Abgasgrenzwerte: Testverfahren WLTP geht an den Start

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Für die Typzulassung neuer Pkw gilt EU-weit ab dem 1. September 2017 das neue Testverfahren „Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure“ (WLTP) in Nachfolge des seit 1992 gültigen NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Doch wie realitätsnah sind die neuen Grenzwerte wirklich?

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Der neue WLTP basiert auf empirisch erhobenen realen Fahrdaten von Routen in Asien, Europa und den USA und ist dadurch deutlich repräsentativer.
Der neue WLTP basiert auf empirisch erhobenen realen Fahrdaten von Routen in Asien, Europa und den USA und ist dadurch deutlich repräsentativer.
(Bild: Marijan Murat/dpa)

Der NEFZ-Test ist Geschichte: Am heutigen Freitag tritt das WLTP-Testverfahren in Kraft. Mit dem neuen Standard sollen endlich realistische Werte beim Kraftstoff- und Schadstoffausstoß ermittelt werden können. Doch was bedeutet das konkret? Wo liegen die Unterschiede, wie realitätsnah ist der WLTP wirklich, wie werden E-Autos gemessen und was bedeutet das für uns Autofahrer?

Wieso ein neues Testverfahren

Angaben zu Verbrauch, bzw. Reichweite sollen auf Basis eines objektiven und reproduzierbaren Testverfahrens ermittelt werden, das unter genau definierten Laborbedingungen eine Vergleichbarkeit verschiedener Modelle schafft und möglichst repräsentativ für das aktuell übliche Fahrverhalten von Menschen im Straßenverkehr ist. Diesem Anspruch wird das bislang in Europa verwendete Verfahren NEFZ nicht mehr gerecht – es war in den 90er Jahren vorrangig für die Messung von Schadstoffemissionen als theoretische Messfahrt entwickelt worden. Der neue WLTP basiert auf empirisch erhobenen realen Fahrdaten von Routen in Asien, Europa und den USA und ist dadurch deutlich repräsentativer.

Die Einhaltung von Abgasgrenzwerten ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass Typgenehmigungen für neue Fahrzeuge erteilt werden. Der Kraftstoffverbrauch stellt mit dem parallel dazu ermittelten CO2-Wert für den Kunden ein wesentliches Kriterium für die Kaufentscheidung dar, ist in vielen Ländern die Grundlage für die Kfz-Besteuerung und wird seit einigen Jahren auch für das staatliche Monitoring der klimaschädlichen CO2-Emissionen genutzt.

Um für Verbraucher realitätsnähere Verbrauchsangaben als bisher zu liefern, wurde im Auftrag des UN-Gremiums „World Forum for Harmonization of Vehicle Regulations“ das neue Testverfahren entwickelt. Zentral darin ist der neue Fahrzyklus, WLTC abgekürzt (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Cycle).

Die dafür notwendigen Messfahrten umfassten insgesamt 750.000 Kilometer, die in Metropolen von Schwellenländern wie Indien ebenso durchgeführt wurden wie auf Autobahnfahrten in Europa und den USA. In einem mehrjährigen Analyse- und Diskussionsprozess erstellte das UN-Forum aus dem Datenpool den neuen Fahrzyklus und entwickelte hierzu eine komplett neue Testprozedur, das WLTP, welche international Gültigkeit haben wird – mit geringen regionalen Anpassungen auf Grund verschiedener Klimazonen der UN-Mitgliedsstaaten. So hat zum Beispiel der europäische Gesetzgeber die vom UN-Gremium festgelegte Testtemperatur von 23 Grad Celsius ergänzt um einen Zusatztest bei 14 Grad Celsius, um die durchschnittliche Temperatur in Europa mit abzubilden.

Nun steht der WLTP unmittelbar vor der Einführung: In Europa ist er ab dem 1. September 2017 die verpflichtende Grundlage für die Typgenehmigung neuer Pkw und leichter Nutzfahrzeuge. Ab dem 1. September 2018 müssen in Europa für alle neu zugelassenen Pkw und leichte Nutzfahrzeug-Modelle im WLTP gemessene Abgas- und Verbrauchswerte vorliegen. Für größere leichte Nutzfahrzeuge gilt die Regelung ein Jahr später.

Welche Unterschiede gibt es?

Der Kraftstoffverbrauch eines Autos wird wesentlich durch die Fahrwiderstände bestimmt, also durch Masse, Luftwiderstand und Rollwiderstand. Die ab September 2017 für die Typzulassung in Europa gültige neue Testprozedur WLTP berücksichtigt diese physikalisch bedingten Fahrwiderstände umfassender als der bislang verwendete NEFZ und ist dadurch deutlich repräsentativer.

Wie der NEFZ wird auch der WLTP in zertifizierten Testlaboren unter genau definierten Bedingungen durchgeführt. Dadurch sind die Messergebnisse einerseits stabil und reproduzierbar und ermöglichen andererseits einen direkten Vergleich verschiedener Fahrzeuge, unabhängig vom Prüfstand oder vom Testlabor.

Ein Fahrzyklus definiert zunächst einmal für jede Sekunde des Tests, mit welcher Geschwindigkeit das Fahrzeug auf dem Rollenprüfstand gefahren wird. Daraus ergibt sich ein sogenanntes Geschwindigkeits-profil. Vergleicht man den WLTP mit dem abgelösten NEFZ, so fällt auf: Der neue Test dauert nicht nur länger, nämlich 30 statt 20 Minuten, es wird auch deutlich häufiger beschleunigt, bis zur Autobahn-Richtgeschwindigkeit von 130 km/h.

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