5G-Mythos #4: Etablierte Telcos kontrollieren die Lieferkette des neuen Mobilfunks

| Redakteur: Michael Eckstein

Im Aufbau: Techniker installieren eine 5G-Antenne.
Im Aufbau: Techniker installieren eine 5G-Antenne. (Bild: Deutsche Telekom AG / Thomas Ollendorf)

Bislang war die Sache klar: Die großen Telekommunikationsanbieter bauen Mobilfunknetze für viel Geld auf und verdienen dann kräftig an den darauf laufenden Services. Wird das auch für 5G gelten?

Seit Einführung des Mobilfunks haben stets die Telekommunikationsunternehmen (Telcos) die Infrastrukturen aufgebaut – und auch bestimmt, welche Produkte und Dienstleistungen letztlich zum Beispiel auf ihren 2G-, 3G- und 4G-Netzen verfügbar sind. Dadurch führte bei der Monetisierung kein Weg an ihnen vorbei.

Teil 4 unserer Serie über 5G-Mythen verdeutlicht, dass sich am bisher gewohnten Gefüge durchaus Verschiebungen ergeben können – und die klassischen Netzwerkbetreiber möglicherweise Konkurrenz von ihren bisherigen Kunden bekommen.

Mythos #4: Etablierte Akteure werden auch weiterhin die 5G-Lieferkette kontrollieren

Auch jetzt, beim Aufbau der ersten 5G-Netze, sind die etablierten Provider an vorderster Front dabei. Nach der Versteigerung der 5G-Frequenzen erweitern Player wie die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica ihre vorhandenen Angebote um 5G-Funktionen. Erweitern ist hier durchaus wörtlich zu verstehen, da bis dato 5G auf einen 4G/LTE-Unterbau aufsetzt. Erst spätere Implementierungen werden als Stand-alone-Netze die volle Funktionalität des 5G-Standards bereitstellen können.

Bislang stehen bei den Bemühungen typische Consumer-Anwendungen im Fokus, etwa mehr Bandreite und höheres Datentempo für Streaming-Anwendungen. Dabei wird es aber nicht bleiben. Die Provider sind längst dabei, Angebotspakete für vertikale Märkte zu schnüren, mit denen sie die Bedarfe in Unternehmen adressieren wollen. So wollen sie auch hier die Wertschöpfung kontrollieren.

Telcos entwickeln 5G-Standard mit

Dazu arbeiten sie in den Standardisierungsgremien, aber auch direkt mit potenziellen Kundenunternehmen zusammen. So hat beispielsweise die Deutsche Telekom im Herbst 2018 ein 8-Punkte-Programm veröffentlicht und darin betont, wie wichtig der Dialog mit der Wirtschaft für den 5G-Netzausbau ist. Nach Ende der Frequenzauktion in der ersten Jahreshälfte und dem Start des 5G-Netzes will das Unternehmen die 5G-Potenziale gemeinsam mit der Wirtschaft heben.

Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Telekom, sagt: „Wir wollen Deutschland zum 5G-Pionier für Industrie-Anwendungen machen. Der Ausbau des 5G-Netzes und eine schnelle industrielle Nutzung sind die Voraussetzung, um unseren Status als führende Wirtschaftsnation zu festigen.“ 5G sichert seiner Ansicht nach langfristig den technologischen Vorsprung der deutschen Industrie. „Und damit auch den wirtschaftlichen Erfolg in unserem Land.“

Unternehmen können eigene Mobilfunknetze aufbauen

Trotzdem ist bei 5G einiges anders als bei den Vorgängertechniken. Erstmals können beispielsweise Unternehmen eigene Campus-Netzwerke etwa für ihre Fertigung aufbauen und lizenzfreie Frequenzbereiche nutzen – und so die etablierten Infrastrukturanbieter und deren Monetisierungsmodelle umgehen. Die nötige Technik können sie von internationalen Anbietern kaufen. Als zuständiges Gremium ist das 3rd Generation Partnership Project (3GPP) derzeit dabei, mit Release 16 verstärkt Funktionen für vertikale Anwendungsszenarien in den 5G-Standard einzuflechten beziehungsweise zu optimieren. Und damit auch ein Stück weit die Rolle zu definieren, die Telcos zukünftig spielen (können).

Laut Marktanalyst ABI Research erfordern die B2B-Applikationen in ihrer Gesamtheit einen enormen Entwicklungsaufwand. Anbieter und Betreiber können demnach nicht in alle Aktivitäten einbezogen werden. Was die 5G-Branche brauche, sei eine Plattformökonomie, in der Netzwerkeffekte einen exponentiellen Wert schaffen könnten. Bislang gebe es jedoch weder nennenswerte Anstrengungen noch ausreichenden Kapitaleinsatz, um 5G zu einer übergreifenden Anwendungsplattform zu machen. So bestehe die Gefahr, dass 5G bis auf weiteres eine zusätzliche Konnektivitätstechnik bleibe.

Handelsbeschränkungen bremsen die Verbreitung von 5G aus

Hinzu kommt: Geopolitische Verwerfungen schränken derzeit die Verfügbarkeit bedeutender 5G-Technologieanbieter ein. Konkret schließen Staaten wie die USA zum Beispiel das chinesische Unternehmen Huawei, also den Marktführer in Sachen 5G-Technologie, von ihren Märkten de facto aus. ABI Research sieht darin die Gefahr, dass sich die 5G-Märkte in einigen Regionen langsamer entwickeln könnten – und damit auch die Wertschöpfung geringer ausfällt als dies sonst möglich wäre.

Dies wird nach Ansicht von ABI wahrscheinlich das Ökosystem der Anwendungsentwicklung fragmentieren und den Wert für Entwickler einschränken, die ihre B2B-Applikationen weltweit anbieten wollen. Das Beratungsunternehmen empfiehlt, die Lieferkette zu öffnen und B2B-Anwendungsentwickler von Drittanbietern einzubeziehen. Gleichzeitig müssten Telekommunikationsdienstleister zu Plattform-Enablern und nicht nur zu Anbietern von Konnektivität werden.

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