34 Prozent weniger Aufträge für die Bauelemente-Distribution im 3. Quartal 2019

| Redakteur: Margit Kuther

Abschwung: Der Markt für Bauelemente schwächelt in 3Q2019.
Abschwung: Der Markt für Bauelemente schwächelt in 3Q2019. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Die Umsätze der deutschen Bauelemente-Distribution schrumpften bei den Halbleitern um -13,3% und bei der Elektromechanik um -14,6% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Fehlt es der Hightech-Industrienation an Innovationen?

Der Einbruch im allgemeinen Komponentenmarkt hält auch im dritten Quartal 2019 an. So sank der Umsatz der im Fachverband Bauelemente Distribution (FBDi e.V.) organisierten Distributionsunternehmen um 12,6% auf 808 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Aufträge reduzierten sich gar um 34% auf 674 Mio. Euro. Damit fällt die Book-to-Bill-Rate – das Verhältnis vom Auftragseingang zum Umsatz – auf einen historisch niedrigen Wert von 0,83.

Ein schlechtes Omen, denn die Book-to-Bill-Rate ist ein mittelfristiger Trendindikator. Bei Werten kleiner 1 ist der Auftragseingang geringer als der Umsatz, so dass auch für das kommende Quartal mit einem Wachstums-Minus zu rechnen ist.

Halbleiter schrumpfen, Baugruppen und Systeme wachsen

Am stärksten unter dem Umsatzrückgang litten die Halbleiter (-13,3% auf 566 Mio. Euro) und die Elektromechanik (-14,6% auf 87 Mio. Euro), dagegen konnten sich passive Bauelemente mit -8,1% und 103 Mio. Euro Umsatz noch halbwegs behaupten. Stromversorgungen schrumpften um 11,5%, Displays um 13%, Baugruppen und Systeme um 10,9%. Sensoren dagegen wuchsen erneut, dieses Mal um 8,7%. An der Marktverteilung änderte sich nichts: Halbleiter 70%, Passive 13%, Elektromechanik 11%; der Rest erreichte zusammen 6%.

2019 droht ein zweistelliges Minus

FBDi-Vorstandsvorsitzender Georg Steinberger: „Der erwartete Umsatzrückgang im Sommerquartal ist leider etwas stärker ausgefallen. Ein solches Minus zeigte sich zum letzten Mal in der Zeit der Bankenkrise von 2008. Tendenziell blicken wir auf eine Mischung von drastisch reduzierten Lagerbeständen, Übervorsicht bei der Planung (getrieben durch die makroökonomischen Verunsicherungen) und konjunkturelle Bremsspuren in den Zielmärkten unserer Kunden. 2019 droht damit ein zweistelliges Minus in unserer Branche.“

Deutsche reden die Krise herbei

Ein großes Problem identifiziert Steinberger in der übergroßen „deutschen“ Skepsis: „In keinem Land Europas oder keinem der OECD-Länder ist die Stimmung so mies wie in Deutschland, obwohl die Konjunktur bei weitem noch nicht so schlecht ist.“ Von Januar bis Oktober sei der PMI (Production & Manufacturing Index von IHS Markit) von gut 50 auf 41,7 Punkte gefallen – 50 gilt als Schwelle zwischen Abschwung und Aufschwung. Selbst in einem krisengeplagten Land wie Italien sei die Stimmung weitaus besser. Oder in Großbritannien. Steinberger: „Man könnte fast meinen, der Brexit findet in Deutschland statt.“

Deutsche Unternehmen verschlafen den Energietreiber „Energiewende“

Zudem ist Deutschland derzeit nicht sehr innovativ im Umgang mit einer klimagerechteren Infrastruktur. „Die Energiewende, ein möglicher Technologietreiber, hat seit 2011 nicht nur nicht stattgefunden, sondern wird regelrecht verhindert. Das hilft der deutschen Hightech-Industrie nicht, Klimaziele werden verfehlt und Deutschland droht den Anschluss in punkto Umweltschutz zu verlieren.“

Lichtblicke für die Jahre 2020 und 2021?

Wenigstens für die Bauelementebranche sieht der FBDi nach Meinung von Steinberger Lichtblicke: „2019 ist sicherlich schlechter ausgefallen als erwartet, aber wir rechnen – aller Skepsis und der politischen Lähmung zum Trotz - mit einem positiven Trend im nächsten Jahr und einer Rückkehr zu alter Stärke in 2021. Der Aufschwung beginnt im Kopf.“

(Anmerkung des FBDi: die Gesamtstatistik für 2018 und 2019 wurden um die Zahlen von Mitgliedern bereinigt, die nicht mehr an der Statistik teilnehmen.)

Die Mitgliedsunternehmen des FBDi(Stand Juni 2019)

Acal BFi Germany; Arrow Europe; Avnet EMG EMEA; Beck Elektronische Bauelemente; Blume Elektronik Distribution; Bürklin Elektronik; CODICO; Conrad Electronic; Distrelec; Ecomal Europe; Endrich Bauelemente; EVE; Future Electronics Deutschland; Glyn; Gudeco Elektronik; Haug Components Holding; Hy-Line Holding; JIT electronic; Kruse Electronic Components; MB Electronic; Memphis Electronic; Menges Electronic; MEV Elektronik Service; mewa electronic; Mouser Electronics; Neumüller Elektronik GmbH; pk components; Püplichhuisen; RS Components; Rutronik Elektronische Bauelemente; Ryosan Europe; Schukat electronic; TTI Europe.

Fördermitglied: TDK Europe.

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