Ericsson-Studie: Neuer Mobilfunkstandard 5G mit Startschwierigkeiten in Westeuropa

Redakteur: Michael Eckstein

580 Mio. Kunden bis Ende 2021: Der neue Mobilfunkstandard 5G wird laut einer Marktstudie von Netzwerkausrüster Ericsson besonders in Asien, den USA und arabischen Golfstaaten gut angenommen. Westeuropa hängt hinterher.

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Schneller surfen: Ericsson geht davon aus, dass sich 5G schneller durchsetzen wird als seinerzeit 4G. Westeuropa hinke der Entwicklung in anderen Regionen hinterher – was u.a. an der etablierten Festnetz-Infrastruktur liegen dürfte.
Schneller surfen: Ericsson geht davon aus, dass sich 5G schneller durchsetzen wird als seinerzeit 4G. Westeuropa hinke der Entwicklung in anderen Regionen hinterher – was u.a. an der etablierten Festnetz-Infrastruktur liegen dürfte.
(Bild: Adobe Stock)

Beim Ausbau der fünften Mobilfunkgeneration (5G) liefern sich Nordamerika, Nordostasien und die Golf-Staaten bereits ein Kopf-an-Kopf-Rennen – während Westeuropa gerade vom Startblock wegkommt. So lautet das Ergebnis des aktuellen Ericsson Mobility Report, der am Mittwoch in Stockholm veröffentlicht wurde. Interessant: Noch in diesem Jahr wird das Duo 4G/5G die Standards 2G/3G überholen, was die Anbindung Massive- und Broadband-IoT-Endgeräten angeht.

In Nordostasien inklusive China und Südkorea seien Ende 2020 bereits neun Prozent aller Mobilfunkverträge auf 5G umgestellt worden. In Westeuropa liege dieser Wert erst bei einem Prozent. Von weltweit insgesamt etwa 8,8 Mrd. Mobilfunkverträgen werden 2026 ca. 3,5 Mrd. die seit 2019 in einigen Regionen verfügbare 5G-Technik unterstützen, prognostiziert Ericsson.

„IoT wird 2026 rund 46 Prozent aller zellularen IoT-Verbindungen ausmachen“

Ericsson geht davon aus, dass die Massive-IoT-Technologien NB-IoT und Cat-M1 weiterhin weltweit ausgerollt werden, wobei die Zahl der Verbindungen im Jahr 2021 voraussichtlich um fast 80 Prozent auf fast 330 Millionen steigen wird. 2026 werden diese Technologien voraussichtlich 46 Prozent aller zellularen IoT-Verbindungen ausmachen.

Massive IoT besteht in erster Linie aus flächendeckenden Anwendungsfällen, bei denen eine große Anzahl von Geräten mit geringer Komplexität, niedrigen Kosten, langer Akkulaufzeit und relativ geringem Durchsatz verbunden werden. Etwa 120 Dienstanbieter haben NB-IoT kommerziell eingeführt und 55 haben Cat-M eingeführt. NB-IoT- und Cat-M-Technologien ergänzen sich gegenseitig, und etwa 40 Dienstanbieter haben beide Technologien eingeführt.

„Knapp die Hälfte werden der Broadband-IoT-Verbindungen sein“

Cat-M und NB-IoT folgen einem im Idealfall nahtlosen Evolutionspfad in 5G-Netze und können weiterhin in denselben Frequenzbändern wie heute eingesetzt werden. Zu den heute am häufigsten eingesetzten Massive-IoT-Geräten gehören verschiedene Arten von Zählern (Smart Meter), Sensoren und Geräten zur Positionsbestimmung, da diese und entsprechende Anwendungen wie Smart Metering und Asset Tracking einfach zu integrieren und durchgängig nutzbar sind.

