Gedächtniswiderstand

Abiturienten entwickelten eigenen Memristor

| Redakteur: Gerd Kucera

Philipp Schnicke (links) und Evgeny Ulanov mit ihrem Memristor.
Philipp Schnicke (links) und Evgeny Ulanov mit ihrem Memristor. (Bild: Jugend forscht)

Trennt man den PC von seiner Stromversorgung, dann vergisst er, was gerade noch seine Aufgabe war. Mit einem Memristor könnte das System vielleicht künftig blitzschnell booten - denn die Information in einem Gedächtniswiderstand bleibt erhalten.

Ein kleines Bauteil aus Kupfersulfid brachte den Erfolg und den mit 1000 € dotierten VDE-Sonderpreis für mikroelektronische Anwendungen sowie den 4. Platz im Bereich Physik im Finale von Jugend forscht.

Evgeny Ulanov und Philipp Schnicke (beide 18) vom St. Michael Gymnasium in Bad Münstereifel entwickelten ihren eigenen Memristor: „Vereinfacht gesagt handelt es sich um ein Bauteil, dessen elektrischer Widerstand vom Stromfluss abhängt und das sich diesen Widerstand unter bestimmten Umständen merken kann“, erläutert das Forscherteam. Ihr Gedächtniswiderstand überzeugte die Jury des 50. Bundeswettbewerbs von Jugend forscht.

Inspiriert hatte das Duo ein neuartiges elektronisches Bauelement, das der US-Computerkonzern Hewlett-Packard 2008 als Prototyp vorstellte: „Weil es für uns praktikabler war, haben wir uns für Kupfersulfid, einer Verbindung aus Kupfer und Schwefel, entschieden“, konstatiert Evgeny Ulanov. Mit Hilfe einer LED gelang es den beiden Abiturienten Informationen in dem Memristor zu speichern und wieder abzurufen. „In Zukunft könnten Bauelemente dieser Art als Grundlage für leistungsfähigere Speicherchips dienen“, sagen sie, „diese wären vor allen Dingen energiesparend und klein.“

Heute werden Memristoren neben Widerstand, Kondensator und der Spule als viertes fundamentales passives Bauelement beschrieben. „Auf uns übt das einen Reiz aus, weil wir uns sehr für Physik interessieren und dieses Thema aktuell ist“, sagt Evgeny Ulanov.

Ihre Zusammenarbeit begannen die Abiturienten, die demnächst Physik studieren wollen, im gemeinsamen Physik-Leistungskurs. „Den Memristor haben wir dann in der Jugend forscht-AG an unserer Schule entwickelt“. Zufrieden mit ihren ersten Erfolgen im Jubiläumsjahr von Jugend forscht wollen beide weitermachen. Es gebe noch viele interessante Aspekte zu diesem Thema, sind beide sicher. Die Experten des VDE freuen sich über das Engagement der aktuellen Preisträger.

Dazu Dr.-Ing. Hans Heinz Zimmer, VDE-Vorstandsvorsitzender: „Unser Ziel ist es, junge Menschen frühzeitig für Forschung und Technik zu begeistern. Wenn sie dadurch den Weg zu innovativen Technologien oder einem Studium in diesem Bereich finden, ist das ein Vorteil im internationalen Wettbewerb.“

Für den VDE mit seinen 36.000 Mitgliedern, davon 1300 Unternehmen und 8000 Studierende, einer der großen technisch-wissenschaftlichen Verbände Europas, hat die aktive Nachwuchsförderung einen hohen Stellenwert. Zimmer: „Neben dem mit 1000 Euro dotierten Sonderpreis im Finale vergeben wir in jedem Jahr bei Jugend forscht auch auf Landesebene zahlreiche Sonderpreise für das wissenschaftliche Engagement der Jungen und Mädchen.“

195 talentierte Jugendliche mit insgesamt 113 Projekten hatten sich im 50. Jahr von Jugend forscht für das Finale von Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb qualifiziert. Phillip Schnicke gelang gleich bei seiner ersten Teilnahme der Durchmarsch ins große Finale. Zimmer: „Die beiden Preisträger laden wir zum VDE/BMBF-Mikrosystemtechnik-Kongress 2015 Ende Oktober nach Karlsruhe ein. Dort können Sie den Experten aus dem In- und Ausland ihr Projekt vorstellen. Vielleicht schaffen wir es auch, die beiden von der großen Attraktivität des Studiums der Elektro- und Informationstechnik zu überzeugen.“

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