Medizintechnik Aktive Gehhilfe soll Rehabilitation nach Schlaganfall fördern

Autor / Redakteur: Walter Willems, dpa / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Nach Schlaganfällen können viele Menschen nur noch mit Mühe gehen. Eine unauffällige motorisierte Gehhilfe könnte ihre Fortbewegung erleichtern und die Rehabilitation verbessern.

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Eine anpassungsfähige motorisierte Gehhilfe könnte künftig halbseitig gelähmte Schlaganfall-Patienten bei der Rehabilitation unterstützen.
Eine anpassungsfähige motorisierte Gehhilfe könnte künftig halbseitig gelähmte Schlaganfall-Patienten bei der Rehabilitation unterstützen.
(Bild: Oliver Berg/dpa)

Eine anpassungsfähige motorisierte Gehhilfe könnte künftig halbseitig gelähmte Schlaganfall-Patienten bei der Rehabilitation unterstützen. Einer Studie zufolge konnten Patienten mit dem System nach zwei Tagen symmetrischer und energieeffizienter gehen. Das berichtet das Team um Louis Awad und Jaehyun Bae von der Harvard University in Boston im Fachblatt Science Translational Medicine.

Ein deutscher Experte sagt, das System lasse sich elegant tragen und sei ein Schritt in die richtige Richtung. Ob es allerdings alltagstauglich sei, müsse sich noch zeigen. Gerade bei neurologischen Problemen wie nach einem Schlaganfall ist die Kontrolle vieler Menschen über die Beinmuskulatur beeinträchtigt: Sie gehen dadurch langsam und unsicher und sind anfälliger für Stürze.

„Trotz Reha bleiben bei den meisten Überlebenden eines Schlaganfalls neuromotorische Defizite zurück, die normales, ökonomisches und sicheres Gehen verhindern“, schreibt das Team. Typisch seien beeinträchtigte motorische Koordination, Muskelschwäche und verminderte Beweglichkeit von Fußgelenk und Knie.

Trotz passiver Hilfen wie etwa Gehstöcken oder Rollatoren werde die vollständige Gehfunktion meist nicht wiedererlangt, stellen die Forscher fest. Um dies zu ändern, entwickelten sie eine textile Orthese, die sich unter der Hose tragen lässt. Sie besteht aus einem Hüftgürtel und einer daran mit Bändern befestigten Unterschenkelmanschette.

Die wiederum ist über zwei Seilzüge mit einer Schuheinlage verbunden - an Ferse und Vorfuß. Ein Neigungssensor misst die Schrittphase am Fuß und steuert dann die Bewegungen über die Seilzüge.

Das System wiege mit Sensoren, Kabeln, Textilienbefestigung, Motor und Batterien unter vier Kilogramm. Die Forscher testeten es an sieben Schlaganfall-Patienten zwischen 30 und 56 Jahren, die seit Jahren gehbehindert waren.

Die aktive Orthese erhöhte die Abstoßkraft des Sprunggelenks auf einem Laufband um 11 Prozent, verringerte die Asymmetrie zwischen beiden Körperseiten um 20 Prozent und senkte den Energieverbrauch beim Gehen um 10 Prozent.

Davon profitierten insbesondere die Teilnehmer mit schwererer Behinderung. „Das ist ein großer Schritt in Richtung auf Systeme, die Patienten außerhalb der Klinik im normalen Leben nutzen können“, wird Awad in einer Harvard-Mitteilung zitiert.

Rüdiger Rupp vom Uniklinikum Heidelberg hält das System grundsätzlich für eine gute Idee, der gemessene Effekt sei für Patienten durchaus bedeutsam. Dennoch habe die Studie große Schwächen: So sei nicht geprüft worden, ob das System wirklich einen Trainingseffekt ermögliche - ob das Tragen also das spätere Gehen ohne Hilfe verbessere.

Fraglich sei auch, ob Patienten das System allein anlegen könnten oder ob sie Hilfe von Experten brauchen, um das Gerät exakt zu kalibrieren. „Das System muss noch zeigen, ob es tatsächlich im Alltag eingesetzt werden kann“, sagt der Leiter der Sektion Experimentelle.

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