Energieerzeugung Algen-Strom für „grüne“ Rechenzentren

Redakteur: Gerd Kucera

Nach der Präsentation des weltersten Gebäudes mit Algenfassade auf der Internationalen Bauausstellung in Hamburg (IBA 2013) will PRIOR1, ein Elite Partner von Schneider Electric, ein bisher einmaliges Konzept eines algenativen Rechenzentrums umsetzen. Auch hier werden Algen zur Stromerzeugung verwendet.

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Die Idee, mittels Algen elektrische Energie zu erzeugen, nimmt nun realistische Formen an
Die Idee, mittels Algen elektrische Energie zu erzeugen, nimmt nun realistische Formen an
(Bild: Andrea Damm/pixelio.de)

In Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Architekten Bernd Schenk wurde eine visionäre Idee entwickelt, bei der das Rechenzentrum vom Konsument zum Erzeuger von Energie und Biomasse wird. Durch einen ganz neuen Denkansatz soll ein effizientes Gesamtsystem entstehen, das an natürliche Prozesse angepasst ist und entstehendes Methan zum Erzeugen von Strom nutzt.

Auf dem Partner-Summit im Juni in Athen, bei dem alle Elite-Partner von APC by Schneider Electric eingeladen waren, hat PRIOR1 dafür den Best Innovater Award verliehen bekommen. Schneider Electric möchte damit besonders innovative Partner auszeichnen und im gegenseitigen Austausch die Technologie für das Rechenzentrum von morgen weiterentwickeln.

So funktioniert die Stromgewinnung für das Datacenter

Im „algenativen“ Rechenzentrum von morgen sind in den sonnenzugewandten Teilen der Fassade Paneele eingebaut, in denen eine mit Algen gesättigte Flüssigkeit kreist. Denn Algen binden unter anderem Kohlenstoffdioxid (CO2), das sie für ihr Wachstum benötigen. Dafür geben sie Methan ab, welches schließlich als gasförmiger Brennstoff dient und stromerzeugende Generatoren (BHKW) antreibt. Diese liefern Strom für das Rechenzentrum. Die daraus entstehende Prozesswärme kann als Heizung in das System zurückgespeist oder verkauft werden (Fernwärme).

Die über die Algenproduktion entstehende Biomasse wird zu Biokunststoffen veredelt, die biologisch abbaubar sind. Die Abwärme des Data Centers wird nicht energieaufwendig weggelüftet, sondern genutzt, um in gut temperierten Gewächshäusern Lebensmittel zu erzeugen.

„Der enge technologische Austausch mit unseren Partnern ist uns wichtig“, konstatiert Karin Hernik, verantwortlich für das deutsche Channel-Geschäft von Schneider Electric IT Business, „nur so können wir gemeinsam die Rechenzentrumstechnologie weiterentwickeln. Mit dem Innovator Award wollen wir daher besonders innovative Konzepte unterstützen. Denn oft sind es die spannendsten Ideen, die den Weg für die Technologie von morgen bereiten.“

Auf dem Elite Partner Summit von APC kamen in diesem Jahr erstmals über 100 Partner aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika in Athen zusammen. In zehn Kategorien wurden Preise vergeben, unter anderem für Top Sales Elite, Top Growth Elite, Fastest Growing Partner und Best Innovator. Diesen Preis erhielt mit der PRIOR1 GmbH ein Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen, das seine Kunden bei Planung und Bau von Rechenzentren unterstützt. Mit seiner Vision war das Unternehmen schon Zweiter beim Deutschen Rechenzentrumspreis und Sieger bei den Datacenter and Cloud Awards in London geworden.

Neben der Auszeichnung erhalten die Entwickler des innovativen Konzepts ein Ferrari-Fahrertraining auf dem hauseigenen Fiorano Circuit in der Nähe von Maranello inklusive Übernachtung und Rahmenprogramm.

IBA-Projekt BIQ: Algenfassade produziert Wärme

Das BIQ ist ein kubisches, fünfgeschossiges Passivhaus mit zwei unterschiedlich gestalteten Fassaden. Das Gebäude mit 15 Wohneinheiten ging aus einem IBA-Architekturwettbewerb hervor, bei dem sich das Team SPLITTERWERK aus Graz mit seinem Entwurf durchgesetzt hat. Die technische Planung des Gebäudes und der Bioreaktorfassade wurde gemeinsam mit Arup Deutschland GmbH, Bollinger und Grohmann und Immosolar durchgeführt.

Das experimentelle Gebäude BIQ wurde zur Eröffnung der Internationalen Bauausstellung in Hamburg (23. und 24.3.13) vorgestellt. An der südwestlichen und südöstlichen Fassade wird dem Gebäude eine zweite, die Bioreaktorfassade, vorgestellt. Hier werden Algen gezüchtet – zur Energieerzeugung, aber auch zur Lichtsteuerung und Beschattung des Gebäudes.

Durch das stetige Wachstum der Algen sowie durch aufsteigende Gasblasen ist die Fassade ständig in Bewegung und verändert ihre Farbe. Die BIQ-Fassade ist weit mehr als ein ästhetisches oder energetisches Gebäudekleid. Sie übernimmt weitere Aufgaben: In ihren wassergefüllten Glaselementen entsteht einerseits durch die Sonneneinstrahlung solarthermische Energie.

Darüber hinaus nutzen kleinste Algen (Mikroalgen) in den Elementen das Sonnenlicht und erzeugen durch Photosynthese Biomasse. Die Wärme steht dem Haus als Heizenergie durch Wärmetauscher direkt zur Verfügung, die Biomasse wird an anderer Stelle energetisch verwertet.

Noch bis zum 3. November können Besucher der Internationalen Bauausstellung über 60 IBA-Projekte kennenlernen.

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