5G-Mythos #2: Das Endkundengeschäft reicht zum Finanzieren der 5G-Rollouts

| Redakteur: Michael Eckstein

Fabrikautmation: Frühe 5G-Implementierungen sind für vertikale Märkte unter Umständen nicht geeignet.
Fabrikautmation: Frühe 5G-Implementierungen sind für vertikale Märkte unter Umständen nicht geeignet. (Bild: Clipdealer)

Der Aufbau von Stand-alone-5G-Netzwerken ist teuer. Reicht es, als Provider zunächst mit LTE-gestützten 5G-Netzen den Endkundenmarkt zu adressieren?

Der zweite Beitrag zum Thema 5G-Mythen zeigt auf, dass es nicht von Beginn an das eine 5G-Netz gibt, das alles kann. Vielmehr müssen Mobile Service Provider (MSP) eine Gratwanderung bestehen: Um lukrative vertikale Märkte ansprechen zu können, benötigen sie durchgängige Stand-alone-(SA-)5G-Infrastrukturen. Das Geld dafür soll das Endkundengeschäft mit der ersten Generation von 5G-Netzen bringen, die auf LTE aufsetzen. Kann das funktionieren?

Mythos #2: Die Umsatz mit Endkunden reicht zum Finanzieren der 5G-Rollouts

Die frühen 5G-Implementierungen fokussieren sich überwiegend auf den Verbrauchermarkt. Aus Sicht der MSPs ist dieser Schritt nachvollziehbar. Schließlich verspricht die massenhafte Nutzung von 5G durch Verbraucher erst einmal höhere Umsätze als eine zunächst überschaubare Zahl industrieller Anwendungen. Spätere Implementationen könnten dies ändern. Laut ABI Research wollen die Anbieter mit den erwirtschafteten Einnahmen die Fähigkeiten ihrer 5G-Netze schrittweise erweitern. So gerüstet, wollen sie neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen, vorwiegend im lukrativen Enterprise-Markt. Laut ABI haben MSPs die Hoffnung, dass 5G ihnen helfen wird, die Kosten pro GByte Bandbreite zu senken und den durchschnittlichen Umsatz pro Benutzer (ARPU) im Vergleich zu bestehenden Zugangstechnologien zu verbessern.

Zunächst sehen sie sich allerdings mit höheren Investitionen konfrontiert. Denn gegenüber seinen Vorgängern wird der Aufbau durchgängiger 5G-Netzwerke teurer. Hier fordern die erhöhte Funkzellendichte und eine Vielzahl neuer Funktionen sowohl auf der Kern- als auch auf der Zugangsseite ihren Tribut. Denn durchgängige 5G-Netzwerke sollen hoch skalierbar und fähig sein, viele verschiedene Probleme in unterschiedlichen Branchen zu adressieren. Provider sollen damit in der Lage sein, neue Dienste innerhalb weniger Tage bereitzustellen – statt wie bisher viele Monate dafür zu benötigen. Dadurch könnten sie schnell auf eine sich ändernde Marktnachfrage reagieren. ABI geht davon aus, dass auch der Betrieb der Netze höhere Ausgaben (OPEX) als bei seinen Vorgängern erfordern wird. Hier stellt sich die Frage, ob die erzielten Einnahmen aus dem Endkundengeschäft ausreichen, um insgesamt einen Return of Investment (ROI) für das 5G-Netz sicherzustellen.

ROI möglicherweise erst nach 15 Jahren

Erste Schätzungen von ABI Research deuten darauf hin, dass der ROI bis zu 15 Jahre dauern könnte. Nämlich dann, wenn MSPs lediglich auf die Umsätze mit Endverbrauchern setzen, um ihre Investitionen in das 5G-Rollout zu refinanzieren. Ein Weg zu einer schnelleren Amortisation führt laut ABI über den industriellen Einsatz der neuen Mobilfunktechnik. Tatsächlich zählt 5G zu den Schlüsseltechnologien für die digitale Transformation vieler Unternehmen. Mithilfe der zuverlässigen drahtlosen Kommunikationsplattform könnten sie wirtschaftliche Werte im Milliardenbereich schaffen, glaubt ABI Research.

Doch es gibt ein Problem: Bislang seien die kommerziellen 5G-Implementierungen für industrielle Anwendungen alles andere als optimiert. Demnach sind sie nicht geeignet, die digitale Transformation von Unternehmen zu beschleunigen und neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen. Denn in diesem Umfeld zählt nicht nur viel Bandbreite. Flexibilität der Netzwerkarchitektur, Interoperabilität mit bestehenden Betriebsprozessen, Kosteneffizienz, deterministisches Netzwerk-Verhalten, IT-Sicherheit, Datenschutz und extrem hohe Zuverlässigkeit haben für viele Applikationen einen mindestens ebenso hohen, meist sogar höheren Stellenwert. Ohne diese Eigenschaften bleibt 5G wenig attraktiv für vertikale Industrieanwendungen.

Unter dem Strich empfiehlt ABI Research den Telekommunikationsunternehmen, ihre Ziele für 5G realistisch zu definieren. Der Aufbau eines „Schweizer Taschenmesser“-5G-Netzwerks, das auf Anhieb den Bedürfnissen mehrerer Märkte und Branchen gerecht wird, sei unrealistisch. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer unternehmenstaugliche 5G-Dienste anbieten will, muss für den entsprechenden Unterbau sorgen.

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