45 Betriebssysteme für den Raspberry Pi

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Google-Betriebssysteme: Android, LineageOS und Fuchsia

Schon seit Erscheinen von Version 2.3 des Android-Betriebssystems gab es zahlreiche Bemühungen, das Smartphone- und Tablet-OS Android auf den Raspberry Pi zu portieren. Als eines der aktivsten hatte das Community-Projekt „Razdroid“ verschiedene Versuche mit diversen Android-Versionen gestartet, die wegen mangelnder Hardwarebeschleunigung aber nicht flüssig und fehlerfrei auf dem Minicomputer laufen. So existieren schon seit Jahren langsame und instabile Portierungen von Android 2.3 („Gingerbread“), Android 4.0 („Ice Cream Sandwich“) und Android 4.4.2 („KitKat“), welche aber zunächst nichts mehr als generelle Machbarkeitsstudien darstellten.

Raspand: Seit Android 5.1 („Lollipop“) ist ein stabiler Betrieb von Googles Open-Source-Betriebssystem auch auf dem Einplatinenrechner möglich.
Raspand: Seit Android 5.1 („Lollipop“) ist ein stabiler Betrieb von Googles Open-Source-Betriebssystem auch auf dem Einplatinenrechner möglich.
(Bild: Arne Exton / raspex.exton.se)

Deutlich besser läuft dagegen das „RaspAnd“-Projekt von Linux-Entwickler Arne Exton. Er stellte am 24. September 2015 erstmals einen stabilen Android 5.1 („Lollipop“) Build vor, der sowohl auf Raspberry-Pi-2- als auch Raspberry-Pi-3-Modellen zufriedenstellend läuft. Über den Aptoide App Manager können auch einige Android-Anwendungen auf dem Rasperry-Pi-System installiert werden.

Später folgte von seiner „RaspAnd“-OS-Build auch eine Version auf Basis von Android 7.1.2 „Nougat“ verwendet. Der aktuellste stabile RaspAnd Build, Version 180717, basiert auf Android 8.1 „Oreo“. Das Image ist optimiert für die Boards Raspberry Pi 3 Model B und Model B+ und bietet neben Zugriff auf dem Android App Store auch Unterstützung für den offiziellen 7'' Touchscreen des Raspberry Pi. Die aktuellste Version (Stand 3. September 2019) von RaspAnd ist RaspAnd Pie 9 Build 190903 und enthält unter anderem Google Chrome,YouTube, den Aurora Store und das ree and Open Source Android App Repository F-Droid. RaspAnd Pi 9 ist auf die Modelle Raspberry Pi 3 B und B+ optimiert.

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Alternativ können Sie es auch mit der inoffiziellen Version des Open-Source-Projekts LineageOS 15.1 versuchen, das ebenfalls auf Android 8.1 basiert. Ein Image für die Raspberry Pi Modelle 3 und 3B+ finden Sie auf der entsprechenden Projekt-Webseite. Der LineageOS-Port bietet mehr Möglichkeiten für freie Konfiguration, ist aber entsprechend schwieriger zu handhaben und instabiler als die vergleichbare RaspAnd-Version. Seit dem jüngsten Release (6. Juli 2018) scheint sich in diesem Projekt aber nicht mehr viel neues getan zu haben.

Fuchsia: Das OS der Zukunft auch auf dem Raspberry Pi?

Neben Android basteln Google-Ingenieur an einem weiteren, offenen Betriebssystem. Der Mikrokernel Zircon – ehemals bekannt unter dem Namen Magenta – soll Basis des nächsten geplanten Smartphone-OS „Fuchsia“ werden.

Auch wenn ein voller, stabiler Release von Fuchsia OS bislang noch nicht vorliegt, konnte bereits bestätigt werden, dass der Mikrokernel prinzipiell auf einem Raspberry Pi 3 lauffähig ist. So demonstrierte beispielsweise der Betreiber des Blogs „Geek Till it Hertz" in einem YouTube-Clip, dass der Mikrokernel prinzipiell auf einem Raspberry Pi 3 läuft. Im zugehörigen Blogeintrag liefert der Autor auch Beschreibungen, wie man den Build selbst umsetzen kann.

Ein älteres Projekt zur Umsetzung von Chromium OS auf das Raspberry Pi war ebenfalls eine Zeitlang in der Entwicklung. Ziel war es, einen Raspberry Pi als eine sinnvolle Alternative zu einem Chromebook zu platzieren. Das Projekt wurde aber im November 2016 in Version 0.5 eingestellt, bevor fundamentale Funktionen wie etwa Bluetooth- oder Wi-Fi-Support integriert werden konnten. Daher zählen wir Chromium OS in unserem Listing nicht mehr auf. Wer trotzdem neugierig ist, kann den letzten Build von einem Repository auf Sourceforge herunterladen.