Das Breitband-IoT umfasst hauptsächlich weiträumige Anwendungsfälle, die einen höheren Durchsatz, eine geringere Latenz und größere nutzbare Datenmengen erfordern, als Massive-IoT-Technologien unterstützen können. 4G unterstützt bereits viele Anwendungsfälle in diesem Segment. Bis Ende 2026 werden laut der Ericsson-Studie 44 Prozent der zellularen IoT-Verbindungen Breitband-IoT sein, wobei 4G den Großteil davon abdeckt. Mit der Einführung von 5G New Radio (NR) im alten und neuen Spektrum werden demnach die Datenraten für dieses Segment erheblich steigen.

Dynamisches Wachstum vor allem in Nordamerika

Bis zum Jahr 2026 sagt die Studie vor allem ein dynamisches Wachstum in Nordamerika voraus. Dort werde der 5G-Anteil von 4 Prozent im letzten Jahr auf 84 Prozent steigen. In Nordostasien würden dagegen bis 2026 nur zwei Drittel (65 Prozent) aller Mobilfunkverträge 5G nutzen. In absoluten Zahlen liegen die Asiaten mit 1,4 Milliarden 5G-Verträgen allerdings weit vorn. Für Nordamerika erwartet die Studie 340 Millionen 5G-Verträge.

In Westeuropa ist derzeit 4G (LTE) die dominierende Zugangstechnologie und macht 78 Prozent aller Verträge aus. Ericsson prognostiziert, dass 4G im Jahr 2026 auf 27 Prozent wegen des Umstiegs auf 5G zurückgehen wird. Ältere Standards wie UMTS (3G) verschwinden fast komplett. In Deutschland schalten die großen Provider den Dienst im Laufe dieses Jahres ab, um die Frequenzen für die effizienteren Mobilfunktechniken 4G und 5G nutzen zu können.

5G Conference in München

Die Fachkonferenz liefert am 30. September 2021 das nötige Wissen vom Prozessor über die Antennentechnik bis hin zu exemplarischen Lösungsansätzen und soll Anwendern in den Schlüsselindustrien die Entwicklung ihrer 5G-Anwendungen erleichtern. Melden Sie sich jetzt zur Hybrid-Konferenz an und sichern Sie sich noch bis zum 31. Juli Ihr Early-Bird-Ticket!

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Arabische Golfstaaten: Staatliche Förderung als Vertrags-Turbo

Die Verschiebung von einigen Frequenzversteigerungen habe dabei Auswirkungen auf den Einsatz und die Abdeckung von 5G in der Region. Die 5G-Durchdringung werde aber trotz des Startrückstandes bis Ende 2026 rund 69 Prozent erreichen.

Zielstrebiger als die Europäer sind die arabischen Golf-Staaten: In den Ländern des Golf-Kooperationsrates (GCC) würden digitale Initiativen staatlich gefördert, womit auch die 5G-Einführung beschleunigt werde, erklärt Ericsson. Im Jahr 2019 gehörten die GCC-Märkte demnach zu den ersten der Welt, die kommerzielle 5G-Dienste einführten. 2026 würden die Golf-Staaten mit einem 5G-Anteil von 73 Prozent hinter Nordamerika auf Platz zwei liegen. Wobei auch hier die absolute Zahl der Verträge weit hinter Asien zurückliegen wird.

180 Mio. kabellose Festnetzverbindungen in 2026

Der schwedische Netzwerkausrüster prognostiziert in seiner Studie Ericsson Mobility Report, dass die Zahl der kabellosen Festnetzverbindungen (Fixed Wireless Access, FWA) voraussichtlich bis Ende 2026 fast 180 Millionen erreichen wird. Bis zu diesem Zeitpunkt werde der Mobilfunk für die eigenen vier Wände rund 20 Prozent des weltweiten mobilen Netzdatenverkehrs ausmachen.

Die kabellosen Festnetzverbindungen über 4G oder 5G konkurrieren mit klassischen Breitbandverbindungen wie DSL, Kabel-Internet oder Glasfaserverbindungen. Sie sind – falls noch keine Kupfer- oder Glasfaserverbindungen liegen – vor allem in der Bereitstellung auf der „letzten Meile“ günstiger, weil man dafür keine Leitungen vom Verteilerkasten in die Wohnungen oder Büros legen muss.

Mit Material von dpa

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