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Amazon entwickelt Künstliche Intelligenz für Modedesign

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Amazon setzt neuronale Netzwerke auf die Modewelt an: Der Versandhändler arbeitet an selbstlernenden Algorithmen, die aktuelle Modetrends erkennen und auf deren Basis selbsttätig moderne Kleidungsdesigns erzeugen sollen.

Kommt künstliche Intelligenz bald auch auf den Laufsteg? Amazon arbeitet an selbstlernenden Algorithmen, die potentielle Käufer nicht nur bei ihrem Modegeschmack beraten soll, sondern anhand von Bildern und Social-Media-Trends auch neue, moderne Designs selbsttätig entwirft.
Kommt künstliche Intelligenz bald auch auf den Laufsteg? Amazon arbeitet an selbstlernenden Algorithmen, die potentielle Käufer nicht nur bei ihrem Modegeschmack beraten soll, sondern anhand von Bildern und Social-Media-Trends auch neue, moderne Designs selbsttätig entwirft.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Über Amazon kann man zwar Kleidung von diversen Modedesignern erwerben, auf den Laufstegen der Welt ist der Onlinehändler selbst allerdings nicht vertreten. Nun möchte das Unternehmen mit selbstlernenden Algorithmen den Designern und Stylisten Konkurrenz machen: Nach einem Bericht auf Technology Review arbeiten Forscher des E-Commerce-Riesen an Machine Learning Systemen, deren Aufgabe es ist, aktuelle Modetrends zu erkennen, darauf zu reagieren und in Konsequenz auch zu gestalten.

Bis zu einem gewissen Grad sind die bestehenden Algorithmen bei Amazon bereits dabei, den Kunden bei seinen Online-Käufen zu beraten: wer viele T-Shirts mit einem bestimmten Motiv oder von einem bestimmten Designer begutachtet, bekommt weitere, ähnliche Vorschläge präsentiert, die zu dem Geschmack des möglichen Käufers passen. Dass Onlinehändler Soziale Netzwerke wie Instagram, Facebook oder Twitter durchforsten, um Modetrends frühzeitig zu erkennen und darauf schnell zu reagieren, ist auch per se nichts neues. Inzwischen existieren auch Start-Ups wie Stitch Fix, die Käufern anbieten, auf Basis der eigenen Social Media Aktivitäten personalisierte Empfehlungen auszusprechen

Mit den aktuellen Projekten möchte Amazon allerdings mit Hilfe neuronaler Netzwerke auch auf die Gestaltung der Mode selbst reagieren und somit weiter ins Modegeschäft expandieren - potentiell sogar dominieren. Erst vor kurzem hat das Unternehmen in den USA den Dienst "Prime Wardrobe" gestartet, der Kunden erlaubt, online angesehene Kleidung sich zum Anprobieren zusenden zu lassen und bei Nichtgefallen einfach kostenfrei zurückzusenden - Amazon holt das Paket dann direkt beim Kunden ab. Bezahlen muss der Käufer nur, was er auch behalten will. Auch wurde kürzlich die Echo-Look-Kamera vorgestellt, die es der digitalen Assistentin Alexa ermöglicht, Anwendern Ratschläge zu der aktuell getragenen Kleidung zu geben.

Auf all diese bestehenden Algorithmen und Entwicklungen setzt die KI-Abteilung bei Amazon aber noch weiter auf. So berichtet Technology Review von einer Amazon-Forschungsgruppe in Israel, die daran arbeitet, dass Computersysteme an Hand von Etiketten und Bildern urteilen können was gemeinläufig ein "stylisher Look" ist und was nicht - und entsprechendes Feedback zu geben.

In Amazon's F&E-Labor Lab126 in San Francisco geht man bereits einen Schritt weiter. Dort existiert bereits ein simpler KI-Modedesigner, der zahlreiche Bilder auswertet, um einen Stil zu ermitteln - um anschließend auf dieser Basis neue Mode zu entwerfen. Die Technologie wird als "Generatives entgegenläufiges Netzwerk" ("Generative Adversial Network", kurz GAN) bezeichnet und basiert auf zwei Deep Neural Networks (DNN), die zunächst zusammenarbeiten um schnell Rohdaten zu verarbeiten, diese anschließend mit einem bestehenden Kleidungsstück abgleichen und dieses dann anhand des berechneten Stils "verbessern". Beide Projekte hat Amazon vergangene Woche auf einem vom Unternehmen organisierten Workshop zu Künstlicher Intelligenz und Modedesign vorgestellt.

Maschinen sind derzeit noch weit davon entfernt, menschlichen Modedesignern den Platz streitig zu machen oder gar einen komplett neuen Modetrend zu entwerfen, meint Tim Oates, ein Professor der University of Maryland in Baltimore mit Schwerpunkt auf KI-Forschung und einer der Vortragenden auf dem Workshop. Eigene innovative Schwerpunkte zu setzen ist für eine solche KI noch nicht möglich - es werden nur Ergebnisse aus aktuell bestehenden Trends ermittelt und geliefert, nicht komplett neue Akzente gesetzt.

Dennoch zeichnet sich hier eine spannende Entwicklung ab. Kombiniert man bestehende Algorithmen und Produkte mit den aktuellen KI-Forschungen, so könnte beispielsweise Alexa schon bald in der Lage sein, den Käufer nicht nur Feedback zur aktuellen Kleidung zu geben, sondern gleich noch ein paar passende Akzente und Accessoires empfehlen, individualisierte Designs und Motive entwerfen, und dem Kunden über Amazon umgehend als modernes, modisches Unikat zu bestellen.

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