf und schlossen die Kontakte zur Stromversorgung von Sender und Morsegeber. Ausgelegt und getestet war der Satellit für Beschleunigungen bi 50 G, wie sie während des Starts und während der Trennungsphase auftreten können.

Überschaubare Gesamtkosten von 68 US-$

Die Kosten für das gesamte Projekt hielten sich dank zahlreicher Materialspenden aus den ganzen USA in Grenzen: Das OSCAR-Projektteam musste gerade einmal 68 US-$ aufbringen. Im Rahmen des OSCAR-Projekts entstanden insgesamt drei OSCAR 1.

Einer davon wurde 1961 in den Orbit geschossen, der zweite ist im Smithsonian Air and Space Museum in Washington, DC, ausgstellt und der dritte befindet sich in der Zentrale des Amerikanischen Amateurfunkverbandes ARRL (Amercan Radio Relay League).

Er sendet wieder „HI HI“

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums restaurierten Bob Allison (WB1GCM) und Joe Carcia (NJ1Q) den OSCAR 1 der ARRL, der nun ebenso wie das Original die Zeichenfolge „HI HI“ auf 145 MHz sendet. Hier geht's zum Video Bei der Rekonstruktion legten Allison und Carcia großen Wert auf den Einsatz originaler Komponenten. Zugeständnisse wurden allerdings beim Erzeugen des Morsecodes gemacht, für den nun ein PIC-basierter Geber erzeugt sowie bei der Stromversorgung, die nun eine Standard-12-Volt-Batterie übernimmt.

(DG8NM)

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