Stromversorgung 2012/13 drohen von Solarstürmen verursachte Stromausfälle mit enormen Folgekosten

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Sonnenstürme, Cyberattacken und andere Ursachen können zukünftig vermehrt großflächige Stromausfälle verursachen, gegen die sich Unternehmen besser wappnen müssen, da ihnen sonst enorme Folgekosten drohen.

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Unternehmen in Europa und den USA müssen künftig mit größeren Stromausfällen rechnen, die Folgekosten in Millionenhöhe verursachen können. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Allianz Industrieversicherers Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) mit dem Chief Risk Officer Forum.

Grund sind veraltete Stromversorgungsnetze, die starke Abhängigkeit von Informations- und Kommunikations-technologien, aber auch eine unzureichende Vorbereitung seitens der Unternehmen. Zudem könnten Solarstürme oder Cyberattacken kritische Teile der Versorgungsinfrastruktur über längere Zeit außer Kraft setzen.

Stromausfälle bewirken enorme Schäden

Der großflächige Stromausfall in den USA und Kanada 2003 zeigt die hohen Folgekosten von Stromausfällen auf: Der wirtschaftliche Schaden wird auf 4 bis 8 Mrd. US-$ geschätzt. Doch auch bereits „übliche“ kürzere Stromausfälle können für Unternehmen beachtliche Kosten durch ruhende Produktion, stillstehende Anlagen oder Schäden an Daten oder Produkten verursachen. Schätzungen zufolge belaufen sich diese beispielsweise für einen Stahlhersteller auf 350.000 € pro Ausfall, für einen Finanzhändler auf 6 Mio. € pro Stunde und für einen Telekommunikationsanbieter gar auf 30.000 € pro Minute.

Ohne Erneuerungsinvestitionen sinkt die Versorgungssicherheit

Unternehmen in Europa oder den USA müssen sich auf vermehrte Stromausfälle einstellen, da die Versorgungssicherheit ohne Erneuerungsinvestitionen in die Stromnetze deutlich abnehmen wird. Die bestehenden Netze können das Wachstum der erneuerbaren Energien nicht bewältigen: Die Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt stark und findet meist weit entfernt von Verbrauchszentren statt.

Nachhaltige Energien brauchen Smart Grids

„Um das Wachstum der erneuerbaren Energien zu stemmen, brauchen wir Smart Grids mit Mess-, Kommunikations- und Kontrollfunktionen und auch bessere Transport- und Speicherkapazitäten“, erklärt Michael Bruch, Risk Consultant bei AGCS. Zudem müssten die bestehenden Netze erweitert werden, um Strom aus dezentralen Erzeugungsquellen einzuspeisen und auch grenzüberschreitend ungehindert fließen zu lassen.

Verkettung mehrerer Unzulänglichkeiten als Blackout-Ursache

Größere überregionale Stromausfälle werden nicht durch einen einzigen Auslöser verursacht. „Es liegt eine Verkettung mehrerer Unzulänglichkeiten vor“, erklärt Markus Aichinger, Senior Risk Manager der Allianz SE.

Ein typisches Ausfallsszenario: Wird in den Sommermonaten durch den Einsatz von Klimaanlagen sehr viel Strom benötigt, wenn die Netze ohnehin bereits ausgelastet sind, dann kann es durch falsche Schalthandlungen sehr leicht zu einem Stromausfall kommen. Überalterte Netzinfrastrukturen begünstigen Dominoeffekte, die auch in benachbarten Stromnetzen Ausfälle verursachen können.

Alle 11 Jahre ist ein Sonnenfleckenmaximum

In den kommenden zwei Jahren könnten auch Weltraumwetterphänomene größere Stromausfälle auslösen: Geomagnetisch induzierte Sonnenstürme folgen einem 11-Jahres-Zyklus – eine nächste Spitze ist 2013 zu erwarten. Die ungewöhnliche hohe Strahlungsaktivität könnte vor allem in nördlichen Regionen Transformatoren durch Kurzschluss massiv schädigen; deren Wiederinstandsetzung würde Tage oder gar Wochen benötigen.

Unternehmen sollten sich gut auf Stromausfälle vorbereiten

Unternehmen sollten sich besser auf mögliche Stromausfälle vorbereiten, raten die Allianz Experten. Mit einer Notstromversorgung ließen sich zumindest kürzere Ausfälle überbrücken und so teure Betriebsunterbrechungen vermeiden. Zweitens sollte im Rahmen eines unternehmensweiten Business Continuity Management ausdrücklich auch auf Stromausfälle eingegangen werden. Ein solcher Notfallplan ist auch die Voraussetzung dafür, dass sich Unternehmen überhaupt gegen Schäden durch Stromausfälle versichern können.

Stromausfälle meist ohne physische Schäden

Üblicherweise greifen Policen nur dann, wenn Betriebsunterbrechungen unmittelbar durch einen Sachschaden herbeigeführt werden. Gerade Stromausfälle lösen jedoch typischerweise Betriebsunterbrechungen ohne physischen Schaden an Gebäuden oder Produkten aus. Dies erfordert neue Arten des Risikotransfers: „Betriebsunterbrechung ohne Sachschaden zu decken, ist für die meisten Versicherer Neuland“, betont AGCS-Experte Bruch. „Wir werden unseren Kunden dafür eine Lösung anbieten, die kein Standardprodukt ist, sondern individuell auf die jeweilige Risikosituation angepasst wird.“

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