Explosionsgefahr Allianz warnt vor Wasserstoff-Risiken

Autor / Redakteur: dpa / Michael Eckstein

Wasserstoff gilt als ein möglicher Baustein für die Energiewende und nachhaltige CO2-Reduktion. Doch die Technologie birgt Risiken, die Akteure nicht unterschätzen sollten, warnt die Allianztochter AGCS.

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Boom mit Bumm: Wie jeder Treibstoff birgt auch Wasserstoff Risiken – etwa unkontrollierte Explosionen, wenn das Gas ungewollt mit Luft in Berührung kommt.
Boom mit Bumm: Wie jeder Treibstoff birgt auch Wasserstoff Risiken – etwa unkontrollierte Explosionen, wenn das Gas ungewollt mit Luft in Berührung kommt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Wasserstoff enthält viel Energie – so viel, dass er sogar der Sonne über Milliarden Jahre als Brennstoff dient. Die hohe Energiedichte ist Fluch und Segen zugleich: Einerseits bestehen gute Chancen, etwa durch das kontrollierte Nutzen von grünem Wasserstoff die CO2-Emmissionen nachhaltig zu reduzieren. Andererseits können Menschen, Tiere und Güter zu Schaden kommen, wenn der Brennstoff sich unkontrolliert entzündet. Wobei die Energiegewinnung durch umgekehrte Elektrolyse grundlegend anders funktioniert als die Wasserstoff-Kernfusion im Innern von Sternen. Anders ausgedrückt: Ein H2-Druckbehälter im Auto ist keine Wasserstoffbombe.

Trotzdem mahnt der Versicherungskonzern Allianz angesichts des erwarteten Wasserstoff-Booms die Industrie nun ausdrücklich, mögliche Gefahren der Technologie nicht zu unterschätzen. In einem am Donnerstag veröffentlichten „Risikobulletin“ warnt die Industrieversicherungstochter AGCS unter anderem vor Bränden und Explosionen sowie der Versprödung von Metallen. Gleichzeitig betont der Konzern, dass Wasserstoff mehreren Branchen bei der Reduzierung von CO2-Emissionen helfen könnte.

Wasserstoff-Nutzung: Seit Jahrzehnten wird daran geforscht

An der Technologie wird schon seit Jahrzehnten geforscht. So wurde schon 1999 am Münchner Flughafen eine staatlich geförderte Wasserstoff-Tankstelle eröffnet. Der große Durchbruch ist bislang ausgeblieben. Doch laut einer von der Allianz zitierten Studie der Unternehmensberatung McKinsey haben derzeit gut 30 Länder Forschungsprogramme ins Leben gerufen – mit mehr als 70 Milliarden Dollar zugesagter Zuschüsse.

„Wir sehen das Aufkommen von Projekten im Giga-Maßstab in vielen Ländern, mit verschiedenen neuen Akteuren, die in den Markt eintreten, und etablierten Akteuren, die sich vergrößern“, sagte AGCS-Risikoberater Thomas Gellermann. „Und das Risikomanagement muss damit Schritt halten.“

Wasserstoff entzündet sich an der Luft leicht selbst

Die Hauptgefahr sieht die AGCS in Explosionen, verursacht etwa durch Lecks, wenn austretender Wasserstoff sich mit Luft mischt. Laut Schadenstatistik entzündet sich das Gas bei plötzlicher Freisetzung häufig selbst. Lecks bleiben jedoch häufig unentdeckt, weil Wasserstoff farb- und geruchlos ist. Die Gefahr ist demnach in geschlossenen Räumen ungleich größer, weil sich dort laut AGCS fast alle Wasserstoff-Freisetzungen entzündeten. Zwischen Feuergefahr und Versprödung besteht auch ein Zusammenhang, da Risse in Rohren, Tanks oder Leitungen Lecks nach sich ziehen können.

Versicherungen ist nach eigenen Angaben das Vermeiden von Bränden in Industrieanlagen ein großes Anliegen, denn diese verursachen oft immense Sachschäden, ganz abgesehen von der Gefahr für Leib und Leben. Die AGCS hat über einen Zeitraum von fünf Jahren 470.000 dokumentierte Schadenfälle ausgewertet. Insgesamt verursachten Feuer und Explosionen demnach Schäden von mehr als 14 Milliarden Euro und lagen damit in der Statistik an erster Stelle.

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