3 Schritte zur Blockchain – so schaffen Unternehmen den Einstieg

| Autor / Redakteur: Andreas Göbel* / Ulrike Ostler

Für einen höheren Datanschutz bietet Camelot ITLab eine Software, die sensible Informationen nur lokal speichert, aber per Hash-Wert auf der Blockchain registriert.
Für einen höheren Datanschutz bietet Camelot ITLab eine Software, die sensible Informationen nur lokal speichert, aber per Hash-Wert auf der Blockchain registriert. (Bild: gemeinfrei - geralt/Pixabay / CC0)

Der Hype rund um Kryptowährungen hat die Blockchain berühmt gemacht. Doch nicht nur Bitcoin und Co. lassen sich mit dieser Technologie managen: Die Blockchain etabliert sich auch schrittweise und findet immer mehr Einsatzszenarien. Worauf müssen Unternehmen achten, wenn sie die Blockchain nutzen wollen?

Bestellungen nachverfolgen, Patientendaten verwalten oder ein verlorenes Smartphone sperren: Während die meisten Menschen Blockchain bislang nur in Verbindung mit Kryptowährungen kennen, handelt es sich um eine Basistechnologie, die sich in völlig unterschiedlichen Szenarien einsetzen lässt. Auch im Bereich der Unternehmens-IT gibt es bereits erste Pionier-Projekte. Als zentrale, nicht manipulierbare Datenbank, die sich über viele Knoten eines Netzwerks erstreckt, ermöglicht sie eine fälschungssichere Aufzeichnung von Transaktionen, bei der nachträgliche Änderungen unmöglich sind.

1. Definition von Einsatzszenarien

Die Blockchain ist ideal für alle Geschäftsprozesse, bei denen Vertrauen und Unveränderbarkeit unabdingbar sind. Unter diesem Aspekt sollten Unternehmen in einem ersten Schritt analysieren, welche ihrer Prozesse von dem Einsatz der Blockchain profitieren könnten. Folgende Beispiele zeigen, wie der Einsatz der Blockchain im Unternehmensalltag aussehen kann:

Einsatzszenario Logistik: Leicht verderbliche Produkte müssen auf dem Transport permanent gekühlt werden und dürfen eine vorab definierte Temperatur nicht deutlich über- oder unterschreiten. Über Sensoren am Produkt lässt sich mit Hilfe von IoT-Technologie (Internet of Things) ein digitaler Zwilling des Kühlguts in der Blockchain erstellen. Damit ist eine lückenlose Dokumentation des Transports garantiert, wodurch sich das Vertrauen zwischen allen beteiligten Parteien steigern lässt.

Sollte ein Produkt auf dem Transportweg höheren Temperaturen ausgesetzt sein als vorgesehen, wird automatisch und unveränderbar in der Blockchain festgehalten, dass es nicht mehr genießbar ist. Alle nachfolgenden Empfänger, Händler oder Endverbraucher, können dies auf einfache Weise nachvollziehen.

Einsatzszenario Medizin: Patientendaten, die aktuell bei unterschiedlichen Ärzten und Gesundheitseinrichtungen verteilt liegen, lassen sich mittels Blockchain-Technologie in einer zentralen Patientenakte konsolidieren. Patienten könnten auf diesem Weg eine digitale Akte erhalten, die sie selbst unter Kontrolle haben.
Sollten Patienten einen neuen Arzt aufsuchen, oder ins Krankenhaus eingewiesen werden, so können sie über eine eindeutige Erlaubnis Zugriff auf die Daten aus früheren Behandlungen gewähren.
Auch die Forschung könnte profitieren, wenn Patienten in einem Gesundheitsnetzwerk freiwillig anonymisierte Daten zur Verfügung stellen würden. Insbesondere bei modernen Behandlungsmethoden, die eine Zellentnahme, -bearbeitung und -wiedereinsetzung vorsehen, beispielsweise in der Krebstherapie, ist die Blockchain-Technologie eine gut geeignete Prüfinstanz, um die Verwechslung von Zellproben auszuschließen.

Einsatzszenario Smartphones: Bei Verlust eines Smartphones ist es heute möglich, die SIM-Karte sperren zu lassen. Mit der SIM-Karte eines anderen Anbieters jedoch ist das Gerät meist problemlos wieder einsatzbereit. Fremde können das Smartphone demnach weiter nutzen und erhalten Zugriff auf die gespeicherten Daten.
Mit einem Blockchain-basierten Verzeichnis der Identifikationsnummern jedes Gerätes ist es möglich, den Besitzstand immer eindeutig nachzuvollziehen. Smartphones, die als gestohlen oder verloren gemeldet sind, wären somit allen Teilnehmern bekannt und über eine Schwarze Liste vor der Weiterverwendung geschützt.

