3D-Druckverfahren von Nanoscribe und KIT mit Technologiepreis ausgezeichnet

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

Die nur drei Millimeter große Eistänzerin wurde auf die Spitze eines Kristalls gedruckt.
Die nur drei Millimeter große Eistänzerin wurde auf die Spitze eines Kristalls gedruckt. (Bild: Nanoscribe)

Das Institut für Nanotechnologie und das Innovations­management des KIT sowie die Firma Nanoscribe erhalten für die Entwicklung eines hochpräzisen 3D-Laserdruckers den Technologietransferpreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Noch schärfere Fotos mit dem Smartphone machen, Nerven mit einem Klemmverschluss elektrisch stimulieren oder im optimalen Lebensraum Zellen züchten, all das ermöglicht ein superpräzises 3D-Druckverfahren, das Forscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt haben. Aus einer Methode für die wissenschaftliche Nische ist durch eine Unternehmensgründung binnen kurzer Zeit ein Weltmarktführer mit Millionenumsatz auf einem boomenden Hochtechnologiemarkt hervorgegangen.

Dafür, dass sie wissenschaftliche Erkenntnisse in wirtschaftlich erfolgreiche und nützliche Produkte überführt haben, erhalten das Institut für Nanotechnologie und das Innovationsmanagement des KIT sowie die Firma Nanoscribe jetzt den Technologietransferpreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).

Bei der 3D-Laserlithografie härtet ein Laserstrahl computergesteuert Strukturen in einem Fotolack aus, deren kleinste Abmessungen weniger als ein Tausendstel eines Millimeters betragen. Mit dieser Technik können zum Beispiel besonders stabile Materialien aus Miniaturgittern und -fachwerk, sehr kleine, sehr präzise Linsen für Sensoren und Optiken, aber auch winzige Gerüste für die Zucht von Zellen in körperähnlichen Umgebungen hergestellt werden.

Ursprünglich diente das Verfahren lediglich zur Herstellung sogenannter Photonischer Kristalle, die in der optischen Telekommunikation eingesetzt werden. Martin Wegener, Professor am Institut für angewandte Physik und einer der Direktoren des Instituts für Nanotechnologie des KIT, erkannte aber, dass es sich zur Herstellung nahezu jeglicher komplexer dreidimensionaler Mikro- und Nanostrukturen eignet und perfektionierte es mit seiner Arbeitsgruppe dahingehend.

„Am Anfang erschien es wie ein abgedrehtes Herstellungsverfahren, für das sich lediglich ein paar Freaks interessieren würden. Heute ist es der präziseste 3D-Laserdrucker auf dem Markt, mit all den Möglichkeiten und Stärken des 3D-Druckens“, sagt Wegener.

Das Interesse an den Karlsruher Präzisionsdruckern aus Wissenschaft und Industrie weltweit ist entsprechend groß: „Heute sind mehr als 150 unserer Geräte in über 30 Ländern im Einsatz“, sagt Nanoscribe-Geschäftsführer Martin Hermatschweiler, der 2007 mit Wegener die Firma mitbegründete. Damals waren sie zu viert, jetzt beschäftigt die Nanoscribe GmbH bei einem zweistelligen Millionenumsatz rund 60 Mitarbeiter und will weitere einstellen.

„Die Lizenzierung mehrerer Patente durch das Innovationsmanagement des KIT und die Anbahnung der Partnerschaft mit ZEISS haben entscheidend zu diesem Erfolg beigetragen“, sagt Martin Wegener. Das Unternehmen plant Ende 2019 in den Neubau des ZEISS Innovation Hubs am KIT zu ziehen, in den der Technologiekonzern mit Sitz in Oberkochen 30 Millionen Euro investiert. Damit werden in enger Anbindung an das KIT räumliche Voraussetzungen geschaffen, um Ausgründungen wie Nanoscribe ein optimales Umfeld für erfolgreiches Wachstum zu bieten.

„Die Unterstützung von Gründerteams ist eine unserer Kernaufgaben im Technologietransfer“, sagt Dr. Jens Fahrenberg, Leiter des Innovationsmanagements am KIT. „Bei Nanoscribe reichte das von ersten Fördermitteln über die Lizenzierung bis zur Ansiedlung in unserem Inkubator“, beschreibt er den Weg von der Geschäftsidee zum wirtschaftlichen Erfolg.

Den DPG-Preis sehen alle Beteiligten nun als eine weitere Bestätigung, dass sich die gemeinsamen Anstrengungen gelohnt haben. Den Technologietransferpreis verleiht die DPG am Mittwoch, 7. März, in Erlangen.

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