Airbus-Finanzchef Wilhelm geht gemeinsam mit Tom Enders von Bord

| Autor / Redakteur: dpa / Michael Eckstein

Harald Wilhelm (l), Finanzvorstand von Airbus, spricht bei einer Pressekonferenz zu den Jahreszahlen 2017 der Airbus Group. Neben ihm steht Tom Enders, Vorstandsvorsitzender von Airbus. Beide werde das Unternehmen im kommenden Jahr verlassen.
Harald Wilhelm (l), Finanzvorstand von Airbus, spricht bei einer Pressekonferenz zu den Jahreszahlen 2017 der Airbus Group. Neben ihm steht Tom Enders, Vorstandsvorsitzender von Airbus. Beide werde das Unternehmen im kommenden Jahr verlassen. (Bild: Frederic Scheiber/AP/dpa)

Dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus steht ein weiterer Abgang im Top-Management bevor. Finanzchef Harald Wilhelm werde das Unternehmen im kommenden Jahr zusammen mit Konzernchef Tom Enders verlassen, teilte der Boeing-Rivale am Montag in Toulouse mit. Jetzt beginne die Suche nach einem Nachfolger, erklärte der Verwaltungsratsvorsitzende Denis Ranque.

Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten schlecht an. An der Pariser Börse verlor die Airbus-Aktie bis zum späten Vormittag 1,48 Prozent auf 97,98 Euro und gehörte damit zu den Schlusslichtern im französischen Leitindex CAC-40.

Branchenexpertin Celine Fornaro von der Schweizer Großbank UBS wertete Wilhelms Abgang als überraschend. Am Aktienmarkt dürfte der Schritt negativ gewertet werden, schrieb die Analystin am Morgen. Ihr Kollege Chris Hallam von der Investmentbank Goldman Sachs hob hervor, dass Wilhelm für die Fokussierung des Konzerns auf den Barmittelzufluss und die Ausschüttungen an die Kapitalanleger stehe.

Keine Änderung der Firmenstrategie

Der Airbus-Konzern steckt mitten in einem umfassenden Umbau seiner Führungsspitze. Der von Korruptionsermittlungen erschütterte Flugzeugriese hatte Ende 2017 einen personellen Neuanfang eingeleitet.

Der 52 Jahre alte Manager Harald Wilhelm führt seit sechs Jahren die Finanzen des Konzerns. Schon vier Jahre zuvor hatte er die gleiche Aufgabe für die Verkehrsflugzeugsparte übernommen - den größten Geschäftsbereich des Unternehmens. Es sei der richtige Zeitpunkt für ihn, um weiterzuziehen, wird Wilhelm in der Mitteilung zitiert. Enders und Ranque lobten Wilhelms Verdienste für das Unternehmen.

Konzernchef Enders versicherte, es gebe keine Änderung der Firmenstrategie. "Airbus wird finanzieller Leistung und Wertschöpfung verpflichtet bleiben."

Für Enders, dessen Abgang für 2019 bereits festgeschrieben ist, wird derzeit nach einem Nachfolger gesucht. Der Verwaltungsrat will bis Ende dieses Jahres entscheiden, wer künftig am Ruder des Konzerns mit weltweit 129.000 Mitarbeitern steht. Traditionell wird bei den Führungsjobs auf ein Gleichgewicht zwischen Deutschen und Franzosen geachtet - die beiden Länder halten jeweils 11,1 Prozent an Airbus, Spanien hält 4,2 Prozent. Die Leitung des Verkehrsflugzeuggeschäfts hat Fabrice Brégier bereits an den vorigen Chef der Hubschrauber-Sparte, Guillaume Faury, übergeben.

Dickes Auftragspolster im Kerngeschäft

Schon Anfang 2017 hatte Strategiechef Marwan Lahoud Airbus verlassen, vor Kurzem ging zudem der langjährige Flugzeug-Verkaufschef John Leahy in Rente. Seinen Job übernahm der zuvor beim Triebwerksbauer Rolls-Royce beschäftigte Manager Eric Schulz. Auch Technikchef Paul Eremenko ging nach nur eineinhalb Jahren bei Airbus wieder von Bord, als Nachfolgerin des Amerikaners übernahm Anfang des Monats Grazia Vittadini. Die Italienerin, zuvor bei der Airbus-Rüstungssparte, ist die erste Frau im Vorstand des Luftfahrtkonzerns.

Airbus kann in seinem Kerngeschäft mit Passagierjets ein dickes Auftragspolster vorweisen und jagt von einem Produktionsrekord zum nächsten, seinen Gewinn konnte der Konzern 2017 fast verdreifachen.

Zum Beginn dieses Jahres belasteten allerdings Probleme der Triebwerkshersteller für den Mittelstreckenjet A320neo das Ergebnis.

Zudem ist noch unklar, welche Folgen die laufenden Korruptionsermittlungen für das Unternehmen haben werden - Enders hatte vor der Möglichkeit "erheblicher Strafen" gewarnt. Eine britische Behörde geht schon länger dem Verdacht auf Betrug, Bestechung und Korruption bei Geschäften der zivilen Luftfahrtsparte nach, Auslöser war eine Selbstanzeige des Unternehmens. Auch die französische Finanz-Staatsanwaltschaft ermittelt.

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