Industrielle Bildverarbeitung 40 Jahre FRAMOS: Vom Image Sensor zu Deep Learning

Redakteur: Gerd Kucera

Als Technologie-Distributor mit Applikationskompetenz startete FRAMOS vor 40 Jahren in den aufkommenden Markt der industriellen Bildverarbeitung. Mit Deep-Learning-Algorithmen, Cloud-Vernetzung und neuen Kooperationen liegt jetzt eine besondere Magie in der Bildverarbeitung, wie Branchenkenner Andreas Franz betont.

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Der CEO von FRAMOS, Dr. Andreas Franz, hat das Unternehmen über die Jahre mit einem eingespielten Führungsteam, eigenen Produktentwicklungen und Gestaltungsspielräumen mit viel Eigenverantwortung breit aufgestellt.
Der CEO von FRAMOS, Dr. Andreas Franz, hat das Unternehmen über die Jahre mit einem eingespielten Führungsteam, eigenen Produktentwicklungen und Gestaltungsspielräumen mit viel Eigenverantwortung breit aufgestellt.
(Bild: FRAMOS)

Nur wenige Branchen sind in den Jahrzehnten so beeindruckend gewachsen wie die industrielle Bildverarbeitung. Ursächlich dafür war die stete Fortentwicklung aller Disziplinen der Mikroelektronik. Die erste bekannte digitale Echtzeit-Bildverarbeitung entstand 1974 und nahm durch Digitalisierung ab 1979 fahrt auf. Die Systeme der industriellen Bildverarbeitung profitierten schließlich deutlich vom Fortschritt der allgemeinen Rechnertechnik (etwa Personal Computer) und konnten sich rasch in den Branchen verbreiten. Frame Grabber standen Ende der 90-er Jahre im Mittelpunkt der Weiterentwicklung. Mit einem beeindruckenden Branchenwachstum von 16 bis 18 Prozent über viele Jahre hinweg entstand schließlich die heutige IBV, eine unverzichtbare Schlüsseltechnik für beispielsweise die Automation, Qualitätssicherung, Medizintechnik, Verkehrstechnik und Logistik. Miniaturisierte und smarte USB-Kameras integrierten nun alles Nötige, der IPC liefert nur noch den Strom.

Vom Distributor zum Vision Enabler

Bernd Franz gründete 1981 die Framos Electronic Vertriebs GmbH und legte damit den Grundstein für die heutige FRAMOS, die nun sein Sohn, Dr. Andreas Franz, gemeinsam mit einem weltweiten Führungsteam seit mehr als 10 Jahren leitet. In Gründungszeiten stand die Distribution von Sensoren im Fokus, und schon damals war das Unternehmen nicht nur einfach ein Großhändler für Komponenten, sondern durch enge Partnerschaften mit Technologieführern wie Sony ein Experte in der industriellen Bildverarbeitung. In den 90er Jahren stand die Ausweitung der Geschäftsaktivitäten in ganz Europa auf der Agenda – ab da auch mit eigenen Produkten zur Unterstützung von Kamera-Entwicklern und -Anwendern. Nach der Jahrtausendwende hat FRAMOS mit neu gegründeten Auslandsgesellschaften, mit starken Partnern und der stetigen Erweiterung des Produktportfolios die Expansion in europäische Länder konsequent fortgesetzt.

Strategische Weiterentwicklung

Als Dr. Andreas Franz im Jahr 2008 die Leitung des Unternehmens mit 15 Mitarbeitern übernahm, hatte er bereits Erfahrungen in der Unternehmens- und Strategieberatung gesammelt und erkannt, dass FRAMOS eine gute Plattform zur technologischen und strategischen Weiterentwicklung bot. Ab diesem Moment führte er die elterliche Firma vom Großhändler zum globalen Technologiepartner für optische Sensoren und Systemlösungen.

Inzwischen bringt FRAMOS den Robotern und Maschinen das Sehen und mitunter auch das KI-basierte Denken bei, wozu immer öfter eigene Produkt-Plattformen zum Einsatz kommen, etwa das Embedded-Vision-Ecosystem. In Nordamerika ist das Unternehmen aus Taufkirchen nach eigenen Angaben mittlerweile eine tragende Säule der Firmengruppe geworden. Sie macht deutlich, wie gut sich deutsches Engineering mit der amerikanischen Sales-DNA ergänzen lässt. Derzeit erwirtschaftet das Unternehmen weltweit einen Umsatz von 60 Mio. € mit etwa 150 Mitarbeiten.

Management-Team fördert Eigenverantwortung

Nur etwa ein Drittel der Belegschaft arbeitet am Stammsitz Taufkirchen, der Großteil ist rund um den Erdball verteilt. Auch interessant: Die Mitarbeiter stammen aus 17 verschiedenen Nationen und werden von einem zehnköpfigen Management-Team geleitet. Das Team lenkt die einzelnen Geschäfts- und Ländereinheiten und legt fest, wie die Kundenanforderungen und die strategischen Anpassungen innerhalb der Organisation umgesetzt werden. Regelmäßig stimmen sich die Team-Mitglieder hinsichtlich vorher festgelegter Zukunftsthemen ab.

Bei dieser Umsetzung der Ziele trägt auch die „Kultur der Eigenverantwortung“ zum Erfolg bei. Dr. Andreas Franz sagt hierzu: „Ich investiere in Mitarbeiter, an die ich glaube und gebe ihnen größtmöglichen Entscheidungsspielraum. Aufgrund dieser Stärke, dem Familiensinn, der bei FRAMOS gelebt wird, und kluger Digitalisierungsmaßnahmen, die bereits vor Jahren eingeleitet wurden, konnte auch die Corona-Krise dem Unternehmen keinen größeren Schaden zufügen.“

Corona-Krise und Digitalisierung: gerüstet für die Zukunft

Im Hinblick auf das Corona-Jahr 2020 konstatiert Franz: „Als weltweit aktives Unternehmen traf uns der Lockdown nicht mit voller Härte. Letztlich profitieren wir davon, wenn Unternehmen jetzt intensiver digitalisieren und automatisieren. Denn die Bildverarbeitung ist schließlich ein Kern der Industrie 4.0.“

Die Mitarbeiter haben gute Gründe mit Zuversicht und Optimismus in die nächsten 40 Jahre zu gehen, auch wenn diese wieder viele Überraschungen und Unwägbarkeiten mit sich bringen werden. Franz bleibt gelassen: „Mit intelligenten Deep-Learning-Algorithmen, der Vernetzung über die Cloud und neuen Kooperationsansätzen zwischen Menschen, Maschinen und Systemen liegt jetzt eine besondere Magie in der Bildverarbeitung, ebenso in der intelligenten Nutzung von Daten. Es gibt noch große Potenziale und wir freuen uns, als Full-Service-Dienstleister unsere Kompetenz für und mit unseren Kunden weiterzuentwickeln.“

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