5G in der Praxis: Deutsche Bahn und Ericsson testen Network Slicing

| Redakteur: Michael Eckstein

Parallelcheck: Auf rund 30 km Strecke testet die Deutsche Bahn mit Ericsson neue Funktionen des zukünftigen Mobilfunkstandards 5G.
Parallelcheck: Auf rund 30 km Strecke testet die Deutsche Bahn mit Ericsson neue Funktionen des zukünftigen Mobilfunkstandards 5G. (Bild: PABST FILM GbR)

Parallel zum Digital-Gipfel in Nürnberg testen Deutsche Bahn und Ericsson die 5G-Funktion Network Slicing im Bahnverkehr. Der Test findet im Rahmen des Konsortiums 5G-ConnectedMobility statt.

Zugsteuerung, Zugüberwachung und On-Board-Entertainment: Die im kommenden Mobilfunkstandard 5G integrierte Network-Slicing-Technologie soll diese und weitere Funktionen im Bahnverkehr praktisch in Echtzeit ermöglichen. Wie gut das bereits klappt, ermittelt die Deutsche Bahn gemeinsam mit Partner Ericsson derzeit in einem Live-Test. Parallel zu diesen zeitkritischen Funktionen messen die Unternehmen noch die Temperatur und Luftfeuchtigkeit mithilfe der bandbreitenschonenden Übertragungstechniken Narrowband-IoT, kurz NB-IoT, und Cat M1.

Für ihren Test nutzen die Unternehmen das Testfeld des Konsortiums 5G-ConnectedMobility zwischen Nürnberg und Greding. Wie passend, dass quasi nebenan auf der Messe Nürnberg der Digital-Gipfel stattfindet: Die zuvor „Nationaler IT-Gipfel“ genannte Veranstaltung will nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie„die zentrale Plattform für die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft bei der Gestaltung des digitalen Wandels“ sein. Hier will die Bundesregierung die Weichen für den Digitalen Wandel stellen. Die zwölfte Ausgabe steht unter dem Motto „Ein Schlüssel für Wachstum und Wohlstand“.

5G: Bahn muss am Ball bleiben

Auch wenn die Deutsche Bahn seit Jahren ganz grundlegende Probleme wie die häufige Unpünktlichkeit ihrer Züge nicht in den Griff bekommt, ist es doch wichtig für den Konzern, bei zukunftsrelevanten Technologien nicht den Anschluss zu verpassen. Daher hat sie nun bei insgesamt sechs Fahrten mit verschiedenen Geschwindigkeiten zwischen 100 und 200 Kilometern in der Stunde die 5G-Funktionalität Network Slicing „das erste Mal im deutschen Bahnverkehr erfolgreich getestet“, wie der Konzern mitteilt. Dabei muss die eingesetzte Technik zeitgleich ganz unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Während beispielsweise das On-Bord-Entertainment einen hohen Datendurchsatz benötigt, müssen die kritischen Funktionalitäten für die Zugsteuerung und Überwachung besonders ausfallsicher sein.

Beim Train-Monitoring, der Anwendung zur Zugüberwachung, wird ein Video-Stream auf die Edge-Cloud-Application in Greding hochgeladen, der dann von einem beliebigen Punkt aus überwacht werden kann. Mit Narrowband-IoT- und CAT-M1-(Category M1-)Geräten werden hingegen Dienste mit geringen Anforderungen an die Bandbreite sowie niedrigem Energieverbrauch realisiert. Das 5G-Kernnetz, an das die Mobilfunkstandorte am Testfeld angebunden sind und durch das die Network-Slicing-Technologie ermöglicht wird, kommt aus dem Aachener Eurolab, Ericssons Forschungs- und Entwicklungszentrum in Deutschland.

5G-Funktionen auf 30 km Streckenlänge testen

Das Konsortium 5G-ConnectedMobility ist angetreten, auf dem „Digitalen Testfeld Autobahn“ eine dedizierte Netzinfrastruktur und eine reale Anwendungsumgebung aufzubauen. Hier sollen insbesondere Tests in den Bereichen Fahrzeug-zu-Fahrzeug, Fahrzeug-zu-Infrastruktur und Digitalisierung der Eisenbahninfrastruktur mit 5G-Technologie durchgeführt werden. Die Teststrecke umfasst einen rund 30 Kilometer langen Bereich der Bundesautobahn A9 sowie der Bahnschnellfahrstrecke zwischen den Anschlussstellen Nürnberg-Feucht und Greding in Bayern.

Mitglieder des 5G-ConnectedMobility-Projektes sind Ericsson, BMW Group, Deutsche Bahn, die drei Mobilfunkanbieter Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland und Vodafone, das 5G Lab Germany an der Technischen Universität Dresden sowie die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und die Bundesnetzagentur (BNetzA). Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie die Bayerische Straßenbauverwaltung (Autobahndirektion Nordbayern) unterstützen das Projekt.

5G-ConnectedMobility will 5G-Forschung und -Entwicklung (F&E) in Deutschland und in Europa stärken. Darüber hinaus setzt sich das Konsortium dafür ein, die technischen Anforderungen der unterschiedlichen Industrien in Deutschland in die internationalen 5G-Standardisierungsaktivitäten einzubringen.

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