IANA Alle IPv4-Adressen sind aufgebraucht

Redakteur: Martina Hafner

Mit der Vergabe der letzten fünf Blöcke von IP-Adressen geht das Kapitel der IPv4-Adressen zu Ende. Nun kommt IPv6

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Alle IP-Adressen des bisherigen Standards für den Datenaustausch im Internet sind aufgebraucht. Dies teilte die oberste Vergabestelle für diese Kennzahlen, die IANA (Internet Assigned Numbers Authority) am Donnerstag in Miami mit.

Betroffen sind IP-Adressen nach dem bislang zu mehr als 99 Prozent verwendeten Standard IPv4. Die Vergabestelle IANA will nun die Einführung des Nachfolgers IPv6 beschleunigen, der eine nahezu unendlich große Zahl von IP-Adressen ermöglicht.

Die letzten fünf Blöcke von IP-Adressen wurden symbolisch an Vertreter der Vergabestellen in den Kontinenten vergeben. Als letzter nahm der Leiter der europäischen Vergabestelle RIPE, Axel Pawlik, die IPv4-Adressen in einem Umschlag entgegen.

Damit gehe ein Kapitel der Geschichte zu Ende, erklärte die IANA. Die regionalen Vertreter erklärten, jetzt komme es darauf an, die Umstellung auf den neuen Standard IPv6 zügig umzusetzen.

340 Sextillionen Internet-Adressen

Die Adressen des neuen IPv6-Standards sind nicht kompatibel mit dem herkömmlichen Standard IPv4. Der 1981 eingeführte Internet-Standard IPv4 verwendet 32 Nummern und hat nur Platz für 4,3 Milliarden Adressen. Bei der IANA ist dieser Adressraum nun erschöpft. Die regionalen Vergabestellen wie die RIPE in Amsterdam können Telekommunikationsanbieter voraussichtlich noch bis Juni mit IPv4-Adressen versorgen, bis diese dann ebenfalls aufgebraucht sind.

Der Nachfolge-Standard IPv6 verwendet 128 Nummern. So können künftig 340 Sextillionen Internet-Adressen vergeben werden. BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer: „Der IPv6-Standard hat ausreichend Spielraum, um künftig nicht nur Privatpersonen, Unternehmen, PCs und Handys sondern auch Autos, Elektrogeräte und z.B. Herzschrittmacher mit einer eigenen IP-Adresse zu versorgen.“

Umstellung in Deutschland zu schleppend

Scheer kritisiert jedoch auch: „Voraussichtlich Ende 2011 werden die ersten Regionalorganisationen ihre Adressen an Unternehmen und Einrichtungen zugeteilt haben, dann gibt es dort keine freien Adressen im IPv4-Standard mehr. Dies sei laut Bikom für Europa besonders problematisch, da hier die Umstellung auf den erweiterten Internet-Standard IPv6 nur schleppend verlaufe. „Europa hinkt bei der Umstellung auf IPv6 Asien und Amerika hinterher", so Scheer.

Die neuen IPv6-Adressen sind nötig, damit die zukünftigen Dienste in Bereichen wie Heimvernetzung, E-Energy oder Car-to-Car-Kommunikation umgesetzt werden können. Insbesondere bei der Datenübertragung zwischen fahrenden Autos ist eine schnelle, sichere Datenübertragung wichtig. „Mittelfristig werden immer mehr Maschinen, Autos und Haushaltsgeräte über das Internet vernetzt und steuerbar. Für eine schnelle und sichere Steuerung sollte jedes Gerät eine eigene, feste IP-Adresse besitzen, das ist mit IPv6 kein Problem“, sagte Scheer.

Bislang werden die meisten IP-Adressen aus einem privaten Adress-Pool der Provider vergeben. Wer sich im Netz angemeldet hat, dem wurde jeweils eine neue Adresse aus diesem Provider-Pool zugewiesen. Verlassen Datenpakete das Teilnetz des Providers, müssen sie aufwändig mit einer global eindeutigen IP-Adresse versehen werden.

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