Generative Fertigung 3-D-Druck wird konventionelle Fertigung nicht verdrängen

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Trotz des Hypes um den 3-D-Druck wird dieser nicht konventionelle Fertigungsverfahren verdrängen. Hochwertige Komponenten werden auch künftig professionell gefertigt werden.

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3-D-Druck jetzt auch farbig und fotorealistisch: Dr. Conor MacCormack, Mitbegründer und CEO von Mcor Technologies, einmal aus Papier und einmal in echt.
3-D-Druck jetzt auch farbig und fotorealistisch: Dr. Conor MacCormack, Mitbegründer und CEO von Mcor Technologies, einmal aus Papier und einmal in echt.
(Rising Media)

Was macht ein Astronaut der ISS, wenn er oder sie ein defektes Werkzeug hat, eine gebrochene Klammer oder ein fehlendes Teil für ein Experiment. Schließlich ist der nächste Ersatzteilladen viele Hundert Kilometer entfernt. Der Nutzen, wenn man statt Ersatzmaterialien nur Konstruktionsdaten ins All liefern müsse, ist offensichtlich. So können sich Astronauten beispielsweise einen Schraubenschlüssel vor Ort drucken. Die Schwerelosigkeit ist allerdings nicht gerade ideal für den 3-D-Druck.

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Das war ein Thema der Inside 3D Printing in Berlin, einer Fachkonferenz für additive Fertigungsverfahren. Themen waren in diesem Jahr bionische Ansätze für den Leichtbau in Luftfahrt und Automobilindustrie, die Möglichkeiten der Integration mehrerer Bauteile und Funktionen in ein gedrucktes Bauteil, die Kombination verschiedener Fertigungsverfahren sowie die Design-Möglichkeiten für Spielzeug-, Mode- oder der Schmuck-Industrie. Gedruckte Bauteile gibt es heute schon in der Luftfahrt, wenn auch nicht in flug-kritischen Funktionen. Denn additive Fertigungsverfahren bieten eine hohe geometrische Freiheit, ermöglichen ganz neue Leichtbau-Anwendungen.

Zu der zweiten deutschen Ausgabe der Inside 3D Printing trafen sich Experten, Wissenschaftler, Dienstleister, Hersteller, Händler und Investoren sowie Fachleute verschiedenster Branchen, die mehr über den professionellen Einsatz des 3-D-Drucks berichten und erfahren wollten. Die Teilnehmer konnten sich in fast 60 Konferenzsessions über das gesamte Spektrum des 3-D-Drucks im professionellen Einsatz auf den aktuellen Stand bringen. Die Vorträge präsentierten Geschäftschancen, Praxisbeispiele und den aktuellen Forschungsstand zur Technologie.

Konventionelle Fertigung wird nicht verdrängt

Gerade angesichts des Hypes um 3-D-Druck traten viele Sprecher aber auch Mythen und euphorischen Erwartungen entgegen. So erklärte Professor Olaf Diegel von der Universität Lund: „Der 3-D-Druck wird konventionelle Herstellungsmethoden nicht ersetzen. Es ist eine komplementäre Technik, die für bestimmte Produkte, auf die richtige Weise angewendet, große Vorteile gegenüber konventionellen Herstellungsmethoden birgt.“

Zahlreiche Redner betonten, Heimdrucker in Privatbesitz würden auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, mehr als 3-D-Spielereien für den Hausgebrauch zu drucken. Qualitativ hochwertige Komponenten mit Gewährleistung würden auch in Zukunft ausschließlich im professionellen Bereich gefertigt werden. Hier geht es um Standards, Konstruktionsrichtlinien und die Definition von Toleranzen. Die Qualifikation von Bauteilen gehöre zu den wichtigsten Elementen der Wertschöpfungskette bei der additiven Fertigung.

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