Photokina 7 Kameras, die komplett aus dem Rahmen fallen

Redakteur: Peter Koller

Digitale Elektronik hat das Kamerageschäft nachhaltig verändert. Das wird auch die kommende Photokina zeigen, die vom 18. bis 23.09.2012 in Köln stattfindet. Doch die Entwicklung ist noch längst nicht zu Ende, wie 7 Kameras beweisen, die komplett aus dem Rahmen fallen.

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Außergewöhnliches Design, hochinteressante Technologie: die Lytro Lichtfeldkamera
Außergewöhnliches Design, hochinteressante Technologie: die Lytro Lichtfeldkamera
(Foto: Lytro)

Auf der nur alle zwei Jahre stattfindenden Photokina in Köln (Galerie: Die wichtigsten Neuheiten der Photokina 2012) werden auch in diesem Jahr alle großen Kamerahersteller ihre neuen Digitalkamera-Modelle zeigen. Die Trends in diesem Jahr: Spiegellose Systemkameras mit Wechselobjektiven, das Filmen mit Fotoapparaten und immer bessere Kameras in Smartphones.

Doch an dieser Stelle wollen wir einen Blick weg vom Mainstream und in die Zukunft der Digitalen Fotografie wagen. 7 Beispiele für Kameras, die über einzigartige Eigenschaften verfügen.

Die Lichtfeldkamera

Sie sieht aus wie eine Kreuzung aus Lippenstift und Taschenlampe, doch die Lytro ist eine Digitalkamera. Und zwar eine ganz besondere, denn die Lytro setzt als erste käuflich zu erwerbende Kamera auf das Prinzip des Lichtfelds. Dabei werden mit Hilfe eines speziellen Objektivs mit sehr vielen Mikro-Linsen möglichst viele Lichtstrahlen eingefangen. Es ist, als würde man viele einzelne Kameras in ein Gerät pressen. Der große Vorteil: Bei der Bearbeitung mit entsprechender Software kann man nach der Aufnahme entscheiden, ob Vordergrund oder Hintergrund eines Bildes scharf dargestellt werden sollen – oder sogar beides: Lytro – erst knipsen, später scharfstellen. Die Lytro ist im Online-Shop des Herstellers in zwei Versionen für rund 400 respektive 500 US-$ zu bekommen.

Die Papp-Kamera

Bei der KNÄPPA handelte es sich um einen PR-Gag von Ikea für die Möbelserie PS 2012. 150 Stück der Pappkameras wurden verlost. Die Gewinner konnten damit ihre Inneneinrichtung knipsen und die Bilder in einen eigenen Bereich der IKEA-Homepage hochladen, wo sie von anderen Schwedenmöbel-Fans rund um den Globus bewundert werden können. Die KNÄPPA hat gezeigt, wie wenig es für eine Digitalkamera eigentlich braucht: Ein Pappgehäuse, zwei AAA-Batterien, eine Plastiklinse und ein Sensor mit 1280 x 960 Pixeln sowie Speicher für 40 Bilder. Um herauszufinden, was genau drinsteckt, hat ELEKTRONIKPRAXIS die KNÄPPA einem knüppelharten Test unterzogen.

Die "Weniger-ist-mehr"-Kamera

Quasi der Gegenentwurf zur KNÄPPA ist die Leica M9 monochrom. Eine Digital-Kamera zum Preis von 6800 Euro (nur Gehäuse), die ausschließlich Schwarzweiß-Bilder aufnehmen kann. Der Minimalismus hat Methode, denn durch den Verzicht auf die für Farbfotografie notwendigen Rot-, Grün- und Blaufilter sieht der Sensor die "echten" Helligkeitswerte des Motivs, so dass Schwarzweiß-Bilder mit einem enormen Dynamikumfang und feinster Abstufung entstehen. Und mal ganz ehrlich: Wer sich eine M9 monochrom leisten kann, hat sicher noch ein paar andere Kameras für hochwertige Farbbilder in der Tasche...

