Wendelstein 7-X

Plasma gezündet – Fusionsanlage in Greifswald nimmt Betrieb auf

11.12.2015Autor: Sebastian Gerstl

Ab jetzt wird's sonnig-heiß in Greifswald, die Temperaturen werden bald auf bis zu 100 Millionen Grad steigen: An der „Stellerator“-Anlage Wendelstein 7-X wird ab sofort Plasma erzeugt und gezündet. Ziel ist die Entwicklung eines sauberen Kernfusion-Kraftwerks.

Computergrafik: Plasmagefäß und Magnetspulen der Fusionsanlage Wendelstein 7-X
( Bild: IPP )

Nach gut einem Jahr technischer Vorbereitungen und Tests hat mit der ersten erfolgreichen Erzeugung eines Helium-Plasmas der Experimentierbetrieb am Wendelstein 7-X begonnen. Die zum Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald gehörige, weltweit größte Fusionsanlage vom Typ Stellarator, soll untersuchen, ob diese Art der Fusionsanlage als Energiekraftwerk geeignet ist.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 3 Bildern

Von 2005 bis zum April 2014 dauerte die Hauptmontage von Wendelstein 7-X. Anschließend liefen die Betriebsvorbereitungen, bis schließlich am Mittwoch das Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern die endgültige Betriebsgenehmigung erteilte. Am Donnerstag, dem 10. Dezember 2015, konnte die Anlage schließlich erstmals zünden: Im Kontrollraum fuhr die Betriebsmannschaft das Magnetfeld hoch und startete die computergeregelte Experiment-Steuerung.

Für den ersten Lauf wurde ein Milligramm Heliumgas in das ausgepumpte Plasmagefäß eingespeist und anschließend die die Mikrowellenheizung für einen kurzen 1,8 Megawatt-Puls angeschaltet. Das erzeugte Plasma hatte etwa eine Zehntel Sekunde bestand und erreichte eine Temperatur von rund einer Million Grad Celsius.

„Wir beginnen mit einem Plasma aus dem Edelgas Helium. Erst im nächsten Jahr wechseln wir zu dem eigentlichen Untersuchungsobjekt, einem Wasserstoff-Plasma“, erläutert Projektleiter Professor Dr. Thomas Klinger: „Denn mit Helium ist der Plasmazustand leichter zu erreichen. Außerdem können wir mit Helium-Plasmen die Oberfläche des Plasmagefäßes reinigen“.

„Wir sind sehr zufrieden“, fasst Dr. Hans-Stephan Bosch, dessen Bereich für den Betrieb von Wendelstein 7-X zuständig ist, den Verlauf des ersten Experimentiertags zusammen: „Alles lief wie vorgesehen“. Als nächstes will man die Dauer der Plasmaentladungen verlängern und untersuchen, wie die Helium-Plasmen durch Mikrowellen am besten zu erzeugen und aufzuheizen sind. Nach einer Pause zum Jahreswechsel geht es im Januar mit Einschlussstudien weiter, die das erste Plasma aus Wasserstoff vorbereiten.

(ID:43776949)