Elektrische Antriebe Ableitstrom kompensieren und Anlagenverfügbarkeit erhöhen

Autor / Redakteur: Georg Schmitz * / Gerd Kucera

Frequenzgeregelte Antriebe erzeugen betriebsbedingt Ableitströme, die zur Fehlauslösung einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung führen können. Wie sich das vermeiden lässt, zeigt dieser Beitrag.

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LEAKCOMP HP verkabelt: Das Gerät kompensiert betriebsbedingte Ableitströme bis 400 mA (RMS). Der Einsatz von Fehlerstrom-Schutzschaltern mit einem Differenzstrom von 30 mA oder höher nach DIN VDE 0100-530 ist möglich. Die Betriebssicherheit von Anlagen wird dadurch erhöht.
LEAKCOMP HP verkabelt: Das Gerät kompensiert betriebsbedingte Ableitströme bis 400 mA (RMS). Der Einsatz von Fehlerstrom-Schutzschaltern mit einem Differenzstrom von 30 mA oder höher nach DIN VDE 0100-530 ist möglich. Die Betriebssicherheit von Anlagen wird dadurch erhöht.
(Bild: EPA)

In der modernen Automatisierungstechnik sind drehzahlverstellbare elektrische Antriebssysteme unumgänglich. Für Asynchron-, Servo- und Permanentmagnetmotoren werden Frequenzumrichter (FU) zur Drehzahlverstellung eingesetzt. Die hochdynamischen Ausgangsstufen dieser Frequenzumrichter schalten hohe Gleichspannungen im Mikrosekundenbereich und können dadurch unzulässig hohe Störungen in der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) erzeugen.

Aber auch für diese Komponenten gelten natürlich die gesetzlichen Richtlinien der EMV, wie beispielsweise die EN 61800-3. Da diese Vorgaben eingehalten werden müssen, sind entsprechende Entstörmaßnahmen zu implementieren.

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Ursachen und Gefahren von Ableitströmen

Neben externen EMV-Maßnahmen wie zum Beispiel abgeschirmten Motoranschlussleitungen und vorgeschalteten Netzfiltern werden auch sogenannte interne EMV-Filter eingesetzt. Diese bestehen meistens aus einem oder mehreren Kondensatoren, die vom DC-Zwischenkreis zum Schutzleiter geschaltet sind. Die Wirkung dieser Filter ist in der Regel sehr gut. Die Einhaltung der EMV-Richtlinien ist so auch bei längeren Motorleitungen gewährleistet.

Diese internen und externen Filtermaßnahmen haben allerdings nicht nur Vorteile. Alle kapazitiven Schutzleiteranbindungen leiten nicht nur hochfrequente Ströme gemäß der EMV-Richtlinie (z.B. 150 kHz bis 2 GHz) ab, sondern auch niederfrequente Ströme (z.B. 50 Hz bis 20 kHz).

In vielen industriellen Anwendungen kommen wegen der hohen Personen- und Brandschutzanforderungen allstromsensitive Fehlerstromschutzschalter vom Typ B bzw. B+ zum Einsatz. Im Frequenzbereich bis zu 2 kHz sind diese Fehlerstrom-Schutzschalter besonders empfindlich.

Ergänzendes zum Thema
Ableitströme: ein Thema auf dem Praxisforum Antriebstechnik 2016

Das dreitägige Praxisforum Elektrische Antriebstechnik (mit Fachausstellung am zweiten Tag) findet vom 7. bis 9. März 2016 im VCC Würzburg statt. 26 renommierte Branchenexperten aus Forschung und Industrie diskutieren Antriebsaufgaben und stellen anwendbare Technik zur Lösung vor. Ableitströme und ihre Kompensation ist eines der zahlreichen Themen. Das ausführliche Programm aller drei Tage finden Sie hier, einschließlich Abstracts und Referenten.

Themen des 1. Tages (7. März 2016): Schaltungsbeispiele mit Motion Control Chips (MCU, FPGA, ASSP, Chip Set), Schaltungsbeispiele mit Power Devices.

Themen des 2. Tages (8. März 2016): Best-Practice-Beispiele, Trends sowie sofort anwendbare Technik aus der Forschung (mit begleitender Ausstellung).

Themen des 3. Tages (9. März 2016):

Sensorik, Motion Software, Simulation (Lageregelung, Motoranalyse, EMV und funktionale Sicherheit).

Detektiert nun dieser Fehlerstrom-Schutzschalter die betriebsbedingten Ableitströme von einem oder mehreren Frequenzumrichtern und deren EMV-Filtermaßnahmen, kann dies zu unerwünschten Fehlauslösungen führen, obwohl weder eine Berührung stromführender Teile durch eine Person noch ein Defekt in den Geräten vorliegt. Die Anlagenverfügbarkeit wird dadurch stark reduziert bzw. die Anlage lässt sich nicht am Fehlerstrom-Schutzschalter betreiben.

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