Am Fuß der Zugspitze gibt es die meisten Gewitter

Redakteur: Sebastian Gerstl

Wer Angst vor Gewittern hat, sollte nach Kiel ziehen. Wer sich von Blitz und Donner wenig eingeschüchtert oder gar beflügelt fühlt, lässt sich am besten in Garmisch-Partenkirchen nieder. Forscher des KIT haben untersucht, wo es am häufigsten blitzt und donnert.

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Am Fuße der Zugspitze zucken Blitze besonders häufig. Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben Daten von Gewittern ausgewertet und in der Fachzeitschrift Natural Hazards and Earth System Sciences veröffentlicht.
Am Fuße der Zugspitze zucken Blitze besonders häufig. Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben Daten von Gewittern ausgewertet und in der Fachzeitschrift Natural Hazards and Earth System Sciences veröffentlicht.
(Bild: CC0 / CC0 )

Sturm, Hagel und Starkregen verursachen jedes Jahr deutschlandweit durchschnittlich zwei Milliarden Euro Schaden. Aus diesem Grund haben Wissenschaftler des KIT Daten von Gewittern genauer ausgewertet.

Im Voralpenraum kommt es mit am häufigsten zu Gewittern.
Im Voralpenraum kommt es mit am häufigsten zu Gewittern.
(Bild: Michael Kunz, KIT)

Während es in Kiel, der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein, im Mittel die wenigsten Gewitter gibt, zucken Blitze über dem oberbayerischen Skiort Garmisch-Partenkirchen besonders häufig. Auswirken kann sich die Gewitterhäufigkeit nicht nur auf den Zustand des Nervenkostüms, sondern auch den des Geldbeutels: „Schwere Gewitter, insbesondere wenn sie mit großen Hagelkörnern, Starkniederschlägen und Sturmböen verbunden sind, führen immer wieder zu hohen Schäden an Gebäuden, Fahrzeugen und landwirtschaftlichen Kulturen“, sagt Michael Kunz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) des KIT.

Ein besonderes Beispiel hierfür stellen die beiden besonders schweren Gewitter dar, die Ende Juli 2013 in Niedersachsen und Süddeutschland Zerstörungen von rund drei Milliarden Euro anrichteten. „Das war der größte versicherte Schaden weltweit durch Naturkatastrophen in diesem Jahr“, so Kunz weiter. Allein in den vergangenen fünf Jahren haben schwere Gewitter nach Angaben von Rückversicherern Gesamtschäden von insgesamt 10,4 Milliarden Euro angerichtet, so der Experte.

„Wie häufig es zu Gewittern kommt, hängt stark von der Region ab“, sagt David Piper vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung. Speziell wurden Gewittertage berücksichtigt, bei denen mindestens fünf Blitzen am Tag auf einer Fläche von fünf mal fünf Quadratkilometern auftreten. Die meisten davon gibt es demnach am Alpenrand und im Alpenvorland, mit einem Schwerpunkt westlich und östlich von Garmisch-Partenkirchen. Insgesamt gibt es im bayerischen Voralpenraum bis zu 15 Gewittertage pro Jahr. Die Zugspitze ist damit in Deutschland gewissermaßen die Gewitterhochburg. Weitere Häufungen gebe es zwischen Neckar und Schwäbischer Alb, im Erzgebirge sowie im Bayerischen Wald.

„Am seltensten sind Gewittertage entlang der Nord- und Ostseeküste“, sagt Piper. „Im Jahr 2010 zum Beispiel gab es in der Region zwischen Hamburg und Bremen vielerorts überhaupt keine Gewitter.“ Im Durchschnitt gibt es in Norddeutschland zwei Gewittertage pro Jahr. Im Raum Karlsruhe, Sitz des KIT, sind es sieben.

Allgemeine Gewitter-Hochsaison ist von Juni bis August mit einem Höhepunkt im Juli. Meist kracht es am Himmel nachmittags oder am frühen Abend, wenn die höchsten Temperaturen vorliegen. (Größere Gewittercluster, die sich über großräumige Mechanismen oder aus vorangegangenen Gewittern bilden, bilden sich dagegen bevorzugt in der Nacht.)

Nimmt man zu den Erhebungen in Deutschland auch noch Österreich, die Schweiz, die Benelux-Länder und Frankreich in den Blick, fällt auf, dass die Zahl der Gewittertage von Nordwesten nach Südosten hin zunimmt. So werden die meisten Gewittertage in Teilen der österreichischen Südalpen sowie in einem Streifen vom Tessin bis in das Umland von Turin beobachtet. Das größte Gewitterzentrum ist dann die Steiermark, mit 34 Gewittertagen im Jahr 2009.

Verantwortlich für die Gewitterhäufigkeit sind drei Faktoren: die Entfernung vom Meer, die örtliche Landschaftsbeschaffenheit und die Feuchte in Bodennähe. „Das Meer hat einen gewitterhemmenden Einfluss, da das Wasser im Sommer die unteren Luftschichten kühlt und somit stabilisiert“, sagt Piper. Dagegen zwinge gebirgiges Gelände die Luft zum Aufsteigen und lasse so leichter Gewitter entstehen.

Eine Zu- oder Abnahme der Gewitterhäufigkeit lasse sich hingegen bisher nicht erkennen, so die Wetterexperten. Stattdessen schwanke die Gewitteraktivität sehr stark von Jahr zu Jahr. Diese jährlichen Schwankungen sind sowohl durch großräumige Strömungsmuster als auch durch die Meeresoberflächentemperatur bestimmt. So ist beispielsweise in weiten Teilen des Untersuchungsgebiets die Gewitteraktivität bei starkem Westwind deutlich verringert. Die Frage der hohen jährlichen Variabilität, die besonders für Versicherungen interessant ist, wollen die Forscher in Zukunft näher untersuchen.

Ihre in der Datenauswertung der Gewitter gewonnenen Erkenntnisse haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Natural Hazards and Earth System Sciences veröffentlicht.

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