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AMD wirbt IBM und Intel hochrangige Prozessorspezialisten ab

Redakteur: Michael Eckstein

Mit hochkarätig verstärkter Führungsriege – darunter Dan McNamara (Ex-Intel) und Joshua Friedrich (Ex-IBM) – bläst AMD zum Angriff auf Marktführer Intel. Der gerät in seinem Brot- und Buttergeschäft zwar immer stärker unter Druck, kann aber wie AMD neue Umsatzrekorde aufstellen.

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Breit aufgestellt: AMD legte 2019 sowohl bei den Umsätzen mit Desktop- und Grafikprozessoren als auch mit der Ryzen-Embedded-Plattform zu.
Breit aufgestellt: AMD legte 2019 sowohl bei den Umsätzen mit Desktop- und Grafikprozessoren als auch mit der Ryzen-Embedded-Plattform zu.
(Bild: AMD)

Es läuft für AMD: Seit der Einführung der Ryzen- und Epyc-Prozessoren 2017 reitet Advanced Micro Devices auf einer Erfolgswelle. Davon zeugt das mit einem Rekordumsatz abgeschlossene vierte Quartal des Geschäftsjahres 2019: In seinem gerade veröffentlichten Ergebnisbericht weist AMD für Q4/2019 einen Umsatz von 2,13 Mrd. US-Dollar aus – ein Plus von satten 50% gegenüber dem Vorjahr und 18% gegenüber Q3/2019. Hauptumsatzträger sind nach eigenen Angaben die Geschäfte mit Prozessoren für Desktop-Computern und Grafikkarten. In den Bereichen Enterprise, Embedded und Semi-Custom hat AMD die eigenen Erwartungen offenbar nicht ganz erreicht. Doch auch so reicht es für einen Rekord-Jahresumsatz von 6,73 Mrd. US-Dollar.

Und Intels Ur-Rivale ist ganz offensichtlich nicht gewillt, sich auf dem bislang Erreichten auszuruhen. Vielmehr verstärkt der Prozessorhersteller seine Führungsriege mit branchenbekannten Experten, von denen einige aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen echte Industrieveteranen sind. Pikanterweise kommt der bekannteste von ihnen direkt vom Erzrivalen.

Ex-Intel-Manager führt Angriff auf Intels Kerngeschäft

Mitte Januar hatte AMD bekannt gegeben, dass der ehemalige Intel-Top-Manager Dan McNamara in die eigenen Reihen wechselt. McNamara ist ausgewiesener Experte für Prozessoren und programmierbare Logikbausteine: Er hatte den FPGA-Hersteller Altera mit aufgebaut. Nach der Übernahme durch Intel ging Altera in der „Programmable Solution Group“ (PSG) auf. Die ist mittlerweile bereits wieder Geschichte: Mitte 2019 ging sie in Intels „Network and Custom Logic Group“ auf, der McNamara Senior Vice President und General Manager vorstand.

Bei AMD soll McNamara nun als Senior Vice President und General Manager der Server Business Unit nach dem „erfolgreichen Marktstart der Epyc-Prozessoren der zweiten Generation die Einführung dieser Hochleistungs-Serverlösungen bei Cloud-, Unternehmens- und Ökosystempartnern beschleunigen“. Übersetzt heißt das: AMD sieht sich mittlerweile ausreichend gerüstet, um Intel massiv in dessen Kerngeschäft anzugreifen. Hier ist Intel bislang unangefochtener Marktführer, ja nahezu Monopolist. Entsprechend gibt es für AMD viel Luft nach oben: 2020 soll das Jahr werden, in dem AMD seit langem wieder die 10%-Marke im Server-Markt knackt. Im Blick hat das Unternehmen sein Allzeithoch von rund 26% im Jahr 2003.

Die Zeichen stehen nicht schlecht für AMD: Das Unternehmen konnte seine Präsenz im Rechenzentrums- und Hochleistungscomputermarkt mit neuen Kunden für die Epyc-Prozessorplattform ausbauen. So kündigten Amazon AWS und Microsoft Azure neue Cloud-Instanzen für Hochleistungscomputer an, die auf den neusten Epyc-Prozessoren basieren. Auch das Expanse-System im San Diego Supercomputer Center und die jüngste Erweiterung des französischen Supercomputers GENCI Joliot-Curie setzen auf diese CPUs. Darüber hinaus haben nach Angaben von AMD auch Fujitsu, Gigabyte, HPE, Penguin, Synopsys und Tyan neue Plattformen auf Basis der neuen Epycs angekündigt.

Trotz technischer Probleme: Auch Intel legt Rekordergebnis vor

Im Vergleich mit Intel ist AMD allerdings nach wie vor ein eher kleiner Konkurrent. Der Prozessor-Primus konnte trotz enormer technischer Schwierigkeiten und Verzögerungen etwa beim Einführen seines 10-nm-Fertigungsverfahrens ebenfalls Umsatzrekorde vermelden: Das Q4/2019 schloss das Unternehmen mit 20,2 Mrd. US-Dollar ab – ein Plus von rund 1,55 Mrd. US-Dollar gegenüber dem Vorjahr und mehr, als Analysten erwartet hatten. Insgesamt weist Intel für 2019 72 Mrd. US-Dollar Umsatz aus – das bislang beste Ergebnis der Firmengeschichte.

AMD will mit einem weiteren hochkarätiger Neuzugang gegensteuern: Joshua Friedrich. Der CPU-Spezialist hat den Branchenriesen IBM nach über 20 Jahren verlassen. Hier hatte er als Chefentwickler maßgeblich an den Power9-Server-Prozessoren gearbeitet. Mit seiner Expertise soll Friedrich nun bei AMD als Corporate Vice President die Integration von Zentral- und Grafikprozessoren (CPU und GPU) vorantreiben, wie Unternehmenssprecher Drew Prairie gegenüber CRN bestätigte. Friedrich berichtet direkt an Mark Papermaster, Chief Technology Officer und Executive Vice President, Technology and Engineering von AMD.

AMD ernennt insgesamt sechs neue Vice Presidents

Damit nicht genug: Der Prozessorhersteller hat vier weitere Experten in sein Führungskader berufen: Nazar Zaidi wird Senior Vice President of Cores, Server SoC und Systems IP Engineering. Er bleibt für die Entwicklung von CPU-Cores, Server SoCs und System-IP verantwortlich. Andrej Zdravkovic soll als Senior Vice President of Software Development diejenigen Teams leiten, die die Software-Strategie und -Entwicklung für AMD-Grafik-, Client- und Rechenzentrumsprodukte verantworten.

Spencer Pan wird neuer Senior Vice President of Greater China Sales und President von AMD Greater China. Wie an seinem Titel unschwer zu erkennen ist, verantwortet er demnächst die Leitung aller Vertriebs- und Markteinführungsaktivitäten für AMD im Großraum China, zu dem neben China auch Hongkong und Taiwan gehören, sowie den Ausbau der strategischen Partner- und Kundenbeziehungen in der Region. Zu guter Letzt befördert AMD Jane Roney zum Senior Vice President of Business Operations. In dieser Position verantwortet sie die Ausrichtung und Skalierung kritischer Geschäftsprozesse im gesamten Unternehmen.

„Die Stärkung und Erweiterung unseres Führungsteams ist der Schlüssel, um auf der bedeutenden Dynamik aufzubauen, die wir in den letzten Jahren erzeugt haben“, ist Dr. Lisa Su, President und CEO von AMD, überzeugt. Nur mit den richtigen Führungspersönlichkeiten ließen sich die für die nächsten Jahre geplanten Wachstumsziele erreichen.

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