ABB kauft Industrial Solutions von General Electric

| Redakteur: Michael Eckstein

Türöffner: Mit der Übernahme verbessert ABB seinen Zugang zum US-Markt
Türöffner: Mit der Übernahme verbessert ABB seinen Zugang zum US-Markt (Bild: Steffen Schmidt/KEYSTONE/dpa)

Für 2,6 Mrd. Dollar übernimmt der Elektrotechnikkonzern ABB den Unternehmensbereich seines Rivalen. Die Marke GE dürfen die Schweizer langfristig weiter nutzen. Management und Vertrieb sollen ebenfalls übernommen werden.

Marktanteil durch Zukauf: Um seine Position auf dem wichtigen US-Markt zu stärken, verleibt sich der Schweizer Elektronikriese ABB die Elektrokomponenten-Sparte seines US-Wettbewerbers General Electric ein. Nachdem ABB in den letzten Jahren viel Energie in seine Next-Level-Strategie investiert hat, die eine weitreichende Umstrukturierung und Neuausrichtung vorsieht, schaltet das Unternehmen jetzt offenbar in den Angriffsmodus.

Visionär: ABB-CEO Ulrich Spiesshofer will durch Synergieeffekte 200 Mio. Dollar jährlich sparen.
Visionär: ABB-CEO Ulrich Spiesshofer will durch Synergieeffekte 200 Mio. Dollar jährlich sparen. (Bild: ABB)

Der nun zugekaufte Unternehmensbereich „GE Industrial Solutions“ entwickelt und fertigt Elektrobauteile und Stromaggregate. Während diese Produkte nur noch zum Randgeschäft von General Electric gehören, bietet sich nach Aussagen von ABB-President und CEO Ulrich Spiesshofer durch die Übernahme eine einmalige Chance, die eigene Position auf dem US-Markt auszubauen.

ABB muss Profitabilität von Industrial Solutions verbessern

Damit ABB von der Übernahme profitieren kann, muss es Industrial Solutions allerdings erst einmal von einem lahmenden Rappen in ein Rennpferd verwandeln. Noch im vergangenen Jahr machte der Bereich etwa 2,7 Mrd. Dollar Verlust. Hier gibt es offensichtlich viel zu tun. Spiesshofer will zunächst verhindern, dass das Geschäft weiter an Marktanteilen verliert. Dann will er es wieder auf die Erfolgsspur bringen.

Erster Schritt ist das Integrieren von GE Industrial Solutions in den ABB-Unternehmensbereich „Elektrifizierungsprodukte“ (EP). ABBs innovative Technologien und das Digitalangebot ABB Ability sollen so mit den komplementären Produkten und dem Marktzugang von GE Industrial Solutions zusammengebracht werden. Nach eigenen Angaben werden die Schweizer sowohl das Management-Team als auch die Vertriebsmannschaft von Industrial Solutions übernehmen.

Besserer Zugang zum nordamerikanischen Markt

Besonders hohen Wert haben laut Spiesshofer die starken Geschäftsbeziehungen des Anbieters zu seinen weltweiten Kunden. Nach Angaben von ABB ist in mehr als 100 Ländern aktiv. Eine besonders stark verwurzelte Basis bestünde in Nordamerika. Im Rahmen des Geschäfts hat Spiesshofer zudem strategische Lieferbeziehungen mit GE ausgehandelt. Danach verpflichten sich die Amerikaner, langfristig ABB-Produkte zuzukaufen.

„Mit der Übernahme von GE Industrial Solutions werden wir unsere Position als weltweite Nummer 2 in der Elektrifizierung stärken und unseren Zugang zum attraktiven nordamerikanischen Markt verbessern“, sagte Ulrich Spiesshofer, CEO von ABB. „In Verbindung mit der langfristigen strategischen Lieferbeziehung wird diese Übernahme ein erhebliches Wertsteigerungspotenzial für unsere Aktionäre bringen.“

Noch im ersten Halbjahr 2018 will ABB den Zukauf abgeschlossen haben. Der Zukauf wird die Rentabilität des Tech-Konzerns voraussichtlich zunächst verringern. Spätestens 2020 soll sie sich erholt haben und auf 15 bis 19 Prozent steigen. Ab dem fünften Jahr der Übernahme will ABB durch Synergieeffekte bis zu 200 Mio. Dollar jährlich sparen.

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