5G – Ein Mobilfunkstandard wird zum Weltpolitikum

| Redakteur: Eilyn Dommel

5G-Experte: Jürgen Schreier ist Redakteur bei Industry of Things und Bandbreite.
5G-Experte: Jürgen Schreier ist Redakteur bei Industry of Things und Bandbreite. (Bild: VCG)

5G ist schnell, 5G ist verzögerungsfrei, 5G ist zuverlässig, 5G ist virtuell, 5G ist energieeffizient – und seit einiger Zeit ist der Mobilfunkstandard 5G auch noch dazu politisch brisant.

US-Miltärbasis oder 5G-Mobilfunktechnik aus China. Vor diese Wahl wurde kürzlich das NATO-Land Polen gestellt. Im Fadenkreuz haben die US-Amerikaner den chinesischen 5G-Netzwerktechnikanbieter Huawei, dessen Produkte von der Trump-Administration als Sicherheitsrisiko dargestellt werden. Sollte sich Polen beim Aufbau des 5G-Netzes für Ausrüstungen des Konzerns aus Shenzhen entscheiden, dann müsste das US-Militär im Zweifel über ein Netz mit unsicherer Technik kommunizieren. Und das ist natürlich „bad, very bad“, um mit Donald Trump zu reden.

Aber nicht nur Polen sieht sich solcher „Seelenmassage“ ausgesetzt. Nach einem Bericht der New York Times werden offenbar auch andere NATO-Verbündete von US-Stellen unter Druck gesetzt, bei der Schaffung der 5G-Infrastruktur auf Huawei-Produkte zu verzichten. Dem Bericht zufolge sah sich bereits Großbritanniens Außenminister Jeremy Hunt mit unangenehmen Fragen in Sachen Huawei konfrontiert und auch in Deutschland soll bereits im vergangenen Jahr eine US-Delegation aufgetaucht sein, um die hiesigen Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass der wirtschaftliche Nutzen preisgünstiger chinesischer Mobilfunktechnik mit einer Gefährdung der Sicherheit des NATO-Bündnisses verkauft würde. Auch in Berlin konnten die Amerikaner zumindest Zweifel an der „Zuverlässigkeit“ von Huawei & Co. säen.

Aber worum geht es in der Causa Huawei eigentlich? Was macht chinesische Mobilfunktechnik so unsicher? Zumindest in den Vereinigten Staaten geht seit geraumer Zeit die Angst um, dass die Chinesen - und namentlich Huawei - eine „Hintertür“ in die von ihnen gelieferten Telekommunikations- und Computernetzwerke einbauen könnten, die es den chinesischen Sicherheitsdiensten ermögliche, die Kommunikation von Militär, Regierung und Unternehmen abzufangen. Noch einen Schritt weiter geht der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) Gerhard Schindler, der die Auffassung vertritt, China wäre womöglich sogar zu einem „Killswitch“ in der Lage, mit dem sich bei einer politischen Krise das Mobilfunknetz lahmlegen ließe.

Vor dem Hintergrund, dass Unternehmen und Infrastrukturbetreiber (Energiewirtschaft, Bahn) das 5G-Netz für die schnelle Datenkommunikation nutzen wollen, sorgen solche Überlegen verständlicherweise für Magendrücken bei vielen Politikern. Hinzu kommt, dass Huawei eine besondere Nähe zur Kommunistischen Partei nachgesagt wird. Schließlich war Firmengründer Ren Zhengfei über 20 Jahre lang bei der Volksbefreiungsarmee, bevor er 1987 den Telekommunikationstechnik-Konzern gründete.

Weil aber die USA bisher den letztgültigen Beweis schuldig geblieben sind, wird in Europa zunehmend bezweifelt, ob es den Vereinigten Staaten wirklich nur um die Sicherheit geht oder ob nicht ein unbequemer Wettbewerber in die Defensive gedrängt werden soll. Trotzdem ist die Kontrolle über ein 5G-Netzwerk durch „falsche“ Hände ein potenziell gefährliches Werkzeug. Auch die Schadsoftware auf chinesischen Billig-Smartphones und Tablets, vor der aktuell das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt, verbessert nicht gerade das Vertrauen in chinesische Telekom-Produkte. Herstellerunabhängige Prüfungen könnten für die nötige Sicherheit kritischer Bauteile sorgen. Ebenso sei die Offenlegung aller Quellcodes ein guter Schritt, um wirksam auszuschließen, dass sich Infrastrukturkomponenten für Spionage- oder Erpressungszwecke missbrauchen ließen, meint Peter H. Ganten von der Open Source Business Alliance.

Weiterer Pluspunkt solcher Maßnahmen: Wettbewerbsneutrale Rahmenbedingungen würden gewahrt, denn alle Anbieter müssten sich solchen Zertifizierungsverfahren unterziehen. Und wenn auf dieser Basis die Vertrauenswürdigkeit nachweisbar ist, spricht nichts gegen den Einsatz von Komponenten aus dem Ausland.

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