Da der Raspberry Pi vor allem bei Hobbyentwicklern und Makern großen Zuspruch findet, überrascht es wohl kaum, dass auch zahlreiche andere, eher unbekannte oder kuriose, Betriebssysteme für den Einplatinenrechner umgesetzt werden. Das meiste sind Hobbyentwicklungen und einige Bemühungen wurden zwischenzeitlich wieder eingestellt. An diesen Beispielen wird aber aktuell noch gearbeitet, und sie finden zumindest in eingefleischten Communities noch rege Beachtung.

AEROS: Betriebssystems-Erbe des Amiga-Computers

Eher was für Experimentierfreudige: Bei dem auch auf den Raspberry Pi portierten Betriebssystem AROS handelt es sich um eine freie, auf ARM Prozessoren angepasste Weiterentwicklung des AmigaOS von Commodore.
Eher was für Experimentierfreudige: Bei dem auch auf den Raspberry Pi portierten Betriebssystem AROS handelt es sich um eine freie, auf ARM Prozessoren angepasste Weiterentwicklung des AmigaOS von Commodore.
(Bild: Stephen Jones / YouTube)

Eine solche Kuriosität ist AROS. Hierbei handelt es sich um eine unabhängige, freie und portable Weiterentwicklung des AmigaOS von Commodore aus den 1990er Jahren. Seit 2013 existiert eine Version von AROS (AEROS genannt), die auf Linux gehostet wird und so nativ auf der Hardware des Raspberry Pi lauffähig ist. Auch wenn es auf der News-Seite des Projekts seit Dezember 2016 eher still geworden ist, wird das Betriebssystem weiterhin langsam, aber stetig in Nightly Builds weiterentwickelt (letzter überprüfter Stand: 4. März 2019). Die neuesten Downloads finden sich mittlerweile nur noch in einem Bereich für registrierte Nutzer befinden, ein ISO der Version 3.5 kann aber noch öffentlich bezogen werden. Das OS funktioniert zumindest in rudimentärer Form auf Raspberry Pi 1, 2 und nach Aussage der AEROS-Webseite auch auf dem Raspberry Pi 3.

Auch Samsungs Tizen auf Raspberry Pi portierbar

Für den Smartphone- und Tabletmarkt existieren neben Android auch andere quelloffene Betriebssysteme, die es engagierten Entwicklern auch privat ermöglichen sollen, Anpassungen und Portierungen auf andere Plattformen vorzunehmen. Da diese Geräte überwiegend auf ARM-Prozessorarchitekturen aufbauen, erscheint es naheliegend, diese Open-Source-OS auch auf Einplatinenrechner wie dem Raspberry Pi zu übertragen. Mitte April 2015 hatte die Samsung Open Source Group angekündigt, das linuxbasierte Tizen 3.0 erfolgreich auf dem Raspberry Pi 2 umgesetzt zu haben.

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Zwar existiert unter Tizen noch keine standardisierte Methode, um auch Apps auf dem Einplatinenrechner zu installieren. Wer aber dennoch mit dem Tizen-OS auf seinem Raspberry Pi experimentieren möchte, für den hält die Samsung Open Source Group auf ihrem Blog eine ausführliche Anleitung bereit. Laut offiziellem Wiki werden prinzipiell alle Raspberry Pi Modelle von Tizen 3 und Tizen 4 unterstützt, egal ob sie einen ARMv6-, ARMv7- oder ARMv8-basierten SoC verwenden. Allerdings hat Samsung die Bemühungen der Open Source Group seit 2018 immer weiter zurückgefahren, so dass die weitere Zukunft dieses Projekts ungewiss ist.

Plan 9: Mehr Unix als Unix, auch auf dem Raspberry Pi 3B+

Ebenfalls nicht mehr ernsthaft weiterverfolgt, aber immer noch erwähnenswert ist dagegen „Plan 9 from Bell Labs“. Das ursprünglich von Mitgliedern der Computing Science Research Center der Bell Labs entwickelte OS ist eine logische Weiterentwicklung von Unix und existiert seit 2002 in einer vierten, quelloffenen Edition.

Wer das System ohne komplexe Installation austesten möchte, kann von einem GitHub-Repository ein vorgefertigtes Image des Open Source Betriebssystems Plan 9 für das Raspberry Pi herunterladen, das auf den Raspberry Pi Modellen Zero sowie den originalen und den 2er-Varianten lauffähig ist.

Lange Zeit war es still geworden um etwaige Portierungen von Plan 9 auf den Raspberry Pi. Dennoch gibt es immer noch einige Liebhaber, die sich mit dem potentiellen UNIX-Nachfolger beschäftigen. Inzwischen existiert eine Anleitung, wie Anwender Plan 9 auf einen Raspberry Pi 3 portieren können (Stand: 31. Mai 2018). Mit dem 9Front-Fork des Plan-9-Betriebssystems ist es sogar möglich, auch Eigenschaften eines Raspberry Pi 4 auszunutzen (Stand: 8. Oktober 2019).

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