45 Betriebssysteme für den Raspberry Pi

| Autor: Sebastian Gerstl

Eher was für Experimentierfreudige: Bei dem auch auf den Raspberry Pi portierten Betriebssystem AROS handelt es sich um eine freie, auf ARM Prozessoren angepasste Weiterentwicklung des AmigaOS von Commodore.
Eher was für Experimentierfreudige: Bei dem auch auf den Raspberry Pi portierten Betriebssystem AROS handelt es sich um eine freie, auf ARM Prozessoren angepasste Weiterentwicklung des AmigaOS von Commodore. (Bild: Stephen Jones / YouTube)

Da der Raspberry Pi vor allem bei Hobbyentwicklern und Makern großen Zuspruch findet, überrascht es wohl kaum, dass auch zahlreiche andere, eher unbekannte oder kuriose, Betriebssysteme für den Einplatinenrechner umgesetzt werden. Das meiste sind Hobbyentwicklungen und einige Bemühungen wurden zwischenzeitlich wieder eingestellt. An diesen Beispielen wird aber aktuell noch gearbeitet, und sie finden zumindest in eingefleischten Communities noch rege Beachtung.

AEROS: Betriebssystems-Erbe des Amiga-Computers

Eine solche Kuriosität ist AROS. Hierbei handelt es sich um eine unabhängige, freie und portable Weiterentwicklung des AmigaOS von Commodore aus den 1990er Jahren. Seit 2013 existiert eine Version von AROS (AEROS genannt), die auf Linux gehostet wird und so nativ auf der Hardware des Raspberry Pi lauffähig ist. Auch wenn es auf der News-Seite des Projekts seit Dezember 2016 eher still geworden ist, wird das Betriebssystem weiterhin langsam, aber stetig in Nightly Builds weiterentwickelt (letzter Stand: 4. März 2019) und funktioniert zumindest in rudimentärer Form auf Raspberry Pi 1, 2 und nach Aussage der AEROS-Webseite auch auf dem Raspberry Pi 3.

Auch Samsungs Tizen auf Raspberry Pi portierbar

Für den Smartphone- und Tabletmarkt existieren neben Android auch andere quelloffene Betriebssysteme, die es engagierten Entwicklern auch privat ermöglichen sollen, Anpassungen und Portierungen auf andere Plattformen vorzunehmen. Da diese Geräte überwiegend auf ARM-Prozessorarchitekturen aufbauen, erscheint es naheliegend, diese Open-Source-OS auch auf Einplatinenrechner wie dem Raspberry Pi zu übertragen. Mitte April 2015 hatte die Samsung Open Source Group angekündigt, das linuxbasierte Tizen 3.0 erfolgreich auf dem Raspberry Pi 2 umgesetzt zu haben.

Zwar existiert unter Tizen noch keine standardisierte Methode, um auch Apps auf dem Einplatinenrechner zu installieren. Wer aber dennoch mit dem Tizen-OS auf seinem Raspberry Pi experimentieren möchte, für den hält die Samsung Open Source Group auf ihrem Blog eine ausführliche Anleitung bereit. Laut offiziellem Wiki werden prinzipiell alle Raspberry Pi Modelle von Tizen 3 und Tizen 4 unterstützt, egal ob sie einen ARMv6-, ARMv7- oder ARMv8-basierten SoC verwenden.

Plan 9: Mehr Unix als Unix, auch auf dem Raspberry Pi 3B+

Ebenfalls nicht mehr ernsthaft weiterverfolgt, aber immer noch erwähnenswert ist dagegen „Plan 9 from Bell Labs“. Das ursprünglich von Mitgliedern der Computing Science Research Center der Bell Labs entwickelte OS ist eine logische Weiterentwicklung von Unix und existiert seit 2002 in einer vierten, quelloffenen Edition.

Wer das System ohne komplexe Installation austesten möchte, kann von einem GitHub-Repository ein vorgefertigtes Image des Open Source Betriebssystems Plan 9 für das Raspberry Pi herunterladen, das auf den Raspberry Pi Modellen Zero sowie den originalen und den 2er-Varianten lauffähig ist.

Lange Zeit war es still geworden um etwaige Portierungen von Plan 9 auf den Raspberry Pi. Dennoch gibt es immer noch einige Liebhaber, die sich mit dem potentiellen UNIX-Nachfolger beschäftigen. Inzwischen existiert eine Anleitung, wie Anwender Plan 9 auf einen Raspberry Pi 3 portieren können (Stand: 31. Mai 2018). Mit einem Fork des Plan-9-Betriebssystems ist es sogar möglich, auch die WLAN-Eigenschaften eines Raspberry Pi 3B+ auszunutzen (Stand: 31. Dezember 2018).

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