5G: Europa soll größtes Experimentierfeld für neuen Mobilfunk werden

| Redakteur: Michael Eckstein

Sicherer fahren mit 5G: Die neue Mobilfunktechnik soll eine bessere Kommunikation zwischen Fahrzeugen ermöglichen.
Sicherer fahren mit 5G: Die neue Mobilfunktechnik soll eine bessere Kommunikation zwischen Fahrzeugen ermöglichen. (Bild: Car 2 Car Communication Consortium)

Neue 5G-Grenzkorridore sollen das Erforschen und Testen von Lösungen für vernetztes und automatisiertes Fahren länderübergreifend ermöglichen. Auch die Brennerautobahn mit einem Verkehrsaufkommen von über 60 Mio. Fahrzeugen jährlich soll 5G-Korridor werden.

Europa will eine führende Rolle im aufstrebenden Markt für 5G-Technologien einnehmen. Dafür müssen die EU-Mitgliedsstaaten jedoch an einem Strang ziehen und gemeinsam agieren – trotz vieler anders gelagerter politischer Streitpunkte.

Viele Länder haben das offenbar mittlerweile verstanden und wollen grenzübergreifende Bereiche einrichten, in denen Unternehmen die neue Mobilfunktechnik über Ländergrenzen hinweg testen können. Im Fokus stehen dabei Automotive- und Mobilitätsdienste, die aufgrund hoher Bewegungsgeschwindigkeiten schnelle und sichere Wechsel zwischen den Funkzellen sowie geringe Latenzen erfordern.

Grenzüberschreitende 5G-Korridore für Tests

Mittlerweile haben mehrere Mitgliedstaaten wichtige Schritte zum Ausbau des europäischen 5G-Netzes unternommen und regionale Vereinbarungen über so genannte 5G-Korridore unterzeichnet. Auf Basis dieser Abkommen zwischen den teilnehmenden europäischen Ländern soll nun ein europaweites Netz von 5G-Korridoren mit Hunderten von Kilometern Autobahnen entstehen, auf denen Tests durchgeführt werden.

Ein Etappenziel ist dabei der Automatisierungsgrad 3: Unter bestimmten Bedingungen kann ein Auto bei anwesendem Fahrer dann autonom fahren. Nach Ansicht der EU-Kommission wird das 5G-Kooperationsnetzwerk eine leistungsfähige Umgebung für das Erproben der 5G-Technologie bereitstellen.

Mehrere Initiativen sind bereits auf dem Weg

Bereits heute gibt es einige wichtige Initiativen: Frankreich, Deutschland und Luxemburg haben einen gemeinsamen Korridor zwischen Luxemburg, Metz und Merzig angekündigt, gefolgt von Norwegen, Finnland und Schweden mit dem Korridor E8 zwischen Tromsø (Norwegen) und Oulu (Finnland) und dem Korridor E18 zwischen Helsinki, Stockholm und Oslo. Die Niederlande und Belgien schließen sich dem Korridor Rotterdam – Antwerpen – Eindhoven an.

Auf dem Digital Day 2018 haben auch Spanien und Portugal einen Letter of Intent unterzeichnet: Zwei gemeinsame Korridore zwischen Vigo und Porto sowie zwischen Evora und Mérida sollen es auch hier ermöglichen, automatisches Fahren über die Grenzen hinweg zu testen. Bulgarien, Griechenland und Serbien arbeiten gemeinsam am Korridor Thessaloniki – Sofia – Belgrad. Darüber hinaus haben Italien und die Euroregion Tirol-Südtirol-Trentino ihre Absicht bekräftigt, in Zusammenarbeit mit anderen interessierten Mitgliedstaaten an der Entwicklung des 5G-Korridors auf der Brennerautobahn mit einem Verkehrsaufkommen von über 60 Millionen Fahrzeugen pro Jahr zu arbeiten.

Europa wird größtes 5G-Experimentierfeld

Laut EU-Kommission würden diese 5G-Korridore Europa zum größten Experimentierfeld für die Einführung der 5G-Technologie machen. Damit könnte Europa die Führungsrolle für groß angelegte Tests und die frühzeitigen Bereitstellung von 5G-Infrastrukturen einnehmen, die ein vernetztes und automatisiertes Fahren ermöglichen. Diese gesamteuropäischen Bemühungen sollen ein geschütztes und sicheres Umfeld für die Bürger schaffen, die letztlich die Vorteile des vernetzten und automatisierten Fahrens nutzen können.

Die 5G-Konnektivität ist nach Ansicht der EU-Kommissare eine grundlegende Voraussetzung für den digitalen Wandel unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Daher hat die Kommission im September 2016 den 5G-Aktionsplan (5G Action Plan) verabschiedet. Dieser enthält ehrgeizige Ziele für die Einführung von 5G ab 2020. Er sieht einen kommerziellen Start in europäischen Großstädten vor, während der flächendeckende Einsatz in weiteren Städten und entlang wichtiger Verkehrswege aufgebaut werden soll.

Unterstützung durch die Europäische Kommission

Damit das klappt, muss 5G länderübergreifend bestimmte Frequenzbänder nutzen können. Auch hier gibt es laut EU-Kommission Fortschritte: Demnach haben sich die Mitgliedstaaten darauf geeinigt, dass der Betrieb von 5G-Diensten bis 2020 in sämtlichen zuvor ausgewiesenen Frequenzbereichen möglich sein soll. In vielen Staaten hat die Vergabe der Frequenzbänder bereits begonnen. In Deutschland ist die Bundesnetzagentur (BNetzA) dafür zuständig. Erste Bereiche kommen voraussichtlich Anfang 2019 unter den Hammer. Dann sollen die Lizenzen auch hier versteigert werden.

Letztlich will die EU-Kommission sicherstellen, dass die Frequenzen rechtzeitig bereitstehen und Unternehmen zukunftssicher in den Netzausbau entlang der Transportwege investieren können. Dazu will sie den Austausch bewährter Verfahren erleichtern und verstärkt Fragen der Sicherheit, des Datenschutzes und der Datenverwaltung angehen.

Um den frühen Netzaufbau voranzutreiben, konzentrieren sich Marktteilnehmer und Behörden weltweit auf groß angelegte Versuche und Vorzeigeprojekte. Vielerorts entstehen sektorübergreifende Partnerschaften, die beim Validieren der Technologie helfen sollen. Europa will hier eine führende Rolle besetzen. Daher stellt sie im Rahmen des „5G Infrastructure Public Private Partnership“, kurz 5G-PPP, 50 Mio. Euro für den Aufbau von 5G für kooperativ vernetzte und automatisierte Mobilität auf dem Netz der grenzüberschreitenden Korridore bereit. Unternehmen sind aufgerufen, Vorschläge einzureichen.

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