2. Datenschutz in der Blockchain

Unternehmen müssen sich darüber im Klaren sein, was Datenschutz in der Blockchain bedeutet. Die unveränderbare Speicherung von Daten ist eine der wichtigsten Eigenschaften der Blockchain und macht diese Technologie für das Speichern von Informationen besonders vertrauenswürdig.

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Allerdings heißt „sicher“ im Sinne eines Manipulationsschutzes nicht „sicher“ im Sinne des Datenschutzes: Informationen in der Blockchain sind per Definition von allen Teilnehmern des Netzwerks abrufbar.

Darin besteht die Einzigartigkeit der Technologie. Anders als bei Kryptowährungen ist diese absolute Transparenz gerade im Business-Kontext nicht immer gewünscht. Für kein Unternehmen kann es sinnvoll sein, seinen Geschäftspartnern, Lieferanten oder gar der Konkurrenz Zugang zu sensiblen Daten zu geben. Was also tun?

In einer Blockchain eentsteht ein gemeinsames virtuelles Logbuch, das von allen Teilnehmern des Netzwerks zwar eingesehen werden kann, das aber nicht manipulierbar ist.
In einer Blockchain eentsteht ein gemeinsames virtuelles Logbuch, das von allen Teilnehmern des Netzwerks zwar eingesehen werden kann, das aber nicht manipulierbar ist. (Bild: Camelot ITLab)

Damit die Blockchain für den Einsatz im Business-Umfeld produktiv nutzbar wird, ist häufig ein Zwischenschritt erforderlich, der die Daten noch einmal zusätzlich verschlüsselt. Ein solches System speichert die sensiblen Informationen nur lokal und registriert sie per Hash-Wert auf der Blockchain.

Das ermöglicht beispielsweise einer Behörde fälschungssicher abzufragen, ob sich eine bestimmte regulierte Zutat in einem Lebensmittel befindet, während das komplette Rezept und die anderen Zutaten für sie nicht einsehbar sind. Camelot ITLab hat für diese Art der Verschlüsselung die Lösung Trusted Computing Appliances entwickelt, ein System, das die Blockchain für den Einsatz in Unternehmen adaptiert.

3. Testlauf in realer Umgebung

Über die drei genannten Anwendungsfälle hinaus gibt es eine Vielzahl von individuellen Einsatzszenarien in Unternehmen, die einen großen Wettbewerbsvorteil verschaffen können. Die ersten Schritte in Richtung Blockchain zu gehen ist für viele Firmen noch schwer. Deshalb bietet Camelot ITLab mit der „Digital Experience2“ eine Möglichkeit, die Blockchain im eigenen Unternehmen auszuprobieren und mit Prototypen zu arbeiten, die den Mehrwert greifbar machen.

Dieser Prototyp wird auf Basis von konfigurierbaren Software-Modulen entwickelt, die unter anderem auf „SAP Leonardo“ aufgebaut sind. Durch eine Verknüpfung dieser Bausteine mit der eigenen Unternehmens-IT in einer gesicherten Umgebung, entsteht ein erster, konkreter Eindruck von den Möglichkeiten in der Blockchain. Damit lassen sich RoI-Prognosen ableiten und Erkenntnisse gewinnen, die dabei unterstützen, weitere Entscheidungen zu treffen und Stakeholder mit ins Boot zu holen.

Vor allem große Unternehmen prüfen derzeit die Nutzung der Blockchain-Technologie in vielversprechenden Pionier-Projekten. Durch das Zusammenspiel mit weiteren IT-Megatrends, zum Beispiel Künstliche Intelligenz und Internet of Things, werden in den kommenden Jahren noch viele weitere Anwendungsszenarien entstehen. Für Unternehmen ist jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um sich im Rennen um die Poleposition in Stellung zu bringen.

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* Andreas Göbel ist Head of Center of Digital Innovation bei Camelot ITLab. Er leitet bei dem Unternehmen das globale Center of Digital Innovation für Blockchain. Als digitaler Vordenker verantwortet er nicht nur Pionier-Projekte mit Großunternehmen, sondern auch die Entwicklung neuer Lösungen und Use Cases. Seine doppelte Kompetenz als innovativer Visionär und fachlich versierter SAP-Architekt stellt dabei Technologie und Anwendung gleichermaßen in den Fokus.

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