Die Messe, die sich immer wieder neu erfand 30 Jahre CeBIT

Autor / Redakteur: Renate Grimming, dpa / Stefan Liebing

Die CeBIT in Hannover blickt in diesem Jahr auf eine 30-jährige, bewegte Geschichte zurück. Ein tragischer Todesfall während eines rauschenden Festes überschattete damals die Premiere 1986. In diesem Jahr will sich die Computermesse noch einmal neu erfinden.

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2014 läuteten die Macher der CeBIT die Neuausrichtung als reine Geschäftsmesse ein und konnten 2015 trotzdem noch 201.000 Besucher begrüßen.
2014 läuteten die Macher der CeBIT die Neuausrichtung als reine Geschäftsmesse ein und konnten 2015 trotzdem noch 201.000 Besucher begrüßen.
(Bild: dpa - Bildfunk)

Die Digitalisierung durchdringt heute alle Bereiche des Lebens und Arbeitens. Kein Industriezweig und kein Unternehmen bleiben von dem Umbruch unberührt. Unter dem Messe-Motto «d!Conomy» will die CeBIT die großen Trends und drängendsten Fragen in diesem Jahr zum Thema machen - und sich damit einmal mehr neu erfinden. In Sachen Neuerfindung kann die CeBIT mit ihrer wechselvollen Geschichte auf reiche Erfahrung zurückblicken.

Vor 30 Jahren begann der lange als unaufhaltbar erscheinende Aufstieg der CeBIT in Hannover zur weltweit größten Leitmesse für Computertechnik. Die CeBIT wurde 1986 erstmals als eigenständige Veranstaltung für Büro- und Informationstechnik aus der Hannover Messe ausgegliedert. Ihre Premiere wurde jedoch gleich von einem Todesfall überschattet: Computer-Unternehmer Heinz Nixdorf brach auf einer rauschenden Messe-Party am 17. März auf der Tanzfläche mit einem Herzinfarkt zusammen und starb.

Dem 60-Jährigen war eine große Karriere gelungen. Mitte der 80er Jahre galt die Nixdorf Computer AG als viertgrößter Computerhersteller Europas. Von Personal Computern (PCs) hielt Nixdorf indes bis zuletzt recht wenig – was sich als eklatante Fehleinschätzung erwies. So soll er 1985 eine fast schon unterschriftsreife Zusammenarbeit mit einer kleinen Firma aus dem Silicon Valley ausgeschlagen haben: Auf die Anfrage, in Lizenz Apple-Rechner für den europäischen Raum zu produzieren, reagierte Nixdorf offenbar nicht.

Zehn Jahre nach Nixdorfs Tod, 1996, war bereits Microsofts Windows 95 etabliert. Ein Jahr zuvor stimmte Firmengründer Bill Gates in Hannover auf der CeBIT auf das neue Zeitalter des Betriebssystems ein. Das Internet befand sich allerdings noch in den Kinderschuhen. Auf der CeBIT 1996 senkte T-Online den Preis für den Netzzugang erheblich – nur noch 5 Pfennig sollte die Minute kosten. Als Zugangsanbieter standen noch Unternehmen wie AOL Bertelsmann Online, CompuServe und Germany.net bereit.

Zu den Highlights der CeBIT gehörten vor 20 Jahren auch die Netz-Computer von Oracle und Sun Microsystems. Sie sollten als schlanke Terminals innerhalb eines leistungsfähigen Netzwerks eine neue Ära des Personal Computers einläuten. Was sich heute als smarte Lösung anhört, entwickelte sich damals jedoch zum totalen Flopp – vermutlich, weil das Konzept seiner Zeit weit voraus war und die nötigen Netzkapazitäten noch längst nicht verfügbar waren.

Mit dem Siegeszug der Personal Computer schwoll auch der Besucherstrom der privaten Messebesucher nach Hannover kontinuierlich an. Schon 1996 versuchte die CeBIT, den großen Ansturm zu stoppen und stattdessen die Profis und Fachbesucher ins Visier zu nehmen. Die Eintrittspreise wurden von 32 auf 50 DM erhöht. Nach etwa 750.000 CeBIT-Besuchern im Boomjahr 1995 kamen ein Jahr später noch rund 600.000 Menschen nach Hannover.

2006 zog es noch 450.000 Menschen auf die Messe, immerhin 85 Prozent von ihnen Fachbesucher. Spätestens nach dem Umzug der Mobilfunkmesse Mobile World Congress von Cannes nach Barcelona im selben Jahr wuchs jedoch auch die Konkurrenz unaufhörlich an. Heute nehmen auch PC-Hersteller neben ihren Tablets und Smartphone ihre neuesten Notebooks wenige Wochen vor der CeBIT mit nach Barcelona. Auch die IFA in Berlin geriet immer deutlicher in Konkurrenz mit der CeBIT, insbesondere nachdem sie den Zwei-Jahres-Rhythmus aufgab und zur jährlichen Messe Anfang September wurde.

In den Jahren zuvor zeigte die CeBIT immer wieder ein sehr gespaltenes Verhältnis zur Unterhaltungselektronik, die immer mehr Aussteller nach Hannover mitbrachten. Das beschwor einen Konflikt unter den Ausstellern herauf.

Microsoft und Sony nutzten die Messe in Hannover zum Beispiel, um ihre Spielekonsolen Xbox und Playstation zu zeigen. Der schrille Rummel um die Daddelkisten war traditionellen Ausstellern ein Dorn im Auge. Die Idee, der Unterhaltung mit der CeBIT Home oder der Sonderschau «digital living» eigene Flächen zu bieten, erwies sich nicht als erfolgreich. Seither ist die Messe um ihr Profil bemüht. Geschäftsanwendungen sollen wieder in den Mittelpunkt rücken.

2014 läuteten die Macher schließlich eine fundamentale Neuausrichtung als reine Geschäftsmesse ein. Vergangenes Jahr zog die CeBIT noch 201.000 Besucher an. Die Neuausrichtung wurde als gelungen gelobt. In diesem Jahr wollen die Veranstalter auch das Konzept als Computermesse auf den Prüfstand stellen. Die CeBIT solle mehr ein Stelldichein der Branche sein - mit wachsender politischer Komponente, erklärte Messe-Chef Oliver Frese. Der digitale Wandel in allen Lebens- und Arbeitsbereichen sowie die Transformation der Geschäftsprozesse sollen auch in zahlreichen Vorträgen und Diskussionsrunden thematisiert werden.

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