Erstes 5G-Netz in Deutschland gestartet

| Autor / Redakteur: Mit Material von dpa / Julia Schmidt

Vodafone hat das erste kommerzielles 5G-Netz in betrieb genommen. Noch ist die Netzabdeckung allerdings sehr eingeschränkt.
Vodafone hat das erste kommerzielles 5G-Netz in betrieb genommen. Noch ist die Netzabdeckung allerdings sehr eingeschränkt. (Bild: Mohamed Hassan / Pixabay)

Als erstes deutsches Telekommunikations-Unternehmen hat Vodafone ein kommerzielles 5G-Netz gestartet. Die Firma aktivierte am Dienstagmorgen 25 Antennenstandorte in Düsseldorf, Köln, Dortmund und anderen Städten und Gemeinden.

Bundesweit betreibt Vodafone rund 25.000 Mobilfunkstationen mit allen verschiedenen Standards, überwiegend 4G (LTE). Nun hat das Unternehmen erste Basisstationen mit der neuen 5G-Technik ausgerüstet. Bislang ist das 5G-Netz allerdings noch sehr beschränkt. Im August soll die Zahl der mit 5G aufgerüsteten Stationen auf mehr als 50 klettern. Der Technikchef des Unternehmens, Gerhard Mack, sagte, dass man Zeit brauche für eine umfassende Abdeckung: „Dieses Jahr wollen wir noch üben und Erfahrungen sammeln.“ 2020 nehme der Ausbau dann Fahrt auf, mehrere tausend 5G-Stationen sollen gebaut werden. Ende nächsten Jahres soll etwa jeder achte Bundesbürger in Reichweite einer 5G-Antenne wohnen, Ende 2021 jeder vierte. Was unerwähnt bleibt: Profitieren werden wie bisher primär Anwender in Ballungszentren mit hoher Bevölkerungsdichte. Für den Flächenausbau führt kaum ein Weg am „National Roaming“ vorbei, um die Kosten für die Betreiber im Griff zu halten. Wie das in der Praxis aussehen könnte, ist allerdings höchst umstritten. Autonom fahrende oder zumindest von moderner 5G-Technik unterstützte Autos werden auf dem Land daher bis auf Weiteres gut klingende Zukunftsmusik bleiben.

Beim Ausbau setzt die Branche zunächst auf die Aufrüstung bestehender 4G/LTE-Stationen. „Wir werden nicht signifikant mehr Masten sehen als heute“, sagte Mack. „Ich habe keine Angst vor Antennenwäldern.“ Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit: Damit 5G sein Potenzial ausspielen kann, wird es später auch höhere Frequenzen nutzen. Spätestens dann benötigt die Technik deutlich mehr und kleinere Funkzellen – und damit auch mehr Antennen. Solange 5G nur die alten Basisstationen mit benutzen kann, wird die 5G-Abdeckung eher schlechter sein als mit der aktuellen 4G-Technik.

Über die noch spärlich vorhandenen 5G-Antennen können Privatkunden nach Firmenangaben ab Mittwoch den ultraschnellen Mobilfunkstandard nutzen, hierfür können sie 5G zu bestehenden Vodafone-Verträgen hinzubuchen. Dies kostet in den üblichen Verträgen fünf Euro zusätzlich. Allerdings braucht man dazu neue Smartphones, die 5G-kompatibel sind –Vodafone bietet hierfür Modelle von Huawei und Samsung an. Das Huawei wäre sofort nutzbar für den neuen Mobilfunkstandard, das Samsung erst ab Mitte August.

Aktuell noch ein Nischenprodukt

Vodafone-Konkurrenten sind noch nicht so weit. Die Deutsche Telekom aktiviert ihr 5G-Netz nach eigenen Angaben erst „in den nächsten Wochen“, Telefónica und der Neueinsteiger als Netzbetreiber, United Internet, halten sich zu ihren Start-Zeitpunkten noch bedeckt. Die Deutsche Telekom hatte bereits Anfang Juli ihre 5G-Tarife vorgestellt – das Bonner Unternehmen setzt im Gegensatz zu Vodafone nicht auf eine monatlich kündbare Zubuch-Option, sondern auf einen 24-Monatsvertrag.

Für Privatkunden ist die 5. Mobilfunkgeneration bislang praktisch bedeutungslos. Die meisten mobilen Anwendungen sind mit dem bisher schnellsten Standard, 4G/LTE genannt, gut nutzbar – zumindest in Gebieten mit brauchbarer Funkabdeckung. Die ist allerdings in vielen ländlichen Gegenden nach wie vor mangelhaft. Europaweit zählt Deutschland hier zu den Schlusslichtern. Für Virtuelle Realität (VR) oder datenaufwendige Online-Games könnte 5G zukünftig aber nötig sein. Ein 5G-Standort ist bei der Kölner Messe – bei der Gamescom im August könnten dort Besucher dank 5G besseres Netz haben als bisher – vorausgesetzt, sie sind Vodafone-Kunde und entscheiden sich für die Zubuch-Option. In Zukunft werde der Technologiestandard für den Endverbraucher an Relevanz gewinnen, sagte Mack: „Über die Zeit werden wir ganz viele Anwendungen sehen, die nur auf 5G funktionieren.“

Interessant könnte die neue Technik tatsächlich für Unternehmen werden: Der neue Standard sieht vor, dass diese private 5G-Netze auf ihrem Firmencampus betreiben können. So könnten beispielsweise Autohersteller ihre Produktions- und Logistikhallen damit ausstatten. Sie wären dann in der Lage, ihre Anlagen damit zu überwachen und möglicherweise sogar zu automatisieren, ohne die Dienste eines Mobilfunk-Providers nutzen zu müssen. Erste Feldversuche laufen bereits, zum Beispiel beim Premiumhersteller Audi und beim finnischen Großkonzern Nokia. Bei diesen Anwendungen kann 5G seinen Vorteil sehr geringer Antwortzeiten ausspielen.

Mobilfunk für Fußballfans

Doch nicht nur kurze Latenzen und hohe Datenraten sind wichtig: Auch die mögliche Teilnehmerzahl pro Funkzelle spielt bei 5G-Standorten eine große Rolle. Hier übertrumpft 5G seine Vorläufer deutlich. Bei Bundesligaspielen in Fußballstadien beispielsweise, wo das 4G-Netz oft völlig überlastet ist, dürfte der neue Übertragungsstandard daher künftig das Benutzererlebnis der Fans deutlich verbessern. Vodafone gab dafür Anfang Juli eine Kooperation mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) bekannt.

Der 5G-Start von Vodafone hängt zumindest indirekt zusammen mit der Mitte Juni beendeten Auktion von deutschen Mobilfunkfrequenzen – hierbei hatte Vodafone 130 Megahertz Spektrum für 1,88 Milliarden Euro ersteigert, davon sind 90 Megahertz in dem für das jetzige 5G-Netz relevanten 3,4 bis 3,7 Gigahertz-Band. Diese Blöcke nutzt Vodafone für das nun freigeschaltete Netz aber noch nicht. Grund: Die Zuteilung durch die Bundesnetzagentur ist noch nicht erfolgt. Für Vodafone ist das allerdings kein Problem, da sie noch 40 Megahertz Spektrum aus ihrem Altbestand nutzen kann.

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