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All-Machtfantasien: was Raumfahrt und Geostrategie verbindet

| Autor / Redakteur: Sonja Wurtscheid, dpa / Julia Schmidt

Ein Weltraumbahnhof in Deutschland - für BDI-Präsident Dieter Kempf ist das realistisch. Das All ist längst nicht mehr nur Ziel unserer Entdeckerfantasien. China, die USA und Russland ringen dort um die Vorherrschaft. Die EU will da mitmachen.

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Eine SpaceX Falcon Heavy Rakete mit einem Kommunikationssatelliten an Bord hebt am Kennedy Space Center in Cape Canaveral ab.
Eine SpaceX Falcon Heavy Rakete mit einem Kommunikationssatelliten an Bord hebt am Kennedy Space Center in Cape Canaveral ab.
(Bild: John Raoux/AP/dpa )

Ein Weltraumbahnhof in Rostock-Laage oder in Nordholz bei Cuxhaven? Das klingt mehr nach „Captain Future“ als nach Zukunftsplan. Doch hinter dieser Idee stecken knallharte Wirtschaftsinteressen. Längst ist unter den Supermächten China, USA und Russland ein Gerangel um die Vormacht im All entbrannt. Die EU will da mitmischen.

„Wir brauchen einen unabhängigen Zugang zum All“, sagte Andreas Hammer vom Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie jüngst bei einer Veranstaltung in Berlin. „Ohne den Weltraum funktioniert unser normales Leben nicht mehr. Jeden Tag, den wir weiterleben, werden wir abhängiger von den Aktivitäten im Weltraum“.

Die jagt nach ungenützten Rohstoffen

Satelliten im All füttern unsere Smartphones mit GPS-Daten oder der Wettervorhersage. Auch unsere Navis im Auto brauchen Daten von Satelliten. „Heutzutage hat keiner mehr den Faltplan im Auto und streitet sich mit seinem Partner, wenn man sich verfahren hat“, sagte Hammer, der auch für die Rüstungs- und Raumfahrtsparte von Airbus (Defense & Space) tätig ist.

Im Weltraum geht es aber nicht allein um Smartphones und Navis. Im All lagern ungenutzte Geldberge – in Form von Rohstoffen. Bis diese auf Asteroiden oder Planeten gefördert werden könnten, sei es zwar noch etwas hin, heißt es in einem Grundsatzpapier des BDI. „Doch aufgrund rasanter technologischer Innovationen rückt die Förderung von Rohstoffen im Weltraum in den Bereich des Möglichen.“

„Auch wenn die Idee am Anfang idiotisch klingt – gebt ihr eine Chance“, mahnte der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Johann-Dietrich Wörner, mit Blick auf frühere Missionen zum Mond. Dieser sei zunächst als „toter Stein“ verschrien gewesen. Dank der Fahrten dorthin wüssten wir, dass es Wasser nicht nur auf der Erde gebe, betonte Wörner. „Jetzt fliegen sie alle hin, Ost wie West.“

Damit die deutsche Industrie am künftigen Geschäft im All mitverdienen kann, brauche es doppelt so viel Geld von der Bundesregierung wie bisher. Das zumindest fordert der Bundesverband Deutscher Industrie (BDI). Statt aktuell knapp 300 seien 700 Millionen Euro nötig.

Und der Schutz von kritischer Infrastruktur

Anders als der Abbau von Rohstoffen ist das machtpolitische Gerangel um die Macht im All bereits in vollem Gange. Dabei geht es vor allem um den Schutz von kritischer Infrastruktur. „Wenn Sie durch Berlin laufen, stehen vor jeder Botschaft Wachmänner“, sagte Hammer. Auch Atomkraftwerke werden geschützt. Nur im All sei es anders: „Wir haben im Moment im Weltraum Infrastruktur, die vollkommen ungeschützt ist“, betonte Hammer. Von dieser Infrastruktur hängen wir demnach auf der Erde ab. Und sie könne das Ziel feindlicher Attacken werden.

Die EU hat schon ein eigenes Navigationssystem namens „Galileo“ entwickelt. Denn die USA etwa verfügen über eine GPS-Version, auf ganze Regionen ausblendet werden könnten, sagte der Koordinator der Bundesregierung für die deutsche Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek. „Wenn man eine robuste Auseinandersetzung hat, braucht man ein eigenes System“, so der CDU-Bundestagsabgeordnete.

Zurück zum Weltraumbahnhof Rostock und einem Missverständnis: Dort sollen keine „Space-Shuttles“ ins All geschossen werden, betonte eine Sprecherin des Energieministeriums. Es gehe um Starts von kleinen Trägerraketen, die ebenso kleine Satelliten transportierten. Ob der Flughafen Rostock-Laage dafür in Frage komme, solle ein Gutachten bis 2020 prüfen. Die Sprecherin betonte aber: „Es handelt sich keinesfalls um ein deutsches Cape Canaveral“.

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