Die Gigapixel-Kamera

In der Consumer-Fotografie hat das Rennen um die meisten Megapixel in der Kamera vor ein paar Jahren ein Ende gefunden. Zum Glück, denn mehr Pixel bedeuten nicht unbedingt ein besseres Bild. Doch es gibt Bereiche, in denen das Prinzip "Viel (Pixel) hilft viel" nach wie vor seine Berechtigung hat. So zum Beispiel in der Spiona... ähem, Aufklärung. Auf diesen Bereich zielt ganz offensichtlich eine Kamera, die Wissenschaflter von der Duke University mit der Forschungsagentur des US-Militärs, der DARPA, entwickelt haben. Durch die Synchronisierung von 98 relativ einfachen und billigen 14-Megapixel-Sensormodulen haben sie eine Kamera mit rund einem Gigapixel Auflösung entwickelt. Die Einzelbilder werden elektronisch zu der hochaufgelösten Aufnahme zusammengefügt. Das Problem bei dem Ansatz: Die Kamera hat Abmessungen von 76 x 76 x 51 Zentimeter. Das meiste davon ist Elektronik – und Kühlsysteme, um die Elektronik vor dem Hitzetod zu schützen...

Die Sternensucher-Kamera

Für Fotos auf der Erde mag eine 1-Gigapixel-Kamera ja gerade noch so durchgehen, aber wenn man das ganze Universum fotografieren will, darf es schon ein bisschen mehr sein. Haben sich jedenfalls die Astronomen im Projekt Large Synoptic Survey Telescope (LSST) gesagt und bauen derzeit an einer Kamera mit der mehr als dreifachen Auflösung: 3200 Megapixel, um genau zu sein. Dazu kombinieren die Experten 189 Sensoren und knapp drei Tonnen an sonstigen Komponenten in einer zylindrischen Röhre von 1,8 Metern Durchmesser. Die Kamera wird Teil eines 8,4-Meter-Speiegelteleskops, das im Norden von Chile errichtet wird. Wenn das Observatorium in ein paar Jahren seine Arbeit aufnimmt, wird die LSST-Kamera jede Nacht rund 800 Panorama-Bilder des Himmels aufnehmen und jährlich 6 Petabyte an Daten generieren. Die Bilder sollen für Jedermann per Internet zugänglich sein. Wer nicht so lange warten will, um einen unglaublich faszinierenden Einblick in die Tiefen des Universums zu werfen, dem sei dieses Video des Sloan Digital Sky Survey (SDSS) wärmstens ans Herz gelegt.

Die Schmeiß-mich-hoch-Kamera

Panoramabilder sind faszinierend, weil sie auf einen Blick zeigen, was das menschliche Auge mit seinem beschränkten Blickwinkel eigentlich nicht zu erfassen mag. Normalerweise muss für ein Panoramabild eine ganze Serie von Bildern aufgenommen und per Software zusammengefügt werden. Die Panoramakamera des TU-Berlin-Absolventen Jonas Pfeil funktioniert anders, auf sehr unorthodoxe aber höchst interessante Weise: Ist das passende Motiv gefunden, dann wirft man sie einfach mit Schwung in die Höhe. Selbstständig macht der Fotoapparat am Scheitelpunkt seines Steigfluges ein Rundumfoto der Umgebung. Dafür sorgen 36 2-Megapixel-Kameramodule, wie sie in Handys verwendet werden. Das Kunststoff-Gehäuse der Kamera wurde per 3-D-Drucker hergestellt.

Die Eine-Billion-Bilder-pro-Sekunde-Kamera

Hochgeschwindigkeitsfotografie ist faszinierend, etwa wenn eine Gewehrkugel in Ultra-Zeitlupe einen Apfel durchschlägt. Auf die Spitze getrieben haben die High-Speed-Fotografie Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT). In einem komplizierten Verfahren, das einen Femtosekungen-Laser, einen beweglichen Spiegel, einen schmalen Schlitz und ein Array aus 500 Bildsensoren umfasst, ist es Prof. Ramesh Raskar (Foto, r.) und Postdoc Andreas Velten (l.) gelungen, eine zeitliche Auflösung von einer Billion Bilder pro Sekunde zu erzielen und damit einem Lichtstrahl bei dessen Ausbreitung in einer Plastikflasche zuzusehen (siehe Video). Auf eine bestimmte Art ist die schnellste Kamera der Welt aber auch die langsamste: Zwar dauert es nur eine Nanosekunde, bis der Lichtstrahl die Flasche durchquert hat, aber um diesen Zeitraum aufzunehmen, muss der Vorgang aber eine ganze Stunde lang immer wiederholt werden. Schnappschüsse sehen anders aus...

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