Kommunikations-Halbleiter 5G in Russland – warum ein neuer Kalter Krieg droht

Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland sollen den Krieg in der Ukraine stoppen. Betroffen ist auch die Mobilfunktechnik 5G – und mit ihr die Halbleiterbranche. Für Russland bleiben nur chinesische Firmen wie Huawei und ZTE als Lieferanten. Ist das der Beginn eines neuen Kalten Krieges zwischen Ost und West?

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5G und ein neuer Kalter Krieg: Die Sanktionen gegen Russland und das Verbot von Huawei könnten einen neuen Kalten Krieg der Hightech-Branche auslösen.
5G und ein neuer Kalter Krieg: Die Sanktionen gegen Russland und das Verbot von Huawei könnten einen neuen Kalten Krieg der Hightech-Branche auslösen.
(Bild: © markoaliaksandr – adobe.stock.com)

Der Krieg in der Ukraine hat Europa und der Welt gezeigt, dass militärische Auseinandersetzungen weiter eine reale Gefahr für die Menschheit sind. Die USA und ihre NATO-Verbündeten haben in diesem Krieg nicht viele Optionen, um auf die russischen Angriffe zu reagieren. Der Wunsch der Ukraine nach Flugverbotszonen wäre ein direkter Eingriff in die militärischen Operationen.

Eines der stärksten Druckmittel sind wirtschaftliche Sanktionen: Die Europäische Union, das Vereinigte Königreich und die USA haben alles eingefroren oder blockiert. Von Öl- und Gaslieferungen über Bankkonten bis hin zu den Luxusjachten der russischen Oligarchen.

Doch es gibt weitere Möglichkeiten, die Ukraine zu unterstützen: die technologischen Strafen. Die US-Regierung hat unter anderem weitreichende Halbleitersanktionen gegen Russland verhängt, die sich gegen das Militär richten. Sie betreffen aber auch den Hightech- und Telekommunikationssektor. Diese Sanktionen haben bereits erste Auswirkungen gezeigt.

TSMC liefert keine Halbleiter nach Russland

Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) als der weltweit größte Chiphersteller hat bereits zugestimmt, die Ausfuhr von Halbleitern nach Russland einzustellen. Die Chips werden in Smartphones bis hin zu militärischer Ausrüstung benötigt.

Ebenfalls eingestellt haben Nokia und Ericsson ihre Lieferungen von Infrastruktur an die russischen Betreiber Mobile TeleSystems (MTS), Megafon und Veon. Russlands größter Mobilfunkbetreiber MTS hatte im Jahr 2020 begonnen, zusammen mit dem schwedischen Anbieter seine bestehende Mobilfunkinfrastruktur von den Standards 2G/3G/4G auf 5G hochzurüsten.

5G-Aktivitäten in Russland sind hinfällig

Im April 2021 eröffnete MTS zusammen mit Ericsson ein 5G Innovation Hub in der russischen Metropole St. Petersburg. Die beiden Unternehmen rollten im Oktober 2021 private Mobilfunknetze aus, die Ericsson als 5G-Ready bezeichnet. Sie waren unter anderem für den Stahlriesen PJSC Severstal vorgesehen.

Alle Aktivitäten sind jetzt wegen der russischen Aggression gegen die Ukraine hinfällig. Die skandinavischen Anbieter haben sich aus allen russischen Verträgen zurückgezogen und werden in absehbarer Zukunft nicht mehr zurückkehren.

Somit ist die bereits von Ericsson und Nokia installierte Infrastruktur für den Mobilfunkstandard 5G nicht mehr zu nutzen. Derzeit gibt es in Russland keine größeren kommerziellen 5G-Netze. Lediglich 14 5G-Installationen sind an bedeutenden Orten in der russischen Hauptstadt Moskau installiert.

Wie in den USA gibt es auch in Russland keine einheimischen 5G-Anbieter, die derzeit Infrastruktur herstellen. Somit bleibt lediglich der große chinesische Anbieter Huawei als Hauptlieferant für russische 5G-Geschäfte übrig.

Huawei wird von den USA beobachtet

Die Chinesen haben bereits mit dem russischen Betreiber MTS begonnen, 5G zu implementieren [1]. Das war im April 2021 in der russischen Hauptstadt Moskau. Allerdings wollen die USA den Chinesen jetzt genau auf die Finger schauen und ihre Aktivitäten in Russland beobachten.

Huawei ist derzeit der größte Anbieter von Telekommunikations-Infrastruktur weltweit. Das Unternehmen installiert und betreibt 4G und 5G in weiten Teilen Afrikas und Asiens. In den letzten zehn Jahren sind die Verdachtsmomente über die engen Beziehungen des Anbieters zur kommunistischen chinesischen Regierung gewachsen. In den USA sind Huawei und ZTE bereits mit Sanktionen belegt [2].

Das Vereinigte Königreich hat sich dazu entschieden, dass alle 5G-Geräte von Huawei bis 2027 aus den Netzen entfernt werden müssen. Viele andere Länder haben Verbote eingeführt oder erwägen diese.

Weltweit führender Anbieter von Infrastruktur

Die Dell'Oro Group, ein US-amerikanisches Strategieunternehmen, welche weltweit die Netzwerk- und Telekommunikationsbranche analysiert, meldete Mitte März, dass sich der weltweite Umsatz mit Telekommunikationsausrüstung im Jahr 2021 der Marke von 100 Mrd. US-Dollar nähert. Das ist ein Anstieg von mehr als 20 Prozent seit 2017. Zurückzuführen ist das Wachstum vor allem auf das RAN-Wachstum. Huawei ist nach wie vor der weltweit führende Ausrüstungsanbieter, auch wenn sich die Sanktionen auf die Geschäfte der Chinesen auf ihren Umsatz auswirken.

Aufgrund der Invasion in der Ukraine könnte sich bei dem Kommunikations-Halbleitern eine neue Art von Kaltem Krieg anbahnen. Auch wenn chinesische Anbieter russische Betreiber mit 5G-Ausrüstung beliefern, so erschweren die Halbleitersanktionen der USA die Beschaffung von Kommunikationschips für die Infrastruktur.

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Der Krieg in der Ukraine zeigt eines deutlich: Die Sanktionen von Huawei und ZTE haben die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ost und West ordentlich durcheinandergewirbelt.

Ein neuer Kalter Krieg der Hightech-Branche ist möglich. Dabei wird 5G eine Schlüsselrolle einnehmen. Denn für die wirtschaftliche Weiterentwicklung eines Landes sind schnelle Daten eine wichtige Grundlage.

Referenzen

[1] Internetanbieter MTS startet Pilotprojekt in Moskau. (abgerufen am 28. März 2022)

[2] USA verschärft Einschränkungen für Huawei und ZTE. (abgerufen am 28. März 2022)

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