„5G ja, aber mit geblockten Frequenzbereichen für die Industrie“

| Autor: Lisa Marie Waschbusch

2019 sollen die Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard vergeben werden.
2019 sollen die Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard vergeben werden. (Bild: Pixabay / CC0)

Wenige Wochen ist die Entscheidung der Frequenzvergabe für den 5G-Mobilfunk nun her, doch der mediale Rummel um das Thema scheint nicht abzuebben. Braucht man 5G für die Industrie oder reichen nicht auch andere, traditionelle oder bewährte Kommunikationsverfahren? Auch auf der SPS IPC Drives 2018 in Nürnberg war das ein Thema.

Knapp seien die Frequenzen für 5G, daher versteigere man sie. Mit diesen Worten kündigte Jochen Hamann, Präsident der Bundesnetzagentur, im Mai 2018 das Vergabeverfahren für die 5G-Frequenzen an. Heute, mehr als sechs Monate später, stehen die Vergabebedingungen fest. Bezogen auf Industrie 4.0-Anwendungen sollen in einem gesonderten Antragsverfahren zusätzliche Frequenzen im Bereich von 3.700 MHz bis 3.800 MHz sowie 26 GHz für lokale Nutzungen nach der Auktion 2019 bereitgestellt werden.

Ein wichtiger Akteur für den industriellen Bereich ist der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, kurz ZVEI. Der Verband habe sich intensiv für die Reservierung dieser Bereiche im industriellen Umfeld eingesetzt, sagt Roland Bent, Vorstandsmitglied im ZVEI-Fachverband Automation, auf der SPS IPC Drives und kommentiert damit die vor wenigen Tagen getroffene Entscheidung der Bundesnetzagentur. Auf der Messe ist der ZVEI auch mit der globalen Initiative „5G Alliance for Connected Industries and Automation (5G-ACIA) “ vertreten. Denn dort, in einer Welt der Automatisierung, Sensorik und Konnektivität, darf auch die aktuelle 5G-Diskussion nicht fehlen.

Nahezu Echtzeit-Kommunikation

Doch wie verändert sich das industrielle Umfeld mit Einführung von 5G? Mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Gigabit pro Sekunde und einer nahezu Echtzeit-Datenübertragung ist 5G als neueste Generation der mobilen Datenübertragung bis zu 1000-mal schneller als 4G. Moderne Sensorik kann solche Daten innerhalb von Maschinen und Anlagen zwar bereits sehr umfassend erheben, die Analyse zur Optimierung der Produktion erfolgt aber in der Regel dezentral und zeitverzögert.

Das soll sich mit 5G ändern: Erstmals soll der Mobilfunk den Einsatz kabelloser Sensorverbindungen für Echtzeit-Datenanalysen ermöglichen. Klassische Sensorhersteller wie Pepperl + Fuchs haben große Hoffnungen in die Technologie. „Wir glauben, dass 5G für unsere Branche wichtig ist und wir freuen uns über mehr IoT-Sensorik durch 5G“, sagt Michael Bozek, Business Development Manager Wireless Sensors, in Nürnberg. Pepperl + Fuchs ist Gründungsmitglied der 5G-ACIA-Initiative und engagiert sich zur Förderung der Technologie. Allerdings spielt auch Bozek darauf an, einen Frequenzbereich für die Industrie zu blocken.

Flächendeckung vor Echtzeitübertragung

Allerdings sollte die Kommunikation zwischen smarten Anlagen nicht nur in Echtzeit, sondern auch flächendeckend stattfinden. Für konkrete Industrie-4.0-Anwendungen im Internet of Things sei die flächendeckende Vernetzung wichtiger als die allermodernste Technik, so eine Einschätzung von Sopa Steria Consulting. Für viele Industrieanwendungen im Internet der Dinge sei eine LTE-Verbindung mit einer so genannten NarrowBand-IoT (NB-IoT)-Technik vollkommen ausreichend. „Flächendeckendes LTE würde vielen aktuellen Innovationen mehr nützen als 70 Prozent oder 90 Prozent 5G-Abdeckung“, sagt Christoph Henkels, Senior Manager Telecommunications, Media & Entertainment bei Sopra Steria Consulting. Viele IoT-Szenarien mit Sensoren und Aktoren ließen sich über das LTE-basierte NB-IoT bereits realisieren.

Braucht die Industrie 5G für IoT-Anwendungen? Experten meinen, 5G sei keine Konkurrenz zu bestehenden Übertragungssystemen in der Industrie, Technologien wie NB-IoT würden irgendwann in 5G überführt. Die Frage, welche Kommunikationsmethode in der Industrie sich für welche Anwendung am ehesten eignet, ist schwer zu sagen. Es wird noch Jahre dauern, bis 5G in Deutschland vollständig, geschweige denn flächendeckend, nutzbar sein wird. Ohne entsprechenden Glasfaserausbau können viele Vorteile der neuen Technologie nur bedingt genutzt werden.

Versteigerung im Frühjahr 2019

Mit Veröffentlichung der Entscheidung ist das Zulassungsverfahren zur Versteigerung eröffnet. Unternehmen, die an der Versteigerung teilnehmen wollen, können bis zum 25. Januar 2019, 15.00 Uhr Zulassungsanträge stellen. Der Beginn der Auktion ist für das Frühjahr 2019 vorgesehen.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Industry-of-things.de.

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